Botswana           17.02.-10.03.2007

 

Nach dem Frühstück werden wir von Kea, dem Autoverleiher im Flughafenhotel von Johannesburg abgeholt. Bis wir unser Auto gecheckt und im Shoprite Lebensmittel für die nächsten 3 Wochen eingekauft haben, ist es 13.30 als wir uns endlich auf den Weg machen. Die N1 kennen wir bereits. Bei Mokopane nehmen wir dann die N11 Richtung Groblersbridge, das in Botswana Martin’s Drift heißt. Kurz vor der Grenze finden wir einen sehr gepflegten Campingplatz: Mini Town. Wir sind die einzigen Gäste, mitten auf dem schönen Rasen, umgeben von wohlriechenden Frangipani und Flammenbäumen und einem Obstgarten mit Papaya, Zitronen, Kumquat, Mango, Amarula u.a. die ich nicht kenne. Wir schaffen es noch rechtzeitig den Sundowner zu trinken und unser Nachtlager aufzubauen. Dazu klappen wir die linke Seite des Trax um 90° herunter, 2 dicke Ketten halten sie in dieser waagrechten Position, legen die dicken Matratzen drauf und fertig ist das Bett. Eine Plane umgibt uns. An 3 Seiten können wir per Reißverschluss Fenster öffnen, die dann nur noch durch Moskitonetze verschlossen sind. Im Auto koche ich uns einen Teller Spaghetti, die wir auf unserer Campingausrüstung im Freien sitzend, essen. Die erste Nacht im Auto schlafen wir schlecht, uns wird irgendwann kalt. In der Früh weckt uns der Hahn, es ist ein herrlicher Morgen, wieder warm und beim Frühstück leisten uns Pfaue und Strauße Gesellschaft. Die Anlage ist wirklich Tip-Top, aber im Damenbad kommt der kitschige Geschmack der Buren zum Ausdruck: die riesige Badewanne, der ebenso große Frisiertisch mit Püppchen und Deckchen, der reichverzierte Spiegel und die billigen Bilder an der Wand. Gruselig!



Tuli Block

Ein paar Km nach der Grenze biegen wir von der Asphaltstraße in eine 150km lange kerzengerade Sandpiste ein und sehen auf der ganzen Strecke gerade mal 3 Autos. Das Gebiet scheint abgesehen von ein paar Farmen völlig unbewohnt zu sein. Einmal überquert eine Warzenschweinmutter mit ihren 4 Jungen im Gänsemarsch die Straße, dann sehen wir Springböcke, Guinneafowls, Affen. Schließlich kommen wir an ein Tor mit der Aufschrift Molema Campsite. Nun windet sich der enge Weg durch stacheliges Gestrüpp, führt durch etliche Furte und als wir endlich ins Lager unter hohen Bäumen kommen teilen uns zum Gruß die Schwarzen mit, dass wir einen Platten haben. Heimo meint ich sei schlecht und für die Straßenverhältnisse viel zu schnell gefahren. Die Schwarzen zeigen uns das Loch im Reifen, es stammt von einem Camelthorn Busch, der hier überall wächst. Daraufhin mildert Heimo sein niederschmetterndes Urteil etwas ab.

Nachdem sie uns den Reifen gewechselt haben führen uns die jungen Männer zu unserem Campingplatz. Riesige Nyala Trees oberhalb des Limpopo Flussbettes. Wir sind alleine hier. Eine saubere Toilette, Dusche, Pavian-sichere Mülleimer, Grillplatz. Leider haben wir kein Fleisch dabei. Der Schwarze bedauert nur kaltes Wasser zu haben, aber es rinnt siedendheiß aus der Brause. Er bringt uns Brennholz. Wir trinken gleich 2 Gin-Tonic und lauschen den Geräuschen die vom Fluss heraufdringen. Etwas später bringen uns die Schwarzen den reparierten Reifen. Beim Sonnenuntergang sitzen wir am Ufer und suchen den spärlichen Fluss mit unseren Ferngläsern ab. Um uns herum quietscht, summt, zirpt, quakt, schnarcht, knarrt, zwitschert, knackst, klopft, gackert, pickt, hämmert es und wir genießen die sternenklare Nacht.

Pünktlich um 5.00 werden wir wie vereinbart von den Schwarzen geweckt. Wir packen zusammen und fahren ohne Frühstück gleich los zum Game Drive with our own car. Der Motloutse (großer Elefant) führt zum Glück kein Wasser, doch die Durchfahrt durch das sandige Flussbett, mit den zu beiden Seiten steil aufsteigenden Flussufern und den 30m hohen Felswänden (Salomon’s Wall) beeindrucken uns sehr. Im Tuli Game Reserve sehen wir Warzenschweine, Giraffen, Zebras, Elefanten, vereinzelt Schakale und natürlich verschiedene Antilopenarten. Der Grenzübergang Pontdrift ist noch geschlossen. Im Mashatu Reception Center trinken wir Tee. Leider ist es ungemütlich, es wird gekehrt, oder besser Staub aufgewirbelt, der Funk kracht. Wir fahren gleich wieder zurück, durch Dörfer und kleinere Städte. An einem Friedhof sind über den Gräbern luftige Tücher gespannt, damit die Toten es darunter schön kühl haben.

Heute ist nicht mein Glückstag. Durch die vielen Erschütterungen im Auto wurden gleich 2 Teller und ein Haferl zerschlagen, die Schranktür ging auf und der Reis lief aus. Das Petroleum aus der Lampe durchtränkte meinen Schlafsack. Streichhölzer, Kleenex, Toilettenpapier; alles riecht nach Citronella.

Gestern hatten wir vergessen das Seitenfenster zu schließen. Als wir ankamen war das Innere unseres Campers voller Staub, da der Wind von hinten unseren eigenen Staub nach vorne trug. Wegen der schlechten Piste mussten wir sehr langsam fahren.

 





Zu Mittag sind wir in Francistown, essen in einem Fastfood-Restaurant scharfe Hähnchen und suchen eine Buchhandlung. Im BBC, Botswana Book Center haben sie nur sehr wenige Bücher, hier wird wohl nicht sehr viel gelesen. Und die Bücher von Alexander McCall Smith: Ladies detective No.1 bekomme ich nicht.

Von Heimo bin ich zutiefst beeindruckt. Vor unserer Reise hat er heimlich ein bisschen Setswana gelernt und spricht jetzt mit den Leuten hier. Alle verstehen ihn, lachen und sind unglaublich freundlich.

Wir fahren ins Nata Bird Sanctuary. Die Piste wirkt kerzengerade, aber Wassertümpel müssen immer wieder umfahren werden. Wo dies nicht möglich ist fahren wir einfach durch. Leider haben wir vergessen das Fenster zu schließen und so haben wir dann das salzige Spritzwasser in der Fahrerkabine. Der Campingplatz ist dreckig, daher fahren wir weiter zur Nata Lodge.



Lekhubu

Um 8.00 brechen wir nach Maun auf, doch dann lesen wir nach 17km das Schild Kubu Island und wir beschließen kurzerhand diese Sandpiste zu nehmen. Nach dem Motto: schauen wie weit wir kommen. Zuerst fahren wir durch eine einsame Grasebene (Saltgrass). Die Gräser stehen dicht und hoch und Halme und Ähren verstopfen den Kühler. Immer wieder halten wir an um ihn freizumachen. Dann fahren wir am Rand des Sowa Pan entlang, durch Dornbuschsavanne, schließlich verläuft die Sandspur auf einem Dünenkamm, der Ausblick nach beiden Seiten gewährt. Wir kommen an verschiedene kleine Ansiedlungen mit Viehkraal vorbei. Diese Dörfer sind von schulterhohen Zäunen aus Stecken, die in die Erde gerammt wurden, oder von Dornenhecken umgeben, um Mensch und Vieh vor den nächtlichen Angriffen der Löwen und Hyänen zu schützen. Einmal scharen sich Aasgeier um ein totes Kalb. Am Tswapong-Veterinary-Gate teilt man uns mit, dass die Piste bis „Lekhubu“ gut sei. Diese schlängelt sich zuerst durch dornige Büsche, die an unserer Karosserie kratzen und nach weiteren mühevollen steinigen 20km sehen wir dann, mitten in der unendlichen Ebene des ausgetrockneten Salzsees, die 20m hohe, ca.1km lange Felsinsel mit den bizarren Baobabs und den African Cestnut trees.

Wieder einmal sind wir ganz alleine. Keinem einzigen Auto sind wir begegnet. Wir fahren 2 Mal um die Insel, über die tischglatte salzige weiße Ebene. Wie auf einem zugefrorenen See fühlt es sich an. Dabei haben wir ein mulmiges Gefühl, da wir nicht wissen, ob die Oberfläche auch wirklich hält. Immer wieder hatten wir Warnungen gelesen. So sind die Owens hier beinahe ihres Autos verlustig geworden. Auf einem riesigen Saltpan stiegen sie aus, um zu schauen, was sich in dem Loch vor ihnen befand. Es war ein kaum noch sichtbares Auto und als sie sich wieder umdrehten, sahen sie, dass auch ihr Auto bereits ein wenig gesunken war. Mit knapper Not konnten sie dieser Gefahr gerade noch entkommen. In unserem Reiseführer steht: Do not attempt any of these roads if the pans are even slightly wet. Auch in der Nata Lodge stand ein Schild: we don’t pull you out when you get stuck in the Saltpans. Wie sollen wir wissen ob der Pan wirklich trocken ist? Oberflächlich schon, das sehen wir. Als wir aussteigen schauen wir immerzu auf die Reifen, ob sie schon langsam verschwinden. Doch Gott sei Dank tut sich nichts.

It’s amazing: diese Weite, die Stille, dieses Licht! Und in der Ferne eine Fata Morgana.

Schließlich kommt doch ein Auto mit Staff-Leuten. Sie bringen einen Tank mit Wasser „for the high-season from April to August“, kassieren von uns 150 Pula (Regen), verlangen, dass wir brav auf der Insel bleiben und nicht auf dem Salzsee herum fahren. Dann verschwinden sie wieder. Wir haben uns in ihr Buch eingetragen und dabei gesehen, dass vor 3 Tagen zum letzten Mal jemand hier war. Als Grund gab er nicht etwa Tourist an wie wir, sondern Prayer. Würden wir beten, dann wäre es sicherlich der ideale Platz dafür. Die Insel hat etwas sehr Mystisches.

Wir stellen unser Auto unter 2 hohe Bäume (Camp 5) und fühlen uns wie moderne Robinson Crusoes, mit vollem Kühlschrank, reichlich Wasser, GPS und bequemem Bett. Am Abend gehen wir, mit Stöcken und Fotoapparat ausgerüstet die Insel auskundschaften: Felsen, Sand, knorrige Baobab, ein paar Sträucher. Ein unvergesslicher Sonnenuntergang. Als es dunkel wird, sehen wir durch den großen Baum mit den spärlichen Blättern den Sternenhimmel.

Sobald es hell wird: we do birdwatching from our bed.

Dann starten wir und verlassen diese biblische Szenerie. Den Weg zurück zum Vet-Gate finden wir nicht sofort. Anstatt in NW-Richtung zu fahren, fahren wir plötzlich nach SW. Irgendwo müssen wir einer falschen Spur gefolgt sein. wir machen kehrt. Endlich am Gate fragen wir nach der Piste nach Gweta, doch der Officer meint es sei schon lange niemand mehr dorthin gefahren, noch von dort gekommen. Nur schweren Herzens fahren wir dieselben 120km wieder zurück, die wir gestern gekommen sind. Auch später an der geteerten Straße nach Maun kaum Verkehr. Ab und zu müssen wir bremsen, da Kühe, Esel oder Ziegen, manchmal sogar Pferde am Straßenrand grasen oder gar die Straße überqueren. Esel gibt es hier sehr viele. Jeweils 4 ziehen die Karren am Straßenrand entlang.

Bei den Salzpfannen sind sogar die Termitenhügel weiß, was ja nur logisch ist. Tiefliegende Schäfchenwolken überziehen den Himmel.

Unser Reiseproviant: Gingercookies, Cashewkerne die wir in Beira (Mozambique) am Markt gekauft haben und Zitronenwasser, das aber im Laufe des Tages zur heißen Limonade wird.

In Maun wechseln wir Geld (hier bekomme ich für 400$ gleich viel Pula wie an der Grenze für 500), kaufen ein, tanken, suchen ohne Erfolg die Bücher von A. McCall Smith und reservieren für die Nationalparks Moremi und Chobe.

Von unserem Auto (Trax) sind wir begeistert, denn obwohl es beim Fahren relativ klein ist, lässt es sich stretchen und bietet dann innen viel Raum. Wie auf einem Schiff entdecken wir immer wieder neuen Stauraum. Drinnen ist genügend Platz für 2. Wir haben 2 Gasflaschen, 2 Gasplatten zum Kochen, 2 Wassertanks, eine Außendusche, Elektroanschluss für den Toaster, 2 Reservereifen, 2 Benzinkanister und vieles was wir sicherlich nie brauchen werden.

 







We get stuck in Moremi

Wir starten nach dem Frühstück um 7.30. Nur kurz ist die Straße asphaltiert, dann folgt Schotterpiste. Noch bevor wir zum South Gate des Moremi Game Reserve kommen sehen wir entlang der Straße abgerissene Äste und Stämme und Elefantendung. Diese Pachyderme gehen ja nicht gerade zimperlich mit der Natur um. Wir nehmen nicht den direkten Weg nach Xakanaxa, sondern fahren ein paar Loops um mehr Tiere zu sehen. Heute ist uns das GPS wirklich nützlich, da kaum was ausgeschildert ist, ein Wirrwarr an Pisten. Diese bestehen immer aus 2 Spurrinnen, die Mitte ist zum Teil mit meterhohem Gras bewachsen. Ohne Allradantrieb und großen Reifen würde man sofort aufsitzen. Immer wieder müssen wir durch Tümpel fahren, von denen wir nie wissen, wie tief sie sind. Da hilft dann nur eins, aussteigen, die beiden Vorderreifen blockieren, Allrad rein, Differenzialsperre, Gas geben, Augen zu und durch. Das stinkende Wasser spritzt nach allen Seiten. Am Xini-Lagoon sehen wir Hippos und bunt schillernde Vögel. Hinter einer Kurve steht plötzlich eine Elefantenfamilie vor uns, die sich mit dem Rüssel zur Abkühlung Wasser auf den Rücken spritzt. Kurz bevor wir in Xakanaka ankommen, glaubten wir schon uns verfahren zu haben: 7 Stunden waren wir unterwegs, haben aber nur 100km zurückgelegt.

Wir grillen an der Braai-Stelle die T-Bone-Steak, die wir in Maun gekauft hatten. Als wir gemütlich auf unseren Campingstühlen sitzen und essen, beginnen plötzlich Vögel ein schreckliches Geschrei. Dann sehen wir eine Black Mamba daher zischen. Am Rücken dunkelgrau, am Bauch etwas heller versucht sie den knapp vor ihr her fliegenden Vogel anzugreifen. Zuerst glaubte ich, die Schlange würde die Vögel jagen, doch dann begriff ich dass es genau umgekehrt war. Es gelingt der Mamba sich ins hohe Gras am Flussufer zu schlagen und zu verstecken und das Geschrei der Vögel endet. Danach bin ich immer beunruhigt, wenn Vögel zusammenkommen und hysterisch kreischen. Später bestätigt uns ein Schwarzer, dass diese schwarzen, taubengroßen Vögel verrückt spielen, wenn sie eine Mamba sehen. Da fällt mir wieder die Szene vor unserem Küchenfenster in München ein, als unsere Micio auf der Weide, ihrem Kratzbaum sitzend, von Elstern angegriffen wurde und nicht mehr runter konnte.

Vor dem Sonnenuntergang machen wir mit dem Motorboot einen Ausflug im Okawanga Delta und sehen Hippos die böse reagieren als wir ihnen zu nahe kommen. Außerdem sehen wir Marabus und viele andere Vögel. Es ist toll, toll, toll!

Malerische Abendstimmung. Die Grillen starten ihr exotisches Konzert, die Frösche quaken, die Vögel zwitschern. Rundum nur Natur. Keine Klimaanlage, kein Generator oder Motorengeräusch stören die Ruhe. In der Nacht hören wir das Grunzen der Hippos. Sie kommen an Land, direkt an unserem Auto vorbei und grasen dahinter. Es hört sich ähnlich an wie bei den Kühen, nur lauter. Im Bett liegend beobachten wir sie. In der Früh ziehen sie sich wieder ins Wasser zurück: es platscht und bei jedem Schritt macht es dieses typische Geräusch wenn man im Schlamm einsinkt und nur mühsam den Fuß wieder rausziehen kann, dann platscht es wieder und dann ist es still.



third bridge in Moremi

Early Morning Game Watching. Wir wollen zur Third Bridge, doch bereits nach 1-2km bleiben wir im Wasser stecken. Schuld ist ein Baumstamm, auf dem wir mittig aufsitzen. Wir versuchen das Auto anzuheben und den Stamm heraus zu ziehen. Zuerst mit einem Wagenheber, als das nicht den gewünschten Erfolg bringt, auch noch mit dem zweiten. Das ist aber gar nicht so einfach, denn wir stehen im dreckigen Wasser und haben keinen festen Boden wo wir die Wagenheber ansetzen könnten. Heimo gräbt mit dem Spaten und mit bloßen Händen, doch wenn er den Sand und Schlamm auf Seiten schiebt rinnt er sofort wieder nach. Es ist Schwerstarbeit, Heimo schwitzt und flucht. Ich bin nur eine geringe Hilfe. Wir setzen die Axt an einer Astgabelung an und zerren am Baumstamm, aber auch nach stundenlanger Arbeit gelingt es uns nicht, den Stamm auch nur 1cm zu bewegen. Irgendwann hören wir Motorengeräusche. Ich laufe in die Richtung, schreie, gestikuliere, laufe den beiden Autos nach, die auf diesen Wegen nur langsam voran kommen, aber sie sind immer noch schneller als ich. Und dann sind sie weg. Wir schieben Äste unter das linke Hinterrad und versuchen dann mit dem Rückwärtsgang aus dem Wasser heraus zu kommen. Die Äste rutschen aber gleich seitlich weg und wir sitzen nach wie vor auf unserem Baumstamm fest. Die Kupplung stinkt bereits. Unsere Situation hat sich mittlerweile eher verschlechtert. Wir sehen ein, dass wir es alleine nicht schaffen. Also schließen wir das Auto ab und gehen zu Fuß zurück. Immer wollten wir wilde Tiere sehen, jetzt sind wir froh wenn wir keine sehen. Im Gehen frage ich Heimo nach den Verhaltensregeln; in München hat er sie mir aus dem Buch vorgelesen und wir haben herzlich darüber gelacht. War es bei den Löwen oder bei den Leoparden wo man Ruhe bewahren, langsam schräg nach hinten gehen muss, nicht in die Augen schauen und nicht mit einem Stock nach ihnen schlagen darf? Jetzt in dieser wichtigen Stunde wissen wir es beide nicht mehr.

Zum Glück ist es nicht allzu weit bis zur Moremi Lodge. Wir warten eine Halbe Stunde im Schatten unter einem dicken Grasdach, mit Blick auf einen gepflegten Rasen, dahinter liegen die Boote am Okawanga. Auf diese Weise kommen wir in den Genuss einer Luxuslodge, die wir uns sonst niemals hätten leisten können. 500$ pro Tag und Nase. Gäste werden zum Airstrip gebracht und neue abgeholt. Dann ist das Auto frei und ein Schwarzer bringt uns im Toyota, ausgerüstet mit Abschleppseil, einem Brett und einem ordentlichen Wagenheber, zurück zu unserem Auto. Wir binden das Abschleppseil um den Baumstamm und versuchen ihn mit dem Toyota unter unserem Auto raus zu ziehen. Doch er bewegt sich nicht. Erst als wir in einer Heimoschen Sonderkonstruktion mit dem 3. Wagenheber das Hinterteil unseres Nissan Trax noch weiter anheben, gelingt dies endlich. Und dann erst können wir auch unser Auto herausziehen. Die Kupplung stinkt noch immer gewaltig. Wir sind auf und auf dreckig von dem Schlammwasser, zahlen aber gerne ein ordentliches Trinkgeld.

Wir wundern uns, wie man sich hier im Busch bei diesem Wegewirrwarr zu Recht finden kann. Es gibt kaum Schilder, immer wieder zweigen Pisten ab, oft nur um nach 80 oder 100m wieder zusammen zu führen, aber leider nicht immer. Oft enden die Spuren im Nichts oder vor einem unüberbrückbaren Wasserloch. Hier im Busch sieht auch alles gleich aus, es gibt keine Häuser oder sonstigen einprägsamen Hinweise, die uns Stadtmenschen dienlich sein könnten. Da hilft uns dann auch das GPS nicht weiter, oder die Shellkarten von Veronica Roodt. Die Strecken sind zu kurz, die Wege zu gewunden,.

Gestern hat es uns noch Spaß gemacht durch die Wasserlöcher zu fahren. Je mehr es gespritzt hat umso lustiger war es. Jetzt aber haben wir schlicht und einfach Schiss. Die Fourth Bridge ist kaputt, der Umfahrungsweg führt wieder einmal durch ein großes Wasserloch. Lange stehen wir davor und wägen ab, ob wir es wagen sollen durch zu fahren oder nicht. Die 2 Buren gestern haben doch erzählt, dass sie dort waren, und auch der Schwarze heute, der uns herausgezogen hat, hat uns nicht gewarnt. Das spricht doch alles dafür. Heimo will zu Fuß durch die braune Brühe gehen um die Tiefe zu prüfen. Doch ich glaube er ist ganz froh als ich sage er soll es lieber bleiben lassen. Die Bilharziose haben wir uns vielleicht schon vorher geholt als wir im übel riechenden Wasser herum gewühlt haben. Aber das hier ist ein Fluss und es könnten Krokodile drin sein. In der Nähe hören wir Hippos grunzen sehen sie aber nicht.

An der Third Bridge die absolute Einsamkeit. Schilder warnen davor im klaren Wasser zu baden, wegen der Krokodile.

Wir fahren zurück nach Xakanaxa. Wieder verfahren wir uns ein paar Mal.

Abends gehen wir noch mal auf Pirschfahrt. Leider regnet es. Eine Gruppe Impalas steht dicht aneinander gedrängt neben dem Airstrip und wartet ebenso wie wir, dass der Regenschauer vorbei ist. Ein paar Schwarze, die hier am Flugplatz arbeiten, erzählen uns vor 5 Minuten war eine Cheetah da. Wir sind wieder einmal zu spät gekommen.



Blubb, Blubb, Blubb

Es ist noch finster als wir aufstehen, um 6.30 fahren wir los. Es geht zum North Gate, wo wir bis spätestens 11 Uhr sein wollen, sonst müssen wir für einen weiteren Tag bezahlen. In der Nacht hat es fest geregnet, auch jetzt fängt es wieder an. Die Scheiben sind angelaufen und alle 20m haben wir große Pfützen zu durchfahren. Ein Auto mit 2 Guards kommt uns entgegen. Wir fragen nach den Pistenbedingungen und freuen uns eine Spur vor uns zu haben, so können wir uns nicht verfahren. Was zu diesem Zeitpunkt aber weder sie noch wir beachteten, war die Tatsache, dass ihr Auto viel größere Reifen hatte als unser Stadt-Country-Cross-Auto mit Slicks.

Es hat aufgehört zu regnen, die Sonne kommt wieder raus. Heimo sagt: „Jetzt möchte ich einen Löwen sehen, der wäre patschnass, wie eine gebadete Maus würde er aussehen.“

Wieder einmal stehen wir vor einem 20m langen Tümpel, drum herum geht’s nicht vorbei, wir müssen also durch. Die Spur davor und dahinter verrät uns, dass die anderen einfach mitten durch gefahren sind. Heimo nimmt Schwung, es wird immer tiefer und tiefer. Bis zur Hälfte kommen wir und dann stecken wir fest. Der Motor geht aus, es macht nur noch blubb, blubb, blubb und gurgel, gurgel. Das Wasser rinnt schon bei der Tür herein. Karten und Bücher, Fotoapparat und Ferngläser, alles was auf der Bank zwischen uns lag, retten wir aufs Armaturenbrett. Als wir die Tür langsam (wegen des Wasserwiderstandes) öffnen, kommt ein Schwall Wasser herein. Das war unüberlegt und hat nichts gebracht. „Scheiße, Scheiße, Scheiße“, höre ich Heimo neben mir. Hochtourig, immer wieder vor und zurück wippend, versucht Heimo sich langsam, cm für cm nach hinten heraus zu arbeiten. Er befürchtete, dass Wasser in die Elektrik und in den Auspuff kommt, und dann geht gar nichts mehr.

Jetzt stehen wir wieder vor dem Tümpel an dem wir gescheitert sind. These are not Potholes but Panpools! Wir sind fix und fertig, den Motor lassen wir laufen, öffnen die Tür und lassen erstmal wieder das ganze Wasser ablaufen. Überall laufen Bächlein runter. Erst jetzt wird uns bewusst, dass die Ranger bessere Autos haben als wir, vor allem mit einem größeren Reifenradius.

Heimo überlegt, ob wir nicht besser umkehren und über das Southgate zum Chobe NP fahren.

Dann aber geht er barfuss durch den Tümpel, um zu prüfen wo wir am besten durchfahren können. Wir versuchen es erneut etwas mehr am Rand und diesmal schaffen wir es. Von nun an bleiben wir vor jedem großen Tümpel stehen, ich steige aus und nur sehr widerwillig wate ich durch das braune Brühe um den Wasserstand zu prüfen. If I’m not able to drive in these circumstances I want to be at least a good copilot. I must admit, Heimo made a very good job. Die Fahrt ist mühsam, aber wunderschön, besonders am Kwai River entlang. Wir sehen zahlreiche Hippos und Krokodile. Am Mababe Gate, dem Eingang zum Chobe National Park treffen wir ein Auto aus Wien mit einem jungen Paar. Sie sind voriges Jahr in Wien gestartet, in Genua mit dem Schiff nach Tunis übergesetzt, über Lybien, Ägypten, Sudan und Äthiopien nach Kenia. In Nairobi haben sie ihre Reise unterbrochen und sind nach Hause geflogen. Jetzt setzten sie die Reise fort. Insgesamt sind sie bereits 8 Monate unterwegs und wollen noch bis Kapstadt.

Im Chobe wird die Piste immer trockener. Tiefer elfenbeinfarbener Sand liegt wie Pulverschnee in der meist kerzengeraden Spur. Wir brauchen bestimmt 20l Benzin pro 100km. Wir sehen eine riesige Büffelherde, Giraffen, Warzenschweine, Elefanten, Zebras, Hippos und die üblichen Deers wie Wildebeest, Impalas und Springböcke. Die 176km fahren wir in 8 ½ Stunden.



Savuti, african wilderness pur.

Wir sind ganz alleine im Campsite und während ich unter einem Baum sitze und schreibe schaut mir aus ca. 50m Entfernung eine Gruppe Impalas zu. Dahinter ein Elefant. Die Squirrles machen sich an unserer Packung Toilettepapier zu schaffen. Das Olivenöl ist ausgeronnen, das Papier, das daneben im Kästchen lag, hat sich voll gesaugt. Der Baumstamm über mir hat eine grobe Rinde, darin entdecke ich einige Löcher in denen blauschwarz schimmernde Vögel ihren Bau haben, aber auch diese Buschhörnchen. Laut schreiende graue Vögel mit roten Schnäbeln schauen auch dauernd vorbei, als ob sie mir mitteilen möchte ich soll hier gefälligst verschwinden. Das ist das Camp mit der Elefantensicheren Mauer um den Toiletten, da diese mit ihren Rüsseln immer wieder durchs Fenster eingedrungen sind und den Wasserhahn geöffnet haben. Angeblich haben sie sogar die Fenster eingedrückt, während Leute dort geduscht haben. Barbara Bethke hat erzählt sie haben hier im Autodachzelt unter einem Baum geschlafen als sie aufwachten, weil ein Elefant über ihnen die Blätter und Äste fraß. Ich bin ja schon neugierig was wir hier noch alles erleben werden.

Während ich schreibe fühle ich mich beobachtet. Aufmerksam schaue ich mich um, kann aber nichts entdecken. Aber irgendwann kommt der Elefant hinter dem Gebüsch neben mir zum Vorschein. Ich verschwinde schleunigst im Auto und schließe die Fenster. Er geht am Auto vorbei, Richtung Ablutions, wo Heimo sich gerade aufhält. Wie kann ich ihn warnen? hoffentlich kommt er nicht gerade jetzt mit dem Geschirr in der Hand heraus. Der Elefant geht um die runde hohe Mauer herum. Heimo, der sich gerade auf dieser Seite, aber innerhalb der Mauer aufhält glaubt es käme ein Unwetter auf, da der große Baum plötzlich wackelt und rauscht. Heimo steigt die Mauer hinauf - auf der Innenseite ist sie wie ein Wall aufgeschüttet- und sieht dann den Elefanten mit dem Rüssel die Nüsse aufheben und ins Maul stecken, die er gerade vom Baum geschüttelt hat. Wir fotografieren ihn aus dem sicheren Toilettenbereich heraus. Der Elefant ist nur 3m von uns entfernt, frisst Nüsse und furzt. Wir fühlen uns fast wie im Zoo, nur dass diesmal wir im sicheren Käfig sind.

Abends sitzen wir noch lange draußen und schauen in den unendlichen Sternenhimmel. Es ist Halbmond und trotzdem sehr hell.



Rotschnabeltoko

Endlich nehmen wir uns wieder einmal Zeit gemütlich zu Frühstücken. Doch 2 Gelbschnabeltokos gönnen uns keine Ruhe. Sie entdecken die Außenspiegel unseres Autos und picken auf diese ein. Heimo befürchtet sie machen mit ihren spitzen harten Schnäbeln die Spiegel kaputt und wir verjagen sie. Als dies nichts nützt, umhüllen wir die Spiegel mit Plastiksäcken. Jetzt klammern sie sich an der Autotür fest und schauen neugierig ins Wageninnere. Dabei müssen sie die Köpfe immer wieder drehen, da sich ihre Augen, wie bei allen Vögeln seitlich am Kopf befinden. Das sieht sehr komisch aus.

Beeindruckend ist die Geschichte, die uns Regina erzählt hat. Eines Tages sieht sie schwarze Jugendliche am Strand von Beira Fußball spielen. Als sie näher kommt bemerkt sie, dass der Fußball eine Krähe ist. Sie nimmt den benommenen, halbtoten Vogel mit nach Hause und muss ihn aber auf dem Balkon im 1.Stock bringen, da ihr Hund Rolli nur zu gern ebenfalls mit ihm gespielt hätte. Sofort kommen andere Krähen auf den Balkon, bezwitschern ihn tagelang und bringen ihm zu fressen bis er es nach Tagen schafft mit ihnen fort zu fliegen. Reginas Balkon war danach allerdings total vollgesch…

 

Wir fahren durch tiefsandige Passagen, aber alles ist uns lieber, nur bitte kein Wasser. Im Chobe Forest Reserve wird die sandige Piste sogar 2-spurig: african highway! Und überall Elefanten, fast so viele wie in Holland Kühe.



In Kasane quartieren wir uns in der Chobe Safari Lodge ein. Am Campingplatz befindet sich bereits ein Auto. Zuerst dachten wir, das sei hier einfach abgestellt worden. Am Abend aber kommen 2 Lesbierinnen die böse schauen. Vielleicht glaubten sie, der Campingplatz gehöre ihnen alleine. Sie sind zum Birdwatching hier. Als sie ihr Auto verstellen, in der Hoffnung, dass wir dadurch etwas weiter weg rücken, fahren sie auf einen Markierungsstein, sodass es ordentlich rumpelt. Heimo, der das mitgekriegt hat, fragt scheinheilig ob etwas passiert sei und ob er helfe könne. Verärgert räumen sie das Feld.

Warzenscheine laufen hier herum, die sich schon längst an die fotografierwütigen Touristen gewöhnt haben.

Zum Sundowner sitzen wir auf der Terrasse der Bar auf Stelzen direkt am Chobe. Überall in der Lodge warnen Schilder vor den Hippos und Krokodilen. Wenn die Sonne untergeht, ist es noch lange nicht finster, dann färbt sich der Himmel rot und spiegelt sich im Chobe.

 



Jonny

Von lauter Musik angezogen, lernen wir an einer Straßenkreuzung Jonny kennen. Mitten im braunen Sand und zwischen Steinen hat er seine Generatorbetriebene Anlage sehr laut aufgedreht, sie muss ja schließlich den Generator übertönen. Eine selbst gebastelte, sehr primitive Gitarre lehnt am Baum. Er verkauft uns seine schwarzgebrannten CDs. Sofort sind wir von einer Gruppe Jugendlicher umgeben, die zur Musik tanzen, singen, auf uns einreden, lachen und genau verfolgen wie wir verhandeln und dann unser Geld zücken. Jonny mit seinen schwarzen, narbigen Füssen muss schon mal bessere Zeiten erlebt haben, denn auf den CD-Cover trägt er einen Anzug und ein sauberes Hemd. Uns gefällt seine Musik und er verspricht, wenn wir morgen wiederkommen spielt er uns auf der Gitarre vor. Am nächsten Tag sind wir (zuverlässige Deutsche) da, aber er hat schon wieder eine Ausrede, wir sollten doch morgen wieder kommen, da spielt er dann ganz bestimmt, schließlich seien wir seine best clients. Spätestens jetzt wissen wir, dass wir für die CDs viel zu viel bezahlt haben.

 

Manchmal ist ein Händedruck mit den Schwarzen unvermeidbar. Das ist dann kein richtiger Druck, sondern eine lasche, verschwitzt-klebrige Hand wird in die eigene gelegt.



Mosi-oa-Tunya donnernder Rauch

Montag, 26.Februar 2007. Heute haben wir die Victoria Fälle entdeckt.

Stimmt nicht ganz, Heimo war schon vor 39 Jahren hier. Patschnass sind wir geworden, wegen der aufsteigenden Gischt. Es ist Hochwasser. Schon von weitem sehen wir den Sprühnebel wie den Rauch eines großen Feuers gegen Himmel aufsteigen. Ob Livingstone, schottischer Missionar und Forscher 1855 diese Wolke als erster Europäer ebenso gesehen, ihr gefolgt und so den fast 2km langen Abgrund entdeckt hat? So wird es wohl gewesen sein. Wir essen in dem legendären Vic Fall Hotel, wo schon viele Berühmtheiten und Royals abgestiegen sind, auf der Terrasse mit wunderbarem Ausblick auf den gepflegten Garten und im Hintergrund die Brücke über den Sambesi nach Sambia und auf die Gischt. Ein Regenbogen reiht sich an den anderen. Wir fühlen uns in die Kolonialzeit zurück versetzt, „wo alles hier noch besser funktionierte“ so der Kommentar vom Ewig-Gestrigen neben mir. „God save the Queen und Kaiser Wilhelm“.

Wir schauen noch zum alten Bahnhof und werden dann zum Markt gefahren. Sofort sind wir von unzähligen Händlern umzingelt, die uns ihre Tücher, Schalen, Holzschnitzereien unter die Nase halten. „I make you good price“, „30$ only“, „I have got 6 children, you have to pay me this!” (welche Logik!)

Wir reisen von Kasane und wieder zurück im Mercedes-Kleinbus der Chobe Island Lodge zusammen mit einem jungen Pärchen: sie, somalische Australierin, er, Botswaner in Dänemark, Lesotho und Australien aufgewachsen, jetzt leben und arbeiten beide in Gaborone.

 



Caprivistrip

Es regnet seit 4.00 früh mehr oder weniger den ganzen Tag. Am späten Vormittag brechen wir auf. Haben noch eine Diskussion mit dem wohlgenährten und –gekleideten Polizisten in Zivil, der bereitwillig seinen Ausweis zückt. Am Postamt bin ich schnell aus dem Auto gesprungen um die Ansichtskarten auf zu geben, während Heimo umdrehen wollte. Doch da war er schon zur Stelle und hat amtsgehandelt. Als ich gleich darauf vom Postamt wieder auf die Straße trete, sehe ich den Mann, den ich nicht als Polizist erkenne auf der Beifahrerseite weit ins Auto hinein gelehnt. Ich weiß, dass ich meine Geldtasche auf der Bank liegen habe, schiebe ihn kategorisch zur Seite und sage dass ich einsteigen möchte. Daraufhin ist er äußerst aufgebracht, faselt irgendetwas von Touristen und gegenseitigem Respekt, seine Augen sind böse auf mich gerichtet. Heimo versucht zu beschwichtigen, sagt ihm, dass er ja vollkommen Recht hätte, und wir so etwas nie mehr wieder machen werden. Unser Glück ist, dass in diesem Augenblick eine stattliche schwarze Lady auftaucht und ihn überschwänglich begrüßt. Seine Freude sie zu sehen ist genauso groß. Jetzt hat er keine Zeit mehr für uns und bedeutet uns doch endlich zu fahren. Glück gehabt!

Wir fahren den Chobe River entlang Richtung Westen. Der Park ist schön, wir sehen viele Tiere, doch der Regen lässt alles etwas trostlos erscheinen. Wieder einmal ist die Piste unter Wasser, aber Gott sei Dank gibt es keine tiefen Löcher. Trotzdem sehen wir eines dieser offenen Autos, die Touristen zum Game Drive herumfahren, im Schlamm stecken. Ein anderes Auto leistet bereits Hilfe, sodass wir weiter fahren können.

Bei Ngoma Bridge fahren wir über den Chobe und reisen nach Namibia ein.

Katima Mullilo ist ein dreckiges Kaff, zumindest wirkt es im Regen so auf uns. Nach Kongola, 2-3km hinter der Borderpost gibt es einen Hügel und dort befindet sich der Boma Hill Campsite. Sehr gepflegte, weit auseinander liegende Plätze, jeder hat einen großen Baum. Drum herum ca. 3-5m über dem Boden eine große Aussichtsplattform über die salzige Ebene- Boma heißt Baumhaus- eine großzügige Braai-Feuerstelle (im südlichen Afrika sehr wichtig!) eine saubere Dusche mit Kalt- und Warmwasser, Toilette mit Klopapier, Waschbecken mit großem Spiegel und einem Abwaschbecken. Ein wunderschöner Platz!



Eine breite, gut ausgebaute, wieder einmal kerzengerade Gravelledroad führt zum Mudumu National Park. Irgendwann sehen wir auf der Straße eine Ansammlung von Leuten. Was ist hier los? Sie stehen um einen Pickup herum und alle gemeinsam versuchen sie ihn zu heben. Wir halten an, leihen ihnen unseren Wagenheber und die Luftpumpe. Ihre Reifen sind wirkliche Slicks, bis aufs Gewebe abgefahren. Im Nu haben sie dann den Reifen gewechselt. In der Zwischenzeit muss ich alle fotografieren. Sie posieren zu 2. und zu 3. vor der Kamera und haben ihre Gaudi, wenn ich ihnen die Aufnahmen in der Digitalkamera zeige. Dann setzen sich alle wieder hinten auf den Pickup, der Fahrer bedankt sich herzlich und sie brausen davon.

Wir fahren zur Lianshulu Lodge. 2 new arrivals, they just came from the airstrip. Sie werden herzlich mit Willkommendrinks empfangen. Wir möchten auch was bestellen, wird uns aber verweigert, weil wir keine Gäste sind. Die Anlage ist wunderschön mit Pfahlbauten über dem Chobe, der hier Kwandu heißt.

Im Lizauli Traditional Village bekommen wir von der einheimischen Bevölkerung vorgeführt wie sie lebt, wie sie Hirse zu Mehl stampft, den Schlitten zum Transportieren der Ware, den Blacksmith mit dem Blasebalg, den Tanz des Medizinmannes, die Tänze zu bestimmten Anlässen, die runde Großmutterhütte wo die Frauen handarbeiten. Das Gerüst der Hütten besteht aus Holzpfählen, die mit Weidengeflecht verbunden und dann mit Termitenhügelerde und Wasser ausgefüllt werden, so dass recht robuste Mauern entstehen. Neuerdings mischt man auch ein wenig Zement bei. Die Dächer sind mit dickem Stroh bedeckt. Wir gehen in die Hütten in denen sie schlafen und in denen sie ihr Getreide aufbewahren und dafür sorgen, dass es nicht schimmelt, sie zeigen uns die Mäuse- und Fuchsfallen und die auf Stelzen gebauten kleinen Hütten für die Hennen.

Obwohl sehr touristisch war es trotzdem sehr interessant.

 

Wir fahren weiter, zuerst westwärts, dann nach Süden und reisen wieder nach Botswana ein. Drotsky’s Cabin ist wieder eine schöne Anlage, direkt am Wasser des Okawanga Panhandle. Noch ein Auto steht hier. Es sind 2 Geographie-Studenten der Uni Bonn. Thorsten studiert die Wolken und Regengüsse, die hübsche Doris aus Siebenbürgen die Flora. Wir essen mit ihnen zu Abend. Interessante Gespräche.





Struggle for life

Ich überlasse eine unreife Baobabfrucht den Meerkatzen, die auf den Bäumen über uns herumturnen. Das war ein Fehler, denn jetzt werden sie richtig aufdringlich. Das Leittier, ein kräftiges Männchen, mit blauen Hoden und rotem Penis, wird zusehends unverschämter. Er macht sich an unserer Abfalltüte zu schaffen, die an der Autotür hängt und lässt sich von mir nicht stören. Als ich ihn verscheuche läuft er vor zur Fahrerkabine, die ebenfalls offen steht. Ich stelle die Abfalltüte ins Wageninnere und gehe dann vor. Als mich der Affe kommen sieht, springt er aus der Fahrerkabine und läuft unter dem Auto wieder zur Tür des Wohnwagens. Ich schließe die beiden Türen der Fahrerkabine und als ich wieder zurückgehe sitzt er schon wieder im Wohnwagen. Ich schmeiße auch diese Tür zu, obwohl ich gar nicht weiß, wie er sich drinnen verhalten würde. Das Ganze geht aber so schnell, dass ich nicht zum Nachdenken komme. Der Affe reagiert aber blitzschnell und kann im letzten Augenblick noch durch die zufallende Tür flüchten. Jetzt ist er aber richtig böse auf mich, faucht und macht Anstalten mich anzugreifen, so dass ich mich schleunigst im Wageninneren einsperre. Jetzt kann ich endlich mit dem Zähneputzen fortfahren, hatte ich doch während der ganzen Aktion den Mund voller Schaum. Vom Baum drüber wird unser Auto mit allem Möglichen beworfen.

 

 



Die Wanderung bzw. die Kraxlerei bei den Tsodilo Hills empfinden wir als sehr angenehm, sind wir in letzter Zeit immer nur Auto gefahren und haben uns kaum bewegt. Unser Guide, ein San zeigt uns die vielen antiken Felszeichnungen, aber in seiner komischen Art gelingt es ihm nicht uns den Geist dieser „göttlichen Berge“ und dieses uralten Siedlungsgebietes näher zu bringen. Wir essen Mongongo-Nüsse und Amarula, die hier Morula heißen.

Afrika ist ein Land wo ständig gekehrt wird. Sogar die Sandwege hier in the middle of nowhere. Der Dreck bleibt dann aber am Rand liegen, ebenso wie der kaputte Besen.

 


„Hallo guys“, begrüßt uns die junge Südafrikanerin, who runs the Ngoma Island Lodge. Über einen langen Steg, unter Auenwald sind wir gegangen, links und rechts zweigen Stege ab, die zu den luxuriösen Zelten führen, mit Vorraum, Wohn- und Schlafraum und dahinter das Bad. Sie sehen äußerst gemütlich aus. Im Campsite steht ein VW Camper aus Deutschland, den Eigentümer bekommen wir aber gar nicht zu Gesicht. Zum Glück wie ich meine. Er muss zu dem verkappten Aussteigerpärchen gehören, das wir am Parkplatz bei den Tsodilo Hills getroffen haben. Sie erzählten uns, dass sie bereits seit 6 Monaten in Namibia und Botswana unterwegs seien. Sie waren noch in keinem Nationalpark. Dort trauen sie sich mit ihrem Auto nicht hin. Das ist wie nach Rom fahren und den Papst nicht sehen. 2.800€ kostete die Überfahrt pro Auto von Deutschland nach Namibia. Sie teilten sich einen Container, haben aber ein völlig unbrauchbares Auto hier. Zu kleine Reifen, außerdem gibt es hier für VW keine Ersatzteile. Hier braucht man unbedingt einen Japaner.



Waterlillies and Papyrusgrass

 

Joseph bringt uns mit dem Motorboot durch einen langen, engen und gewundenen Kanal. 3-4m hoch erhebt sich beidseitig und undurchdringlich Papyrusgras. Wir erreichen eine Insel und steigen ins Mokoro um. Früher wurden diese 6m langen Einbaumboote aus den Stämmen der Sausage Trees gehauen. Dieser langsam wachsende Baum wird in ca. 3-monatiger Arbeit ausgehöhlt, ins Wasser gelegt und mit Harthölzern verspannt um die gerade Form zu bekommen da nur selten Bäume so kerzengerade wachsen. Nur 3-4 Jahre ist so ein Mokoro benutzbar.

Mit seiner Ruhe und Freundlichkeit ist Joseph der ideale Poler. Seinen langen Gelbholzstab stakt er ins untiefe aber klare Wasser und schiebt uns so vorwärts.

Fast lautlos gleiten wir dahin, durch ein Meer aus weißen und blauen Seerosen und durch dichtes Riedgras. Winzige grüne, fast durchsichtige Frösche springen immer wieder ins Boot, aber auch eine Unzahl von Insekten und Spinnen fallen von den Gräsern herein. Manche Gräser sind so scharf, dass wir noch Wochen danach die Spuren an unseren Armen sehen können. Die Mokorofahrt zwingt förmlich zur Ruhe. Es ist eine andere Welt. Dann machen wir einen Rundgang um eine Insel und Josef zeigt uns alles Mögliche: Fish Eagle, Marabu, Ibis, King Fisher, Störche, die Spuren der Ameisenbären, ein kleines Krokodil - Heimo will es angreifen, ich weise daraufhin, dass vielleicht versteckt die Mutter lauert – wie man Okawangawasser durch die Stängel der Seerosen filtern kann und so zu Trinkwasser macht, wir finden schwarzweiße Stacheln des Stachelschweins, essen Waterberries und Dates. Josef liebt seine Arbeit.

We are going to make a break on an island under two umbrella trees and eat our sandwiches. Er erzählt, dass sein Vater aus Angola stammt. Er flüchtete in den 60er Jahren wie so viele andere, die alle in Etsha angesiedelt wurden. Mit seinen 76 Jahren ist er immer noch Farmer und besitzt 26 Kühe. Die Mutter ist aus Namibia.



Wieder in Maun. Aasgeier am Straßenrand, sie fressen eine große Schlange. Bis wir die Kamera bereit haben sind die Assfresser weg, aber wir bewundern das Reptil.

Der Scenic-Flight über das Okawanga Delta ist toll. Wie so oft schon auf dieser Reise denke ich: das ist jetzt der Höhepunkt der Reise. Aus der Luft sehen wir vereinzelte Elefanten, die sich mit den Ohren Luft zu wedeln, Hippos sind immer dort wo das Wasser schmutzig ist und Giraffen. In der Abendsonne, vor einem Wäldchen ein Rudel Löwen.

Der Empfangsdrink im Rileys Hotel schmeckt zwar sehr gut, aber der Campsite ist total abgefackt. Heimo motzt und ärgert sich, dass ich nichts sage. Normalerweise bin ich diejenige, die…

Am nächsten Morgen beschweren wir uns bei der Managerin: „Your campsite is a dumpingsite.“



Am Veterinary-Gate von Maun zum Central Kalahari Game Reserve brate ich um 8 Uhr morgens unsere mitgebrachten T-Bone Steaks und Burenwürste. Wir wurden nach Kugelschreiber gefragt, haben aber nur noch einen, von dem wir uns nicht trennen wollen. Daraufhin ließ sich die Beamtin den Inhalt des Kühlschranks zeigen. Das gute Fleisch wollte ich ihr nicht schenken. Als sie merkt, dass ich nicht nachgebe weist sie auf die Möglichkeit hin es sofort zu braten. Sie steht daneben und sieht mir zu. Das ist eines der vielen Absurditäten hier. Jeder Campingplatz in diesem Land hat eine Einrichtung fürs BBQ oder Braai wie es hier auf Afrikaans heißt. Doch das Fleisch mitbringen darf man nicht, an Ort und Stelle ein Tier zu erlegen natürlich noch viel weniger. Verärgert versuche ich Frau Kontrolleurin das zu erklären, doch sie meint nur lapidar: „I don’t understand you“.



CKGR – Abtauchen in eine andere Welt

Die Landschaft wird nun immer karger, die trockene Piste immer tiefsandiger. Gott sei Dank ist sie trocken, denn die Löcher sind teilweise extrem tief.

Alan Paton in seinem Buch: Lost City of the Kalahari schreibt dazu: „I do not know how many thorns are in the Kalahari, but it is clearly of the order of millions of millions. They took their toll on us.” Und dann auf seine Mannschaft bezogen:” …they could feast their eyes on this fascinating monotony of plains and grass and tree. It was like a drug of which one could never have enough. But the thorns tore the hats from the heads, the shirts from the backs, the flesh from the bones….Even there (in the car) the desert poured in…thorns of camelthorn and red thorn and mutsiara, worms and beetles and stinging wasps and praying mantises of all sizes and colours, sand and dust and seeds from the everlasting grass. This seeds choked the radiator and caused it to boil incessantly…”

Am Kori Campingplatz CKK3 ein paar Bäume auf einer Düne, sind wir ganz alleine, essen unsere T-Bone Steaks und Karottengemüse. Ein heißer Wind weht. It’s amazing! Breathtaking! We are in the Kalahari! Wir sind glücklich diese Erfahrung ganz alleine machen zu können und nicht in einer Gruppe. Wir genießen die tiefe Stille ringsum. Keine Autos, kein Motorengeheul, keine Flugzeuge, kein Radio, kein Fernsehapparat. Nichts bedrängt unsere Ohren und unser Herz.

 



In unserem Botswanabuch von Veronica Roodt steht: Some roads do not see a vehicle for more than 3 months at times. Remember to take a bucket in which to wash, as there are no showers. Do not forget a spade for digging toilet holes and please take care to dig them deep enough (+- 40cm). It is preferable to burn toilet paper, but take care not to start e veld fire.

Um 5.00 abends brechen wir auf zur Pirschfahrt. Wir sehen Gnus und Springböcke, die verschiedene Gang- und Sprungarten haben. Sie galoppieren, traben, oder gehen ganz langsam. Beim Weitsprung spreizen sie ihre Beine weit auseinander, beim Hochsprung springen sie mit allen Vieren gleichzeitig auf und die Beine zeigen senkrecht zum Boden, oder sogar etwas zueinander. Die Oryx mit den langen geraden Hörnern sind größer, wunderschön gezeichnet aber viel schwerfälliger. Die Schabrackenschakale gefallen uns ganz besonders, sie sind sehr scheu, aber schrecklich neugierig.