Dezember 2012



Zimbabwe


"Jetzt bin ich das dritte Mal bei den Victoria Fällen! Vielleicht öfter als Livingstone hier war." Heimo lehnt sich zufrieden in den bequemen Korbsessel zurück, den Blick auf die Gischt der Fälle und auf die 1905 fertiggestellte Eisenbahnbrücke über den Sambesi gerichtet. Der Nostalgiker in ihm genießt den "High Tea" auf der Terrasse des traditionsreichen Kolonialhotel Victoria Falls. Fehlt nur, dass der Ober im weißen Livree sagt: "Mr. Lindpointner, I presume".



'american football' unter Geiern

Ein Spektakel der besonderen Art erleben wir tags darauf in der Victoria Falls Safari Lodge. Während wir auf der Aussichtsterrasse Mittagessen beobachten wir Weißrückengeier und Marabus, die über uns ihre Kreise ziehen oder auf den Bäumen sitzen. Täglich um 13.00 verteilen Hotelangestellte Fleisch auf dem Boden. Sobald sie sich entfernen stürzen sich hunderte Greifvögel herab und kämpfen um die Fleischbrocken. 


Südlich von Victoria Falls führt eine Schotterpiste auf einem Höhenzug parallel zum Sambesi bis zum Karibasee. Auf der Masumu River Lodge in Binga verbringen wir zwei Tage Die Regenzeit hat begonnen. Die Wolken hängen tief, der Himmel ist von einem faden, finsteren Grau. In der Nacht, aber auch tagsüber regnet es immer wieder. Das ist lästig, unser Bettzeug ist feucht und jeden Morgen breiten wir Matratzenschoner, Leintücher und Federbetten im Auto aus, in der Hoffnung dass sie nicht modrig werden. So schön es ist, hoch im Dachzelt aufzuwachen und liegend Hippos und Krokodile im nahen Sambesi zu beobachten, aber bei Regen hört sich der Spaß auf.



Marabu im Anflug

Sonntag 2..Dezember. Wir sind in der Krise. Nicht weil in der Hitze keine rechte Adventstimmung aufkommen will, denn bei den Fenstern bläst der Fahrtwind wie aus dem Backofen herein. Im Lonely Planet steht: "Zimbabwe is an extraordinary place to visit. It remains one of southern Africa's most beautiful and - right now - untouristic countries." Im Frühjahr 2005, als es, wegen der politischen und wirtschaftlichen Lage und der mangelnden Sicherheit hieß, man könne das Land nicht mehr bereisen, waren wir von Land und Leute begeistert. Aber schon damals waren wir in den meisten Hotels die einzigen Gäste. Diesmal war vielleicht unsere Erwartungshaltung zu hoch. 

Trommel der Tonga, die am Karibasee leben

  Wir haben gelesen, nach der Hyperinflation des Zimbabwe-Dollar von zuletzt 230 Millionen Prozent – wie sieht wohl eine Banknote mit 25 Nullen aus? - und seiner Abschaffung, habe sich die wirtschaftliche Situation im Lande wieder verbessert. Es gebe wieder Treibstoff und in den Läden ein besseres Warenangebot. Auch von Simbabwern selbst hörten wir, dass die Stimmung positiver war. Bei den Viktoria Fällen sahen wir uns bestätigt. Aber danach waren wir überall alleine. Manchenorts wollten wir nicht bleiben, weil es zu heruntergekommen war oder die Lodges waren überhaupt geschlossen ('The owner didn't pay the council' -wer oder was auch immer das ist). Überall der gleiche desolate Ausblick: kaputte Fenster, Toiletten, Stühle; zerschlissene Vorhänge, Polster, Tischdecken; abbröckelnde Decken und Mauern, rostige Gitter, Schwimmbäder entweder trocken oder mit grünem schleimigen Wasser....

 

Tongafrau mit der typischen Pfeife

 

Vom Glanz des ehemaligen "breadbasket", dem Brotkorb Afrikas, ist nichts mehr übriggeblieben. Die Kinder auf der Straße betteln. Vor jedem Tongadorf am Straßenrand aufgestapelt die Lebensmittel internationaler Hilfsorganisationen. Im Matusadona NP treffen wir eine weiße Simbabwerin die Gelder im Ausland sammelt, da die Regierung auch kein Geld für den Erhalt der National Parks hat. (siehe unter Kurioses: Zimbabwe unter Mugabe) 

Ellis, Crocs, Hippos and others

Auf einer der vielen Inseln des Sambesi haben Löwen gleich zwei Büffel gerissen. Wir sind mit Kanus unterwegs. Ein Büffel lebt noch, kann aber nicht mehr aufstehen, das Genick ist gebrochen. Wir haben das Kanu an Land gezogen und nähern uns vorsichtig. Voran unser Guide mit der AK47. Sind die Löwen noch in der Nähe, dann tauchen sie jetzt auf, um ihre Beute zu verteidigen. Ich kann nur hoffen, dass die Kalaschnikow geladen ist, keine Ladehemmung hat und der Schwarze schießen kann. Es ist Nachmittag, die Hitze flimmert, brennt auf der Haut. Ich hab zu wenig getrunken und fühl mich schwach, habe weiche Knie. Aber davonlaufen ist eh nicht angesagt. Wir sehen die Löwen diesmal nicht, aber sie haben uns bestimmt gesehen.



 

Der Sambesi wimmelt von Flusspferden und Krokodilen. Letztere liegen gerne am Ufer. Sie sind sehr scheu und flüchten ins Wasser, sobald wir uns ihnen nähern. Mehr Angst bereiten mir die Hippos. Wir rudern zwar ganz nah am Ufer entlang, aber für meinen Geschmack immer noch zu nah an ihnen vorbei, oft sind es nicht einmal 10m. Sie beobachten uns genau. Und wir sie und stechen dabei noch kraftvoller das Paddel ins Wasser. Entspannung ist das keine!



KsV - Kleine schwarze Viecher

In den Nationalparks stechen uns untertags Tsetse-Fliegen, die sich im Auto, am liebsten auf der schwarzen Gummimatte versteckt halten um dann plötzlich unsere Beine zu attackieren. Sitzen wir entspannt auf unseren Campingstühlen plagen uns kleine Fliegen, die es auf Augen und Ohren abgesehen haben, dann wieder erschreckt mich ein riesen Brummer, der haarscharf vor meiner Nase vorbeidröhnt. Am Boden kriechen große bis winzig kleine Ameisen und Käfer und abends vergällen uns Mücken den schönsten Sternenhimmel.



GhV -Große helle Viecher

Gelassen hocken sie im Baum über uns, verfolgen unser Tun und nutzen jede Gelegenheit uns zu beklauen. Gestern war es die Mango aus dem Auto, heute die Butter vom Frühstückstisch. "Mich dürstet nach Rache!" Heimo baut eine Falle, verfolgt die kleinen Affen mit dem langen dünnen Schwanz mit der Steinschleuder, aber diese Biester sind zu schlau und zu schnell für uns. Die Grünmeerkatzen (Vervet Monkeys) leben in Gruppen von bis zu 60 Tieren. Sie sind ausgezeichnete Schwimmer, Springer und Kletterkünstler. Bei Aufregung oder Stress färben sich die Hoden der Männchen türkisblau und der Penis scharlachrot.



Nachts schwärmen die Fischer aus, um mit flachen Rahmennetzen und starken Lampen Kapenta, 4-5cm lange Süßwasser­-Sardinen zu fangen

Nach ein paar Tagen verlassen wir Mana Pools National Parc wieder. In Kariba verladen wir das Auto auf die Fähre 'Sea Lion'. 10 Jahre lang war der Fährverkehr ganz eingestellt, jetzt fährt sie immerhin wieder. Aber auch jetzt ist die Verbindung von Kariba bis Mlibizi sehr sporadisch und trotz großer Ferien, sind wir nur 17 Passagiere. Die Fahrt dauert 22 Stunden. Rechts von uns liegt Sambia, links Zimbabwe und vor uns versinkt am Abend die Sonne als roter Feuerball in den See. Vorbei geht es an unzähligen Inseln an deren Ufer wir Elefanten und Büffel sehen. Einmal hält das Schiff an, mitten im See, wo es keine Bilharziose, keine Krokodile und keine Flusspferde gibt und wir springen ins warme Wasser.



der Nilwaran wird bis zu 2m lang. Das Weibchen kratzt Löcher in Termitenhügel, in die es seine Eier ablegt. Die Insekten verschließen die Löcher wieder. Das Männchen besitzt 2 Penisse die er abwechselnd einsetzt.

 

2005 haben wir in Bulawayo gegolft, dabei wurde Heimo die Chervò-Jacke gestohlen. Die Kriminalität hat angeblich sogar noch zugenommen. Überall wird gewarnt. Wir wagen es nicht unser vollbepacktes Auto unbeaufsichtigt zu parken, daher sitzen wir im Café Haefeli's draußen und haben das Auto ständig im Auge. Die Besuche in den Galerien machen wir getrennt, während einer im Auto sitzt.



Fazit: 15 Jahre Stillstand, bzw. Rückschritt sind nicht so schnell wieder aufzuholen und Wirtschaft und Politik machen nur sehr langsam Fortschritte, aber die Simbabwer mit denen wir sprachen waren zuversichtlich.



Die Tage vor unserem Abflug am 17.12.2012 genießen wir noch die Gastfreundschaft von Georg und Christa in ihrem wunderschönen Haus in Edenvale/Johannesburg.


Tore sind wir. Beim Einparken auf einem Parkplatz vor einem Einkaufszentrum spricht uns ein junger Weißer an. Die Frontscheibe unseres Autos hat einen Sprung. Für 200 Rand (ca. 20.-€) kann er sie reparieren. Vorher haben wir uns schon erkundigt, wieviel eine neue Scheibe kosten würde. Den Schaden für 200 Rand repariert zu bekommen ist natürlich verlockend. Sogleich macht sich der junge Mann an die Arbeit und träufelt eine Flüssigkeit um, und so gut es geht, in den Sprung, bearbeitet den Steinschlag mit der Ahle. Da er vom Fach ist, weiß er natürlich, dass das Pfusch ist, ihm fehlt die notwendige Ausrüstung und dass er unsere Scheibe niemals richtig hinbekommen wird. Nur wir wissen das erst, nachdem wir 200 Rand ärmer geworden sind. Und staunen und lachen nicht wenig über unsere Blödheit.



- weiter geht's ein Jahr später unter Südliches Afrika Nov./Dez. 2013