TOGO



 

Togo, das klingt nach Negerkönig und Taka Tuka Land. Der Name kommt von Togodo und bedeutet „hinter dem See“, dem Togosee. 6,6 Mio Einwohner, ca. 40 verschiedene Ethnien, zusammengehalten durch eine gemeinsame Fußballmannschaft: Les Èperviers.

Die einstige Perle Westafrikas, hat unter den 2 Jahrzehnten (1990, 2000) politischer Unruhen sehr gelitten.






 

Grenze Ghana/Togo. Es war der bürokratische Wahnsinn. Trotz eines Schleppers, der sich uns erfolgreich und im Nachhinein gesehen auch notwendig, aufgedrängt hatte, brauchten wir mehr als drei Stunden und kommen so in die Dunkelheit. Nicht dass die anzulaufenden Schreib- und Stempeltische weit auseinander gelegen wären, es war die Schwierigkeit all diese Stellen zu finden in diesem Ameisengewuzle und Auto- und LKW-Gebrumm. Dagmar wehrt sich standhaft (und erfolgreich) gegen ein Laissezpasser das sie uns für 6.000.- CFA aufschwatzen wollten + 10.000.- Dunkelheits- oder „Verdunkelungszuschlag“ nach 18.00.



 

Wir sind wieder in einem frankophonen Land Afrikas und siehe da, das Essen ist wieder besser. Diesmal aber Dank der vielen Schweizer.

Das erste Hotel im Norden von Lomé entspricht nicht unseren Vorstellungen; unser Auto passt nicht in die Garage und unbeaufsichtigt auf der finsteren Straße wollen wir nicht parken. Also fahren wir wieder in den Süden, ans Meer. Es ist stockfinster. Heimo hasst es in der Nacht zu fahren. Fußgänger, Tiere, Radfahrer, Motorradfahrer tummeln sich im Finsteren und man sieht nichts. Nada. Rien. Niente.

Le Galion, ein kleines Hotel mit Kneipe. Alle Weißen der Stadt scheinen sich hier freitags bei Lifemusik zu treffen. Man beäugt uns, nach dem Motto, wer sind denn die da, die kennen wir gar nicht. Das müssen Neue sein.

 

Christer und Mia mailen uns aus Ouaga. Sie haben beide Malaria. Wann wird es uns erwischen? Alle die hier leben, bekommen früher oder später Malaria. 

Wir ziehen weiter. Chez Alice - geführt von einer Schweizerin, die seit 30 Jahren hier lebt - ist Treffpunkt aller Durchreisenden. Wir hoffen, endlich wieder Unseresgleichen zu treffen um Erfahrungen auszutauschen. Aber wir sind alleine da. Alice erzählt es ist eigentlich Hauptreisezeit. Normalerweise hat sie Probleme für alle Autos einen Platz zu finden. Heuer ist niemand da. Das hat es noch nie gegeben.

Strand und Umgebung machen einen deprimierenden Eindruck: Sandhaufen, Bausteine, hier ein großer Ölfleck, dort Dreck, Baustellen. Ein Holländer erzählt uns, die letzten 5 Jahre wurde hier extrem viel gebaut. Einstöckige halbfertige Gebäude, rostige Bewährungseisen ragen in den grau-weißen Himmel und überall hohe unverputzte Betonmauern. Und noch immer Sonnenfinsternis wegen des Harmattan, dem Wüstenwind.

 

Im Hof von Chez Alice.

Der gewohnte Ritus für Auf- und Abbau des Zelts: ich stehe auf dem Autodachträger und sehe über die Mauer und über weitere Mauern, die von oben wie ein Irrgartengebilde aussehen. Also nichts Außergewöhnliches. Nur hier ist das Unbehagen - lange vorher schon präsent im Unterbewusstsein - erstmals sichtbar spürbar geworden. Was zum Teufel veranlasst die Menschen hier Alles und jedes Stückchen Land einzuzäunen bis in eine Höhe von 2,5m mit grauen handgefertigten Betonziegeln, obendrauf als glitzernder krönender Abschluss Glasflaschenbruch. Ist es Besitzstandsdenken? Die Furcht vom Gesehenwerden von irgendwelchen offiziellen Organen wie Sippenwächter oder auch nur gesehen werden von anderen? Das kann es nicht sein, denn in aller Regel ist nichts drinnen außer Dornengestrüpp und Unkraut. Und das gedeiht draußen wie drinnen gleichermaßen. Oft kann man den Anfang mehr noch das Ende von Gebäuden vermuten. Die Anschlussbewährung für ein eventuelles Mehr nach oben ist bereits so korrodiert, dass es sich kaum noch selbst trägt, geschweige denn Zugspannungen für Stahlbeton aufnimmt. Müssen die Mauern den Besitz markieren mangels verbrieften Katasters? Wird das Claim so abgesteckt? Verfällt der Besitz wenn nicht so abgemauert? Ist ohne Mauer eine Landnahme zu fürchten? Welche Gründe auch immer. Es werden die schönsten Landstriche und idyllische Strände zugemauert und im urbanen Bereich steigert sich das Ganze zu einem frei nach Rilke: …es ist wie tausend Mauern und hinter tausend Mauern keine Welt.






Schon in Ghana hat’s begonnen. „Zssss, zssss!“ von allen Seiten und endlos. „Zssss…zssss!“, oder Geräusche wie das Schmatzen unappetitlicher Küsse. Menschen versuchen auf sich und ihre Ware aufmerksam zu machen. Das ist zwar harmlos, aber es nervt und irritiert.

 

Wir waren einen Tag, bzw. ein paar Stunden zu lange in Togo. Wir haben vergessen dass, das Visum nach 7 Tagen verfällt. Das kam uns teuer zu stehen.



 

Togo: nichts Erschütterndes, nichts umwerfend Schönes.





- weiter geht's unter Benin