September 2016

aufgehende Sonne über Äthiopien

Liebevoller Empfang bei den Liekes. Gemütlich sitzen wir mit Maria und Manfred  im Garten bei Kaffee und Kuchen. Marias Mehlspeisen sind übrigens the best in town. Unser Auto hatte Service, wurde gewaschen, Versicherung ist abgeschlossen. Wir sind startklar. Als erstes fahren wir zu unserem Schatz, den wir vor 2 1/2 Jahren im Gestrüpp versteckt haben. Anhand der Koordinaten finden wir den Platz auch gleich. Nur mittlerweile ist das dornige Gebüsch größer geworden und wir haben beide keine Lust uns von den langen Dornen stechen oder gar von Schlangen beißen zu lassen.

Über den Snake Park fahren wir nach Momella wo Hardy Krüger seine Game Lodge, seine Farm und Fleischfabrik hatte. Wir besuchen Christine und Cornelia Wallner. Beeindruckend was die 2 Ärztinnen aus Wien in 7 Jahren hier aufgebaut haben. www.africaaminialama.com

 

Eine Hyäne hat vor 2 Tagen dem Esel das Ohr abgebissen. Gestern war der Tierarzt da und hat die Wunde samt Gehörgang wieder zugenäht. Das war höchstwahrscheinlich die gleiche Hyäne die vor ein paar Monaten 2 spielende Kinder angegriffen hat. Die herbeieilende Mutter wurde von ihr schwer verletzt.

Tansania hat seit November 2015 einen neuen Präsidenten, John Magufuli. Es heißt er bekämpft die Korruption und hat kostenlose Schule für alle Kinder eingeführt. Das hört sich gut an. Trotzdem haben viele mit denen wir gesprochen haben, Bedenken. Früher betrug das Schulgeld monatlich 200TZS. Jetzt wurde das Schulgeld abgeschafft, aber die Schüler müssen Lehrmittel und Schuluniform selber bezahlen, was aufs Gleiche herauskommt. Aber politisch ist es klug und die Geberländer spenden Schulbänke, die, wie wir in einer lokalen Zeitung lesen konnten,  mangels Klassenzimmer im Freien verrotten.

 

Polizei gibt es immer noch genug, aber es ist besser geworden und wir schafften es nicht ein einziges Mal aufgehalten zu werden.

Eine seltene Spezies von Flamingo bei den Momella Seen

In Nairobi die schwere Entscheidung: fahren wir die Teerstraße über Isiolo/Moyale nach Äthiopien oder die streckenweise schrecklichen Pisten östlich oder westlich vom Turkanasee. Bei der Turkana-Variante müssen wir bereits in Nairobi Pass und Carnet ausstempeln lassen, da es an der Grenze keine Abfertigung gibt. Die Infos die wir bekommen sind widersprüchlich und reichen von gefährlich, da sich gleich mehrere Stämme dort bekriegen, die Strecke mühsam ist, weil sie über kaputte Straßen mit tiefen Löchern oder über Piste mit spitzen Lavasteinen führt,-  bis harmlos, sandig und landschaftlich wunderschön. Nur in einem Punkt sind sich alle einig: Äthiopien ist für Selbstfahrer die Hölle.

Östlich vom Turkanasee baut Deutschland den größten Windpark Afrikas und nachdem die Piste dorthin lang und schlecht ist wird erst mal eine Straße dorthin gebaut. "Das ist ja toll", sage ich. "Nein, das ist nicht toll" antwortet der Kenianer, "die sollen uns in Ruhe lassen. Wir brauchen das nicht". Wie unterschiedlich oft die Vorstellungen von Hilfeleistung in Europa und Afrika sind.

Nix los in Afrika

Seit der Ebola-Epidemie in Westafrika ist paradoxer Weise der Tourismus in Kenia und Tansania eingebrochen. Paradox deshalb weil Liberia und Sierra Leone von den beiden Ostafrikanischen Ländern weiter entfernt liegen als Mitteleuropa. Für beide Länder ist der Tourismus aber der Wirtschaftfaktor schlechthin. Typisch für die beiden Länder ist aber, wie sie versuchen das Problem zu lösen. Während Kenia die Eintrittspreise für die Nationalparks senkt erhebt Tansania neuerdings eine 18%ige Steuer.

Wir sind viel abseits unterwegs, doch ab und zu kommen wir an Orte an denen sich normalerweise Traveller treffen, aber auch da ist es sehr ruhig. Das Reisen wird für Selbstfahrer immer schwieriger. Durch den Syrienkrieg ist Afrika über den Landweg von Europa aus nicht mehr zu erreichen und in manchen Ländern wird die Visabeschaffung immer schwieriger.

 

Der Lake Bogoria ist von einem National Reserve umgeben. Das bedeutet für uns Nonresidents 100.-US$ Eintritt und fürs Campen 30.-US$ pro Nacht. In unserem Reise Know-How sind drei schöne Campingplätze beschrieben. Wir steuern den ersten im Südosten an, den Fig Tree Campsite. Road Closed.

Also nehmen wir den nächsten, den Accacia Campsite. Auch hier mündet die Piste im Wasser. Und genauso ergeht es uns beim Dritten. Wir haben gelesen, dass der Wasserspiegel in den letzten Jahren ständig gestiegen ist. In den letzten Jahren, wohlgemerkt, nicht in der letzten Nacht. Es wurden keine neuen Campingplätze gebaut. Aber die Verwaltung hat die Chuzpe Geld für etwas zu verlangen was es gar nicht gibt. Vor ein paar Jahren hätten wir uns über so viel Dreistigkeit geärgert und beim Verlassen am Northgate heftig protestiert. Mittlerweile haben wir dazugelernt: That's Africa!

In Nairobi haben wir zufällig Hardy Fiebig getroffen, den Autor vom Reise Know-How-Führer Kenia. Ich finde er schreibt gut und kennt Kenia wie kein anderer. Daher frage ich wann es endlich eine Neuauflage geben wird. "Gar nicht," meint er, "man verdient damit kein Geld." Schade. Mit den alten Reiseführern passiert es, dass Hotels und Campsites zwischenzeitlich nicht mehr existieren, Neue nicht aufgeführt sind und die angegebenen Preise sich verzehnfacht haben.

 

Geysire am Lake Bogoria
das alkalische Wasser zieht riesige Flamingokolonien an

Robert's Camp am Lake Baringo "liegt direkt am Seeufer und ist voller zwitschernder Vögel, sielender Nilpferde sowie bissiger Krokodile." (lonely planet)

Goliathreiher

Die A1, die von Kisumu am Viktoriasee bis in den Südsudan führt klingt nach 4-spuriger Autobahn. Tatsächlich ist sie zeitweise sogar 6-spurig und mehr. Immer dann wenn das Gelände es zulässt, weichen PKW, LKW und Motorräder auf das umliegende Gebiet aus um der holprigen Straße zu entgehen und schaffen somit ein Geflecht von neuen Spuren. Wir starten bereits um 7.00. Um die heutige Strecke von 196 km zurückzulegen benötigen wir 10 Stunden.

Die Österreichischen Forscher Teleki und von Höhnel stießen 1888 vom Osten kommend als erste Europäer auf den größten Wüstensee der Welt. Sie tauften ihn Rudolfsee, nach dem damaligen Österreichischen Kronprinzen. Der 260km lange und bis zu 50km breite See teilt das gleiche Schicksal wie die Gletscher in den Alpen: sie werden immer kleiner. Hauptursache ist der Bau der Staudämme  der Kenianer am Turkwell und der Äthiopier am Omo, den wichtigsten Zuflüssen. Erst 1970 setzte sich für den abflusslosen, alkalischen See der Name Turkana durch, nach der gleichnamigen Ethnie.

Mit der hohen runden Stirn und den bunten Holzperlenketten sehen die Turkana, auch die Alten sehr hübsch aus

Mit ca. 300.000 Stammesangehörigen sind die Turkana nach den Somali das zweitgrößte Hirtenvolk Kenias. Sie gelten als äußerst aggressiv, und sind mit sämtlichen Nachbarethnien, wie den Pokot, Samburu, El Molo, Rendille und Karamajong im Streit. Sie überfallen ihre Nachbarn und stehlen deren Vieh. Auch wir konnten uns von ihrer Aggressivität überzeugen, als wir in der Wüstenstadt Lodwar über die lange einspurige Brücke fuhren. Wir hatten den Turkwell schon fast überquert als ein entgegenkommender Traktor noch schnell auf die Brücke fuhr und uns zusammen mit den Schimpftiraden von Fußgängern und Mofafahrern zwang die ganze Strecke im Rückgang zurückzufahren. Lodwar ist die größte Stadt im äußersten Nordosten Kenias, deren wichtigster Wirtschaftszweig die humanitäre Hilfe für den benachbarten Südsudan ist. Wir lernen Jack einen jungen Ingenieur für Abwassertechnik aus Wales kennen, der für eine amerikanische Firma in den Flüchtlingslagern Toiletten aufstellt. In diesen werden die Exkremente entkeimt, getrocknet und anschließend zu Brennmaterial brikettiert.

Durch das viele Rütteln auf  vulkansteiniger Wüste oder Wellblechpiste in den letzten beiden Tagen hat sich die Aufhängung des Auspuffs gelöst und unser Auto scheppert fürchterlich. Am Straßenrand werden Tore geschweißt. Heimo spricht mit dem Boss und in Null Komma Nichts und für umgerechnet 3.-€ ist die Aufhängung elektrogeschweißt und unser Landcruiser schnurrt wieder in gewohnter Weise. Außer zwei Platten und einem Sprung im Dachträger ist es das erste Mal, dass an unserem Auto etwas repariert werden musste.

Eliye Springs Lodge am Lake Turkana

"I'm Simon, your Askari. With me you are safe here", lallt der spröde ältere Turkana als er uns, schwer auf seinem Stock gestützt, entgegen torkelt. Mit diesem Nachtwächter kann uns nichts passieren. Es ist Sonntagmittag. Zwischen windschiefen Borassus-Palmen und Rundhütten liegen unzählige Tusker-Bier-Flaschen von der gestrigen Saturday-Night-Party. Da hatten wir Glück, dass wir nicht einen Tag früher eingetroffen sind.

Jeden Vormittag schaut Simon bei uns vorbei und will seinen "Tip", das Trinkgeld kassieren.

Auf meine Fangfrage: "Did you sleep well tonight?" antwortet er "Yes, very well!" Wie das? Wollte er nicht die ganze Nacht Wache halten? Tagelang mimte er den alten gebrechlichen Mann und erst am Tag unserer Abreise, sammelte er endlich, sich ganz normal bewegend, den Unrat auf der Anlage ein. Höchstwahrscheinlich kommt Rolf, Schweizer und Besitzer der Lodge nach längerer Abwesenheit zurück.

Im Lake Turkana leben viele Krokodile, aber nicht bei der Eliye Springs Lodge, da sind zu viele Menschen, daher baden die Einheimischen.

Dieser Nilbarsch ist leider zu groß für unseren Kühlschrank

26.09. Heiß ist es am Turkanasee. Heute sind ein paar vereinzelte Wolken am blauen Himmel. "Is it going to rain? frage ich Peter, einen Turkana. "O no, perhaps at x-mas", antwortet er.

Im Buch steht, die Turkana sind Überlebenskünstler. Sie ernähren sich von Rinderblut und -milch und essen alles, einschließlich Schlangen und Krokodile. Peter sagt er würde niemals Krokodile essen, schließlich fressen sie Menschen. Er erzählt uns von Hirten, die 2.000 Kamele, Ziegen oder Rinder besitzen, aber lieber als eines zu schlachten um damit Maismehl zu kaufen verhungern sie.

Wir fahren weiter, Richtung Norden, parallel zum See über eine gute sandige Piste, die auf unserer Karte nicht eingezeichnet ist, durch eine schöne, aber aride Landschaft. In der spanischen Mission werden wir herzlich empfangen. Jeden Abend um 19.00 ist Messe und wir lauschen dem schönen Gesang der Schwarzen und um 21.00 open-air-Filmvorführung. Wir sehen 2 Filme, die man sich nicht unbedingt erwartet in einer katholischen Mission zu sehen.

Hütten der Turkana
in den ausgetrockneten Flußläufen werden Löcher gegraben, bis ans Grundwasser und in den gelben Plastiktanks abgefüllt, die dann von Frauen und Kindern nach Hause getragen werden

Unzählige Lugga, Trockentäler wie die Wadi hier heißen müssen wir überqueren.

Endlich wird das Gelände flach und auf der sandigen Piste kommen wir schnell voran. Die Grenze zu Äthiopien befindet sich angeblich bei den Bäumen rechts oben im Bild.

 

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