mtu ni watu

ein Mensch ist viele Menschen

(tansanisches Sprichwort)

Boma in Biharamulo

Wieder in Tansania

‚Deutsch-Ostafrika‘ hieß die Kolonie im heutigen Tansania, Burundi und Ruanda zwischen 1885 und 1919. Nach dem verlorenen Krieg musste Deutschland alle Kolonien, wie auch Togo, Kamerun und Deutsch-Südwest, also Namibia an die Siegermächte abtreten Die „German Bomas“ sind Gebäude aus jener Zeit und dienten als Forts, Bezirksämter, Residenzen. Aus der ursprünglichen Siedlung zur Versorgung der Schutztruppen entstanden später Städte. Daher sind sie für Tansania nationales Erbe und geschützt. Aber wo Deutschland nicht saniert, verfallen sie. Der Innenhof solch einer Boma ist ein Campingplatz. Diese Anlage ist zwar liebevoll saniert, obliegt aber der „Sorgfalt“ einiger fauler Weiber. Dreck und Verwahrlosung wohin man schaut. Vom sauberen Ruanda kommend ärgert uns das umso mehr.

Marabu, häßlich wie Ngassa

Mitten in der Nacht plötzlich Blitz und Donner. Schnell packen wir unsere Decken und verlassen die Belletage, sprich Dachzelt und verziehen uns ein Stockwerk tiefer in den faradayschen Käfig. Wir sind am Viktoria See und Ngassa, ein zorniger Geist, der im See lebt grollt. Die Einheimischen haben ihm wohl schon länger keine Opfer mehr erbracht.

 

Heimo möchte das Auto auf einen Kahn verladen um so auf die andere Seite des Sees zu gelangen. Ich aber misstraue der afrikanischen Wartung von Schiffen und fahre lieber um den großen See herum.

Der Viktoriasee, fast so groß wie Österreich, ist Afrikas größter und der Welt zweitgrößter Süßwassersee. An der tiefsten Stelle ist er nur 80m tief da er als einziger der großen Seen Afrikas nicht im afrikanischen Grabenbruch liegt. In Bukoba campen wir direkt am Sandstrand. Schon am Frühstückstisch beobachten wir die vielen Vögel um uns herum: Marabus, Kormorane, afrikanischer Klafftschnabel, Schmarotzermilan, Heiliger Ibis, Enten, Reiher, Störche, Eisvögel, Schreiseeadler, Blauwangenspint, Graufischer u.v.a.

In Mwanza, im Süden des Sees campen wir unter Palmen im Yachtclub. Vor uns spiegeln sich die Lichter der Stadt im glatten Wasser der Bucht. Doch dann plötzlich Lichtausfall. Es ist stockfinster. Generatorengeräusche und vereinzelte Lichter in den Hotels und modernen Gebäuden gehen an. Der gegenüberliegende Hügel mit den vielen Wellblechgedeckten Hütten aber bleibt finster.

Schmarotzermilan (yellow billed kite)

Wir wollten vom Südwesten in die Serengeti. Grüne Reisfelder mit weißen Reihern gehen plötzlich in Baumsavanne über. Mittagspause im Schatten einer Schirmakazie. Schon lange hatten wir nicht mehr dieses prosaische Afrika, das wir so sehr lieben. Wir sind auf dem Weg zu einer Lodge mit dem angeblich schönsten Campingplatz Tansanias. Als wir hinkommen: „Sorry, the campsite is broken down“. Wir fahren weiter zum nahe gelegenen Gate des Parks. „Sorry, the entrance from here in the park is not possible. The machine is broken.” Als ich frage welche Maschine denn kaputt sei: „I don’t know“, kommt die lakonische Antwort des Schwarzen. Uns bleibt nichts anderes übrig als wieder zurück zu fahren um am nächsten Tag unser Glück vom Westgate aus zu versuchen.

die scheue aber neugierige Hyäne sah uns die ganze Zeit beim Reifenwechsel zu

Jemand, wohl ein Misanthrop, hat gesagt er liebe Tsetse-Fliegen, denn, wo sie sind, gibt es keine Menschen. Das stimmt. Aber manchmal sind Menschen auch dort wo Tsetsefliegen sind. Zum Beispiel wenn sie in der brütenden Mittagshitze mitten in der Serengeti einen Platten haben. Heimo hat sich die ganze Zeit schon über die schlechten Pisten geärgert. „Zero maintenance“ im berühmten NP, der nicht sterben darf,  aber vielleicht sterben wir jetzt, an der Schlafkrankheit. Wildtiere haben wir bereits viele gesehen, doch jedes Mal wenn wir sie fotografieren wollten und das Fenster runterkurbelten flogen diese hinterhältigen Mistviecher beim Fenster herein. Man merkt das immer erst, wenn sie bereits zugestochen haben. Und jetzt das. So ein Reifenwechsel ist schweißtreibend und dauert. Ausreichend Zeit für die Fliegen uns zu attackieren. Sogar durch meine dicke lange Hose, und durchs T-Shirt stechen sie. Aber am schlimmsten schauen am Abend unsere Füße, Arme und der Hals aus.

 

Never pull a lion's tail

Entschädigt für diese Pein wurden wir abends. In der Dämmerung lief ein Leopard vor unserem Auto über die Piste. Neugierig blieb er hinter uns stehen, sah uns an, lief weiter als Heimo im Rückwärtsgang ihm folgen wollte, hielt nochmals kurz inne bevor er im Gebüsch verschwand. Das ging so schnell. Als ich endlich den Fotoapparat ausgepackt und eingestellt hatte, war alles vorbei. Wir waren ganz aufgeregt. Kein anderes Tier hat so viel Schönheit und Eleganz.

Die Serengeti grenzt im Osten direkt an die Ngorongoro Conservation Area. Da muss man wieder zahlen. Aber im Gegensatz zur Serengeti werden hier keine Kreditkarten akzeptiert. Schon wieder so eine Tansanische Unlogik! Mühsam kratzen wir Tansanian Shilling, US-Dollar und Euro zusammen. Der Ngorongoro-Krater, von Prof. Grzimek als achtes Weltwunder bezeichnet, ist Heimat aller Wildtiere Ostafrikas. In dem 16 X 20 km großen Krater leben über 100 Löwen und einige davon haben wir gesehen.

Wir haben das Glück alleine, ohne Guide und mit dem eigenen Auto unterwegs zu sein, was normalerweise verboten ist.

Afrika ist bekanntermaßen eine Fundgrube für Ethnologen. Wir kamen aber nur selten mit exotischen Völkern in Kontakt. Will man sie authentisch erleben, braucht man dazu viel Zeit, Geduld und Ortskunde. Keine Alternative bietet dieser Brauchtums-Hokuspokus der in Hotels aufgeführt wird und in denen ein paar Wilde mit Lendenschurz und Kriegsbemalung herumhüpfen oder auf Trommeln einschlagen. Dieses „Schuachplattln und Alphorngedudle“ liegt uns gar nicht. Daher war ich anfangs etwas skeptisch, doch als ich hörte ein Team von National Geographic besucht am gleichen Tag eine andere Gruppe Hadsabe (sprich: Hasabi) war ich beruhigt.

Es war noch stockfinstere Nacht als mich Laurent, der Guide mit dem Motorrad abholte und wir über steinige Feldwege dahinrumpelten. Die Hadzabe  gehen im Morgengrauen auf Jagd und da wollte ich dabei sein. Das letzte Jäger- und Sammlervolk Tansanias lebt in der Nähe des Eyasi Sees, südlich von Ngorongoro, in kleinen Gruppen, unter Felsen oder in primitiven Grashütten, kennen keine soziale Hierarchie und keinen Besitz.


Eher klein und drahtig erinnern sie mich an die San (Buschmänner) Namibias und Botswanas, sie sind aber dunkelhäutiger und ihre Sprache hat nicht gar so viele Klicklaute. Kaum kann ich ihnen folgen als sie mit verschiedenen Pfeilen und Bogen durch das Gestrüpp eilen, auf jedes Geräusch und jede Spur im Sand achtend. An diesem Tag schießen sie nur Vögel. Blitzschnell machen sie ein Feuer und rösten und essen die innen noch blutige Beute mit den Knochen. Von Mäusen bis Giraffen essen sie alles, am liebsten Paviane, nur keine Schlangen und Hunde. Das Blut der Tiere gibt ihnen Kraft. Sie holen köstlichen Honig winziger Insekten aus dem Stamm eines dornigen Baumens. Niedrige Büsche dienen als Tische und mit deren Blättern wischen sie sich anschließend die Hände sauber. Wasser brauchen sie kaum, denn ihren Bedarf an Flüssigkeit decken sie mit wilden Beeren, Wurzeln und Knollen ab.

Sie schlafen in winzigen Hütten aus grünen Zweigen oder bei Regen unter Felsüberhängen.


Die Hadza sind in ihrer Existenz stark bedroht. Die Regierung versucht sie zu integrieren, sie sollen in die Schule, die Datoga (ähnlich den Massai) mit ihren Rinderherden und Feldern verdrängen sie und der Konsum von Marihuana und Alkohol tut sein Übriges zum Verfall.

 

Der Tarangire NP gefiel uns besser als die Serengeti. Er war nicht so überlaufen und landschaftlich sehr abwechslungsreich. Nirgendwo sonst sahen wir so viele Elefanten. Hier gibt es die auf Bäumen kletternden  Pythonschlangen, doch sosehr wir auch alle Äste absuchten, konnten wir leider keine entdecken.

Ol Doinyo Lengai, der Berg Gottes

Als letzten Trip dieser Reise fuhren wir am westlichen Grabenbruch entlang nach Norden zum Lake Natron. Auf nur 700m über dem Meeresspiegel im tansanischen Rift Valley gelegen war es unglaublich heiß, aber auch windig.  Besonders beeindruckend der letzte noch tätige Vulkan Ol Doinyo Lengai. Für die dort lebenden Massai ist er der Berg Gottes. Die Massai-Frauen reagierten ziemlich aggressiv als wir ihnen keinen selbstgebastelten Schmuck abkauften und auf der einsamen Piste Richtung Osten, zur A104, der Verbindung zwischen Arusha und Nairobi warfen uns Hirtenjungen Steine nach. Trotzdem wird uns diese Strecke, weil so dünn besiedelt und wir unglaublich viele Wildtiere sahen, immer in Erinnerung bleiben.

 

 

el mundo es cruel

Auf dem Rückweg vom Lake Natron haben wir ein wunderschönes Gnu-Geweih gefunden. Wir freuen uns, das passt zu unserer Sammlung im Pinzgau. Heimo reinigt es und überlegt wie er es am besten für den Heimtransport verpackt. Wir sprechen mit Manfred darüber, bei dem wir dieses Mal den Landcruiser einstellen. „Um Himmels Willen! Das würde ich mir sehr gut überlegen.“. Dann erzählt er von seinem Nachbarn, einem Schweizer. Eines Tages entdeckt dieser ein Zebrapärchen auf seiner Farm. Wildtiere sind Besitz der Regierung. Er weiß das und macht Meldung bei den Behörden. Fünf lange Jahre passiert nichts. Dann, eines Tages erscheint die Polizei. Er wird angezeigt. Es kommt zu Gerichtsverhandlungen. Die Angelegenheit wird sehr, sehr teuer für den Schweizer. Wieder dauert es 1 ½ Jahre bis die Zebra endlich abtransportiert werden was nicht ohne Probleme für den Hengst abgeht. Manfred entfernt nun sogar alle Schildkröten die er auf seiner weitläufigen Farm entdeckt. In Afrika, ganz speziell in Tansania steht man mit einem Bein immer im Gefängnis.

 

Nicht ganze 8 Wochen waren wir in Tansania. Das Land, mehr als 2 Mal so groß wie Deutschland, hat viele Highlights und trotzdem ist es nicht unsere erste Wahl. Die Tansanier sind sehr selbstbewusst. Von den Menschen die nicht in der Tourismusbranche tätig sind spricht kaum jemand English. Ich wurde einmal sogar verwundert gefragt warum ich nicht Suaheli lerne. Sie haben auch ihre eigene Uhrzeit. Der Tag beginnt um 6.00 morgens. Das ist 1.00 Uhr. Da wir aber nie mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs waren, kam es nie zu Missverständnissen. Über die Omnipräsenz und –potenz der Polizei habe ich schon geschrieben. Dabei haben wir Touristen oder Weiße noch Glück, denn handgreiflich wurden sie uns gegenüber nie, was, wie wir hörten bei Einheimischen durchaus vorkommt.

- in einem Jahr geht unsere Reise weiter: Kenia und Uganda