Dezember 11 - Januar 2012



SENEGAL

 

 

Na ga deff. Guten Tag auf Wolof, der Umgangssprache.

 

20.12.2011      Wir haben Schwarzafrika erreicht. Hier rennt niemand mehr verschleiert herum, die arabischen Schriftzeichen sind verschwunden, wir können Schilder wieder entziffern, es gibt Alkohol zu kaufen und ab und an suhlen sich ein paar Schweine im Straßengraben.



 

An der Grenze bekommen wir das Passavant nur für 48 Stunden d.h. wir müssen innerhalb dieser Zeit am Hauptzollamt in Dakar unser Carnet de Passage abstempeln lassen oder das Land wieder verlassen. Das ist mehr als lästig, denn wir möchten einige Tage in der Zebrabar, südlich von St.Louis verbringen. Diese Schikane, so unverständlich sie uns erscheint hat einen politischen Hintergrund. Bei den letzten Wahlen hat die Opposition hier in St.Louis, die Mehrheit erlangt und die Regierung in Dakar straft nun die Stadt ab. Alle Westafrikafahrer treffen sich in der Zebrabar bei den beiden Schweizern Ursula und Martin, die weniger Bar als Camping ist und tauschen sich Erfahrungen aus.

Durch Martins Beziehungen gelingt es uns das Passavant in St.Louis auf 10 Tage zu erweitern, sodass wir Weihnachten in dem schönen Camp unter tropischen Bäumen, direkt am Fluss Senegal verbringen werden.

 

St. Louis, die frühere Hauptstadt Senegals ist ein gemütliches Städtchen mit vielen Kolonialbauten, Cafés und Restaurants.

Am Abend landen wir in einer Kneipe mit Lifemusik. Fasziniert schauen wir auf den schwarzen Sänger an den Djembé, den afrikanischen Trommeln. Musik und Rhythmus liegen ihm im Blut. Die Schwarzen sind diesbezüglich unübertroffen. Straßenkinder drängen sich in der Tür und bewegen sich im Takt. Kaum werden sie hinausgejagt sind sie schon wieder da.

Unser erster Eindruck vom Senegal ist durchaus positiv.

Wie konträr dazu hört sich die Geschichte von Mia und Christer an, als sie am nächsten Tag eintrudeln. Nördlich von St. Louis direkt an der N2 befindet sich die Universität. Schon als wir dran vorbeifuhren bemerkten wir, dass hier etwas im Gange ist. Als die beiden Schweden hinkommen ist die Straße gesperrt. Studenten und Polizei liefern sich heftige Straßenschlachten. Über Seitenstraßen haben sie auszuweichen versucht und sind vom Regen in die Traufe geraten: Straßensperren und Mob. Mia steigt aus um die dornigen Sträucher auf der Straße zu entfernen. Aggressive Jugendliche, bewaffnet mit Stöcken und Steinen kommen ihr entgegen, ziehen den Daumen über die Kehle. Ein Stein trifft sie an der Schulter. Im Gerangel hat sie sich einen langen Dorn eingetreten. Sie flüchtet ins Auto und schleunigst fahren sie wieder zurück. Kein Wunder, dass sie vom Senegal nicht so angetan sind wie wir. Dieses Beispiel zeigt auch wie schnell sich Situationen in Afrika ändern können.



Ex Africa semper aliquid novi.

Afrika bringt immer etwas Neues.

Plinius



Das Frühstück nehmen wir auf der Terrasse über den Fluss ein, der an dieser Stelle ca. 500m breit ist. Vor uns treiben ein paar Fischerboote im Wasser. Weiße Seevögel klappen ihre Flügel zusammen und stürzen sich ins Wasser um nach Fischen zu tauchen. Pelikane, weiße und graue segeln mit wenigen Flügelschlägen hintereinander, sehr wassernah stromaufwärts.

So nah an der Mündung wirken sich die Gezeiten fast wie am Meer aus und bei Ebbe kann ich stundenlang im Sand spazieren. Später nehmen wir ein Kajak und fahren aufs andere Ufer. Heere von violett-braunen Krebsen laufen vor uns her. Die Lagune ist hier recht schmal und hinter dem Kasuarinenwald liegt der breite weiße Strand des Ozeans.

 

der Christbaum einmal anders

24.12.11

Unser Auto startet nicht. Der Kühlschrank hat in der langen Standzeit zu viel Strom gezogen. Wir wollen Geld abheben, der Automat spuckt keines aus. Wir wollen ins Internet, geht auch nicht. Und das soll Weihnachten sein?

Von Mia und Christer, den beiden Schweden werden wir zu Panettone und Glühwein eingeladen, die Amis und Engländer im Overlander neben uns, rennen mit Santa-Claus-Kapuzen herum. Obwohl die ganze Zeit heraufbeschwört, taucht Rudolf the red nosed Reindeer wegen Schneemangels nicht auf.

In der Lodge gibt es ein Festmahl. Meine Tischnachbarin ist Heidi, eine exzentrische 76- jährige aus Freiburg, die seit 40 Jahren im Senegal lebt und bereits 3 Ehemänner aufgearbeitet hat. Ich amüsiere mich köstlich mit ihr. Sie wiederum ist von Heimo sehr angetan.

Wir telefonieren mit unseren Kindern in St. Konstantin. Sie behaupten wir fehlen ihnen, klingen dabei aber äußerst vergnügt.



Lac Rose, Endziel der Ralley Paris-Dakar

 

Gloria Victoria! Wir haben die Ralley München, Pinzgau oder war es doch Bozen – Dakar gewonnen.

Zugegeben wir waren die einzigen Teilnehmer, trotzdem haben wir viel Staub aufgewirbelt. Und jetzt sind wir da, am Lac Rose, dem Endziel der Ralley.

 

Von St.Louis hierher entsprach die Landschaft den typischen Klischeevorstellungen Afrikas: trockene Steppe, Schirmakazien und zwischendrin Baobab. Je weiter wir nach Süden kommen, umso höher werden die Bäume und um so grüner wird es.

 



 

Moloch Dakar. Die Fahrt in die Stadt vom Norden kommend: Favelas, Autofriedhöfe, Märkte, Gossen, Müllhäufen. Es scheint mehr Autowracks als fahrende Autos zu geben, trotzdem herrscht das totale Verkehrschaos: Eselskarren, Kleinbusse, Motorräder, Taxi, Laster schieben sich zentimeterweise vorwärts.

Total erschöpft kommen wir in Bel Air, einem Viertel unweit des Hafens an. Heimo geht noch ins Wasser, sprich Meer. Unser Hotelzimmer hat keine Moskitonetze, trotz Autan und Ledum-Palustre-Globuli werden wir von den Mücken gepeinigt.

 

Am nächsten Tag um 8.00 sind wir im Hafen beim Zoll. Wir sitzen auf einer Holzbank im Flur.  Schweißgeruch steht dick in der Luft. Außer den Putzkräften und einer jungen Angestellten die uns das für uns zuständige Büro zeigt, ist niemand da.

8.15 ein weiterer Angestellter trudelt ein. Leider ist auch er nicht für uns zuständig. Auf unsere Frage erklärt er das Amt öffne ab 8.00. und in dem kleinen Wort liegt die Krux. Nicht um sondern ab. Er sperrt sein kleines Büro auf damit die dicke Putzfrau mit einem Lappen an der winzigen freien Stelle am Schreibtisch immer wieder draufhaut um den mutmaßlichen Staub zu entfernen. Dann kommt ein junger Mann mit Staubsauger und saugt das Büro. In der Zwischenzeit spaziert der Angestellte mit der Zeitung in der Hand vor uns den Gang auf und ab. Als die Putzkolonne fertig ist, sperrt er sein Büro wieder ab und verschwindet.

Die Büros sind alle gleich trist; kahle vergilbte Wände nur ein kaputter, blinder Spiegel hängt an der Wand, Schreibtische voller Akten, die vorgezogenen Vorhänge hängen in Fetzen herunter.

Um 9.00 warten wir immer noch an die Wand gelehnt und beobachten die wenigen Leute die vorbeischlendern. Der Angestellte mit dem gesaugten Büro hat dieses mittlerweile 5 Mal verlassen, zugesperrt um nach ein paar Minuten wiederzukommen.

Bis jetzt hat außer den Putzleuten im ganzen Haus noch niemand gearbeitet. Und auch bei diesen ist es fraglich ob man wirklich von arbeiten sprechen kann. Ich klopfe an die Tür der jungen Angestellten von der wir mittlerweile annehmen dass sie die Chefin hier ist. Sie sitzt am Schreibtisch, tatenlos, der Fernseher läuft. Sie versichert mir, jetzt kommt bestimmt gleich jemand und lacht sich kaputt als ich noch mal nachfrage wie spät das sein wird.

9.15 wir warten noch immer.

9.25 ein schlanker Schwarzer taucht auf, sperrt den Raum neben uns auf, das Übliche: ça va? ein Eintrag ins große Buch, ein Stempel ins Carnet de Passage und nach 10 Minuten sind wir draußen.

 

Im Hafen teilt man uns mit, das es am Dienstag auf der Fähre nach Ziguinchor keinen Platz mehr gibt und bis Freitag, wenn die nächste Fähre startet, wollen wir nicht in Dakar herumsitzen.

Der Geldautomat spukt schon wieder kein Geld für uns aus. Wir gehen in die Bank. Der CPT-Schalter (was immer das heißen soll, dorthin hat man uns geschickt) ist nicht belegt. Man hat uns für diesen Schalter eine Nummer in die Hand gedrückt. Wir warten…. Sie kommt bestimmt gleich, antwortet man auf unser wiederholtes Nachfragen. Wir warten wieder. Schließlich verliere ich die Geduld, will den Chef sprechen. Es stellt sich heraus die Mitarbeiterin ist beim Arzt.

Afrika lehrt uns, uns in Geduld zu üben und wir üben fleißig…

Gegenüber der Bank in der Avenue George Pompidou entdecken wir die Pâtisserie La Galette. Wanderer kommst du nach Dakar, das ist ein Muss!

 



Heimos Verhaltenserkenntnis.

Nirgendwo, nicht einmal in Bella Italia ist der Tourist, aber auch der einfache mausgraue

Reisende so sehr eine potentielle Beute der „Vous-compra“ wie hier in Dakar.

Wahrscheinlich ist es so, dass sie es nicht nur sehen, sie spüren auch ihr Opfer und man entkommt ihnen nicht. Es sei denn man verfügt über himmelfahrende Assuncion-Fähigkeiten. Irdische haben keine Chance. Das Warenangebot ist so weit gefächert, dass Otto der Normale nicht auf alles und jedes des Angebotenen "No, merci" sagen kann; irgendetwas muss er brauchen und er nimmt es, um sich zu befreien und gleich danach dem Nächsten wieder zum Opfer zu fallen.

Mein Versuch aus dieser Bredouille: ich mache ein äußerst geschäftsmäßiges Gesicht. Voll in Gedanken möglicher Deals sehe ich durch all diese Händler quasi blicklos hindurch. Gebe mich wie ein koloniales Relikt, ein resistenter Resident, der all dieses Treiben zur Genüge kennt und somit immun ist.

Ginge ja alles durch wenn mich nicht mein Birkenstockähnliches Schuhwerk als völlig geschäftsunwürdig verraten würde. Ergebnis: 3 Sonnenbrillen, neue schwarze Schuhe für ein zukünftiges Geschäftsleben, Simkarten für alle zentralafrikanischen Länder und Batterien für das Gerätwerk, das ich morgen bei den nächsten Händlern zu kaufen haben werde. Nicht zu vergessen die Raketen für so viele Silvester die ich biologisch nicht mehr imstande bin zu erleben.



Wir überlegen wie es weitergehen soll. Wir wollen in den Süden Senegals, in die Casamance. Doch dazwischen liegt The Gambia, der kleinste Staat Afrikas, der außer im Westen vom Atlantik, ganz vom Senegal umschlossen ist. Obwohl eines der touristischsten Länder Afrikas fürchten sich alle Selbstfahrer mit ausländischer Kennnummer davor: chaotische Zustände und Schikanen an der Grenze, pausenlose Anmache durch Schlepper und Geldwechsler, stunden- oder sogar tagelange Wartezeiten an der Fähre über den Fluss Gambia und korrupte Polizisten. Daher wäre die Fähre nach Ziguinchor die eleganteste Lösung für uns gewesen. Die zweite Möglichkeit ist gerade über Banjul in den Süden zu fahren doch zu oben genannten Unannehmlichkeiten kommt bei dieser Variante noch hinzu, dass wir erneut nur ein 48-stündiges Passavant für Senegal bekommen. Die dritte Möglichkeit ist im Osten um Gambia herum zu fahren, was ein riesiger Umweg ist. Wir entscheiden uns für die vierte und letzte Möglichkeit, die wir eigentlich von vornherein ausgeschlossen hatten, weil zu gefährlich: die Transgambienne über Farafenni ist immer wieder Schauplatz der Auseinandersetzungen zwischen Regierung und den Diola wegen ihrer Unabhängigkeitsbestrebungen.

Wir haben Glück, es geht alles glatt. Wir versuchen so früh und so schnell wie möglich durch die gefährliche Strecke zu kommen. In The Gambia werden wir von Polizei, Zoll, Schleppern und Erdnussverkäufern mit: „How are you this afternoon“ empfangen. Heimo schmeichelt ihnen: „Great. After all this French, it’s fine to talk English again.“ Wir schmieren die Leute an der Fähre, (Heimos Kommentar: etwas zu viel Fett), dürfen die Kolonne wartender Autos überholen und sind als erste auf der Fähre. Wieder an Land hält uns eine Polizistin an. „Where are you going?“ „To Ziguinchor“. „I want to come with you!” Da wollen wir aber gar nicht hin, zumindest die nächsten Tage noch nicht und schon gar nicht mit einer dicken schwitzenden Polizistin im Rücken. Heimo stottert: „Sorry, but we haven’t got enough space.“ “I want to drink!“ Erleichtert reichen wir ihr eine Flasche Wasser. “No, no, thank you. I just wanted to know if you are a good man.”

Wieder im Senegal dann das Übliche: „ Bonjour, ça va?“ An den vielen Polizeisperren werden wir immer durchgewunken. Mit Schnellfeuerwaffen im Anschlag kontrollieren die Polizisten alle inländischen Autos. In dem mannshohen Elefantengras zu beiden Seiten der Straße ist es für Banden ein Leichtes sich zu verstecken und ideal für einen Hinterhalt.

  

Fast hätte ich’s vergessen: wir haben 10.000km seit Antritt unserer Reise zurückgelegt.

 



Kapok oder Fromager

In der Nord-Casamance treffen wir alte Bekannte wieder und uns wird warm um unser Afrikaherz: Termitenhügel, majestätische Kapokbäume die hier auf französisch Fromager heißen, strohgedeckte Hütten, Lehmziegel zum Trocknen in der Sonne ausgelegt, dunkelgrüne Mangobäume, kleine Cassavafelder.



Kafoutine. Am Strand vor dem Fischerdorf liegen hunderte von Pirogen und Berge von Reusen. Ständig kommen neue Boote herein. Ihr Fang wird in eine große Plastikkiste geleert. Da werden die Fische sortiert, gewogen und gleich in die wartenden Kühllaster verladen, auf den entsprechenden Vorrichtungen getrocknet, oder hinter Bergen von Holz geräuchert. Mitten in diesem Getümmel ist auf einmal die laute Stimme eines Marabut zu hören. Nicht dass er so stimmgewaltig gewesen wäre, er hat vielmehr ein riesiges Monstrum von Lautsprecher umgehängt gehabt mit dem er seine stakkatoartige Predigt verbreitete. Wie ein wirbelnder Derwisch hetzte er von einem Fischer zum anderen und sammelte Geld ein. Und alle gaben ihm breitwillig.

Für 4.-€ kaufen wir Schollen und einen großen Wolfsbarsch, das reicht für uns beide für zwei Mahlzeiten. Dabei haben wir nicht einmal direkt beim Fischer, sondern beim Händler gekauft. Fisch ist also immer noch billig. Wie viele Zwischenhändler verdienen daran, bis der Fisch bei uns so teuer ist. Dabei ist Afrika absolut kein Billigreiseland. Wer europäischen Standard sucht, zahlt mindestens europäische Preise, der Diesel kostet in Senegal wie in Italien und für Nationalparks oder Sehenswürdigkeiten gibt es für uns Ausländer gepfefferte Preise.



Am Abend in der Esperantolodge wo wir im großen Garten campieren dürfen, grillen wir die Schollen. Hier gefällt es uns. Gepflegt, direkt am Meer, abseits vom Hotelbetrieb und wenn wir Lust haben können wir alle „facilities“ nutzen. Hier wollen wir Silvester verbringen.



Artemisia

Wir suchen Jan, einen Deutschen der in Kafoutine mit einer Senegalesin verheiratet ist. Wir haben uns in Rabat bei der Mauretanischen Botschaft kennen gelernt. Er hat uns eingeladen und jetzt tauchen wir tatsächlich auf. Er führt uns zu Sarsarale e.V., einem deutsch-senegalesischen Projekt. Hier wird Artemisia angepflanzt. Die getrockneten Blätter sollen als Tee gegen Malaria wirken. 1 ½ l muss man am Tag davon trinken. Ein Rastatyp, davon gibt es hier in Kafoutine viele, schwarze wie weiße, führt uns durch die Anpflanzungen. Wir kaufen aber nur eine Packung Zitronengras. Gott sei Dank, denn als wir in die Lodge zurück kommen erzählt uns Eric, der französische Besitzer, ein Freund von ihm, ebenfalls Franzose liegt total weggetreten im Krankenhaus. Seine Frau sei bereits gestorben, nur die Tochter hatte sich geweigert diesen Tee zu trinken, da ihr der Geschmack unangenehm war. Artemisia wirkt neurotoxisch und ist in so großen Mengen getrunken tödlich.



Ein SMS mit folgendem Wortlaut durchkreuzt unsere Pläne.“… All white people are supposed to leave the country before 15 of January. A few days ago the french military gave gps points to white people, so they will know where the evacuation will be. Its sounds like they know that a riot/war is coming soon.”

Wir sprechen mit Jan darüber. „Jetzt geht das wieder los“. Er nimmt das sehr ernst. Im Februar gibt es Wahlen. Das letzte Mal, gab es allein in Kafoutine 7 Tote. Er hatte seinen Rucksack gepackt und wollte mit Frau und Kind in den Wald flüchten. Gott sei Dank sind die Rebellen nur bis zum Fußballfeld gekommen, einen ½ km von seinem Haus entfernt.

Wir wissen nicht was wir davon halten sollen, haben aber keine Lust ein Risiko einzugehen und ziehen es vor lieber gleich abzureisen. Wir haben geglaubt wir seien aus dem gefährlichen Gebiet heraußen, aber es gibt die Haute-, Moyenne- und Basse-Casamance. Mit unserem Auto sind wir schon von weitem als Toubab (Wolof-Wort für Weißer oder Fremder), und damit als leichte Beute für einen Überfall erkennbar. Und sei’s nur um uns auf die Schnelle ein paar 100.-$ abzuknöpfen. 

 

 

 



Für den Fall, dass jemand einen guten Schneider braucht: Habib Creation an der staubigen Hauptpiste links, mitten in Kafoutine neben dem großen Baobab, kann ich nur empfehlen. Er hat mir ein maßgeschneidertes Kleid angefertigt. Wirklich sauber genäht. Als ich ihn lobe, strahlt er über das ganze Gesicht. Heimo kommt in seiner bunten Batikhose wie ein Paradiesvogel daher.



Am nächsten Tag um 8.20 sitzen wir im Auto nach Ziguinchor und dann führt uns die N6 ziemlich nah an der Grenze zu Guinea-Bissau entlang bis nach Kolda. Für die 245km brauchen wir 9 Stunden und 40 Minuten. Die Straße ist eine Katastrophe, Potholes, dass mein Yaris darin verschwinden würde. Nicht nur einmal sagt Heimo: “Ich weiß nicht wie oder wo ich fahren soll.“ Und das war bestimmt nicht die letzte Bombenkrater-Straße durch Transafrika.

Auf einem Großteil der Strecke treffen wir keine anderen Autos, nur ein paar Mopeds oder Fahrräder und in jedem Dorf winken uns Kinder und Erwachsene zu. Es fällt schwer zu glauben, dass diese fröhlichen Leute böse Diola sein sollen. (Bericht unter Kurioses)



Frauen arbeiten auf dem Baumwollfeld

31.12.2011

Wieder sitzen wir fast den ganzen Tag im Auto. Man merkt schnell, wann man die Casamance verlässt, die Straße wird sofort besser. Das muss doch eine Provokation für die Diola sein. Äußerst unklug von der Regierung, anstatt sie mit Geld, Infrastrukturen und Investitionen mundtot zu machen.

Um zum Niokolo-Koba-Nationalpark zu kommen müssten wir in den Norden bis nach Tambacounda fahren um dann im spitzen Winkel wieder in den Süden. Wir nehmen eine Abkürzung über eine Piste. Diese stellt sich als sehr gut heraus. Es geht durch verschlafene kleine aber saubere Dörfer mit Rundhütten aus Lehm mit Palmblättern gedeckt. Die Dorfbewohner arbeiten auf den Baumwoll- Erdnuss und Maisfeldern oder treiben ihre weißen Rinder mit den langen Hörnern zum Fluss zum trinken.

In der Wassadou-Lodge am Steilufer über dem Gambia-Fluss dürfen wir, wenn wir hier Abendessen, campen, was wir gerne machen.

Wir stehen unter einer Königspalme, direkt am Fluss. Meerkatzen tummeln sich in den hohen Bäumen und werfen noch geschlossene Blüten auf uns herab. Hunderte von verschiedenen Vögeln zwitschern und flattern um uns herum. Paviane bellen. Wir sind keine birdwatcher erkennen nur Prachtfinken mit roten, türkisen, blauen Brustfedern und den viel größeren bunten Huppe, ein Wiedehopf der bei Gefahr seine Kopffedern aufstellt. Als wir am Fluss unseren Sundowner trinken bröselt dauernd ein wenig dunkle Erde die steile Böschung hinunter ins Wasser. Es ist ein ausgewachsener Waran, der zuerst mit seinem langen spitzen Schwanz aus seinem Bau herauskommt. Als er ganz heraußen ist, klettert er die Böschung hinauf und verschwindet auch schon im Gebüsch.



Mitternacht: wir stoßen miteinander an, prosten uns mit Rotwein aus Marokko zu. Kein Klirren, nur ein toter Plastiklaut. Prosit Neujahr!

Unser Neujahrskonzert kommt heuer aus dem iPod: Mozart Klarinettenkonzert in A, KV 622 (Jenseits von Afrika), dann Youssou N’Dour dem wichtigsten Vertreter Senegalesischer Musik und schließlich zur Einstimmung auf Mali: Ali Farka Touré, Oumou Sangaré und Salif Keita.

Von Kedougou fahren wir über eine Piste in südwestlicher Richtung nach Dindéfelo. Senegal ist ein sehr flaches Land, nur hier gibt es bis zu 300m hohe bewaldete Berge. Wir wandern den Berg hinauf. Fulbe die sich selber Peulh nennen, mit schweren Lasten auf dem Kopf, die jungen Männer mit Kofferradio unterm Arm, begleiten uns in billigen Sandalen oder gar barfuss. Da sind sicherlich einige Schmuggler dabei, die über die grüne Grenze nach Guinea wollen. Von Weitem hören wir ein gleichmäßiges schlagendes Geräusch. Hier wird Holz gefällt, glauben wir. Doch als wir näher kommen sehen wir Frauen die im Bach ihre Wäsche waschen. Mit voller Kraft hauen sie die eingeseiften Wäschestücke auf die Steine. Im Dickicht des Galeriewaldes ist es nicht mehr so heiß. An den hölzernen Lianen, die an Hängebrücken erinnern, hängt die Wäsche zum trocknen. Am Wasserfall treffen wir ein paar Touristen, meistens Franzosen die an verschiedenen franko-senegalesischen Projekten arbeiten und daher länger im Lande sind.



Ethiolo, ein Bassaridorf

Das Dorf Ethiolo ist für die Bassari, der ursprünglichsten Ethnie in Senegambia, religiöses Zentrum. Ahnenkult, Geisterglaube und Initiationsriten spielen eine große Rolle. Letzteres sind Feste anlässlich des Übertritts von einem sozialen Status zum anderen, vor allem vom Kind zum Erwachsenen. Dabei werden Knaben und Mädchen beschnitten. Vor den zugewanderten Fulbe und Mandinga haben sie sich in die abgelegenen Bergregionen zurückgezogen, da diese sich jahrhundertelang ihre Sklaven bei den Bassari holten und auch heute noch ihnen gegenüber eine herablassende Haltung einnehmen. Ihren animistischen Sitten und Bräuchen sind die Bassari weitgehend treu geblieben, auch wenn sie inzwischen die traditionellen Fruchtbarkeitspuppen, perlenbestickte Hüftgürtel sowie Penisfutterale an Touristen verkaufen. Sie leben von Viehzucht, Ackerbau, Hirse, Mais, Baumwolle und einige immer noch von Goldwäsche.

Wir stellen das Auto bei chez Balingo auf, der unbedingt in unserem Bericht erwähnt werden will. Er lacht gerne und ich schaue fasziniert auf seine Zähne. Noch nie habe ich bei jemandem so viele gelbe und rote Speisereste zwischen den Zähnen gesehen.



Bevor wir morgen nach Mali fahren wollen wir endlich wieder einmal Internetzugang und uns und unsere Wäsche gründlich waschen. Daher quartieren wir uns in Kedougou im besten Hotel ein. Swimmingpool, Restaurant mit Blick auf den Fluss Gambia, alles da, nur kein Internet. In der Rezeption beteuert man mir, das sei ein Fehler der Betreiberfirma, die versprochen habe den Schaden zu reparieren. Fragt sich nur wann!

Im Hotel wohnen ein paar harte asiatische Typen, wir mutmaßen Chinesen, die für eine australische Bohrfirma arbeiten und eine Gruppe Italiener. Letztere machen eine organisierte Motorradreise auf den Asphaltstraßen Senegals. Ihre BMW- und Ducati-Maschinen wurden nach Dakar gebracht. Ihre Reise geht schon bald zu Ende, einige zanken. Überflüssig zu sagen, dass es im Restaurant nicht gerade leise zugeht.



Senegal ist ein lässiges Land, sehr französisch geprägt, die Leute freundlich. Wir wären gerne länger geblieben, vor allem in der Casamance, aber Afrika ist immer voller Überraschungen, jeden Moment kann etwas passieren. In unserem Fall wäre vielleicht gar nichts passiert, aber darauf wollten wir es erst gar nicht ankommen lassen.



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