Südafrika 2013

 

Peter Weir wartet bereits auf uns als wir in Johannesburg International Airport durch den Zoll gehen. In seinem Jaguar bringt uns der Sir – beide, Auto und Mensch haben schon bessere Zeiten gesehen - zum Caravan und Camping im Westen von Johannesburg, wo seit gut 11 Monaten unser Auto steht. Große Spannung bei Heimo als er sich hinter das Lenkrad setzt und den Zündschlüssel umdreht. Sofort springt der Motor an und schnurrt vor sich hin. Heimo quittiert das mit stolzem Lächeln.

Die nächsten Tage genießen wir die Gastfreundschaft von Christa und Georg während das Auto bei Toyota generalüberholt wird und neue Reifen bekommt. Wir treffen uns mit Raymonde und Thomy, die wir vor 1 ½ Jahren in Windhoek kennengelernt haben und die gerade aus Uganda, Tansania, Sambia, und Zimbabwe zurück sind. Auf unserem Stammtisch in der Schwaben Butchery streiten wir uns ob zurzeit Mosambik oder die DR Kongo gefährlicher zu bereisen sei und Thomy sagt uns eine beschissene Reise voraus, da die Regenzeit beginnt und viele Pisten unpassierbar sein werden. Es war schön die beiden wieder zu sehen und wir versprechen, uns sometime somewhere, aber dann mit Sundowner zu treffen.

 

Reiseplanung

Eine Woche vor Abflug haben wir uns in München das Visum für Mosambik besorgt und 2 Tage später erhalten wir 2 Emails mit folgendem Inhalt:

„..Regarding the militar turmoil in Mozambique it is really bad. Not that war has restarted but because there is a climate of fear and insecurity in the Gorongosa region and Rapale, in Nampula. The attacks occur in the same region and they are conducted by some few members of Dlakama´s security forces. We cannot call it war yet but the insecurity feeling is there. Transport from south to north is conditioned and innocent people have lost their lives.”

„..Ich hab immer noch keinen Notfallkoffer gepackt. es kommt mir einfach alles grotesk vor, obwohl inzwischen doch die meisten meinen, die Lage sei einfach kritisch und gefährlich. Heute haben wir 2 Militätlaster in Chimoio gesehen, beladen mit Munition. Irgendwie kommen sie langsam näher und bewegen können wir uns auch nicht mehr so recht - also keine Ausflüge in nächster Zeit.“

Unsere Julia meinte noch in München: “Chimoio (sprich wie im Italienischen: cimoio), das klingt gar nicht gut“, heißt das doch im Dialekt so viel wie: dort stirb ich.

Auf einem Parkplatz in Johannesburg spricht uns ein fremder Weißer an. Er ist mit einer Mosambikanerin (Portugiesin) verheiratet und kennt das Land gut. Er erzählt es hat Tote und Verletzte gegeben und er rät uns strikt von einer Reise dorthin ab.

Also ist Mosambik erst einmal gestrichen. Und wir haben uns so auf das Treiben im Markt von Inhambane gefreut, hätten im Café Riviera am Hauptplatz von Beira warme Pasteis de Nata gegessen, ein Wochenende in der Lodge in Savane verbracht, geschützt durch die weißsandigen Dünen zwischen Fluß und dem Indischen Ozean und wären durch die einmalige Insel Mosambik geschlendert!

 

Lesotho

Alles begann im November 2003. Ich war zum ersten Mal in Südafrika. Da packte mich das Afrika-Fieber. Damals waren wir mit Manfred und Nini zuerst in Mosselbay, von dort flogen wir nach Durban zu Inge und Gerald. Alle zusammen verbrachten wir einige Tage in HluHluwe/Umfolozi GR. Genau zehn Jahre später treffen wir uns mit Inge und Gerald wieder. Diesmal im Sani Pass Hotel, mitten in den Drakensbergen. Gemeinsam fahren wir die Schotterstraße zuerst ein Tal entlang, dann Haarnadelkurven hinauf bis auf 2874 m direkt hinter die Grenze zu Lesotho, zur angeblich höchsten Kneipe Afrikas. Es gibt Vieles zu erzählen. Gerald ist dabei seine Professur an der Uni, sein Architekturbüro und sein Honorarkonsulat aufzulösen. Durban ist Inge's und Gerald‘s Heimat. Aber in Zukunft werden sie mehr Zeit in Österreich, in den Bergen verbringen, vielleicht sogar im Pinzgau.

 

Montag ist wieder ein Arbeitstag und Seitters müssen wieder zurück nach Durban. Wir fahren weiter über den Kotisepholapass. 3250m zeigt unser GPS an. Chinesen bauen die Piste autobahngleich aus. Sogar am Sonntag fahren die Chinesen ihre schweren Maschinen, während die Schwarzen in Gummistiefeln und in dicken Wolldecken verhüllt, die Mützen tief über das Gesicht gezogen mit Schaufel, Bohrer und Pickel hantieren. Als wir an ihnen vorbeifahren, führen sie Zeige- und Mittelfinger zum Mund. Sie wollen Zigaretten.

Die nächsten Tage werden wir noch öfters über 3.000m hohe Pässe fahren. „Hier sieht es aus wie in Pakistan“, sagt Heimo. Die meisten Schafhirten sehen sogar in ihren grauen Wolldecken und –Mützen toll aus. Ihre Füße umwickeln sie mit Stofffetzen bevor sie in die schwarzen Gummistiefel steigen. Ihre aus Stein gebauten Unterstände, meist nicht größer als Hundehütten, sind in dem steilen steinigen Gelände oft nur schwer zu sehen. 

Auf 2.500m bestehen die Dörfer aus einfachen runden strohgedeckten Steinhütten, die innen mit Lehm ausgekleidet sind. Die Landschaft ist karg, es gibt im ganzen Land so gut wie keine Bäume und durch die sommerlichen Regenfälle wird der Mutterboden abgetragen, sodass sich breite Rinnen, dongas bilden. Aber neben jeder Hütte steht ein gesundes Pfirsichbäumchen voll noch grüner golfballgroßer Pfirsiche und ein rundes mit Steinen umrandetes Hochbeet fürs Gemüse; Keyhole (Schlüsselloch) genannt. Denn in der Mitte ist der Kompost, der wird gegossen und von dort verteilen sich Dünger und Wasser gleichmäßig über das Beet. 

Die kleinen terrassenartig angelegten Felder werden mit Ochsen gepflügt. Viel zu spät setzte heuer die Regenzeit ein und die Bauern befürchten, dass ihre Feldfrüchte in der Trockenzeit nicht mehr ausreifen. Es werden hauptsächlich Mais, Sorghum, Bohnen und Weizen angebaut. Papa, wie unsere Polenta, ist das Grundnahrungsmittel der Basotho, dem größten Bevölkerungsstamm Lesothos, und wird zu Nama (Fleisch) oder Moroho (Spinat- oder Kohlgemüse) gegessen.

Wo die Chinesen waren sind die Pisten und Straßen breit und gut, sonst windet sich die steinige Piste durch wilde Canyons, über Berge, Almen und Pässe. Aus 90km Luftlinie werden 600km zurückgelegte Strecke. Auf 2.000m Höhe leben die Menschen schon „zivilisierter“. Die Hütten sind rechteckig und mit Wellblechdach. In einigem Abstand glitzern silbrig die neuen Wellblech-WCs mit hohen weißen Entlüftungsrohren in der Sonne. Die Felder sind hier größer und nicht mehr so steil. 

Die meisten Menschen Lesothos leben von Subsistenzlandwirtschaft. Der Chief verteilt das Land; eine größere Familie bekommt mehr Land zugeteilt. In jedem Dorf bleiben wir stehen und verlangen dipapata, das gedämpfte Brot, das angeblich so lecker schmecken soll. Aber alle lachen. Essen sie doch selber nur noch das Toastbrot vom Supermarket der Chinesen. A propos Chinesen: unsere Kinder werden ihren Kindern erzählen, dass wir Afrika einst bereist haben, als der Kontinent noch mehrheitlich von Schwarzen besiedelt war. Vielleicht brauchen die Erste-Welt-Länder dann keine Entwicklungshilfe mehr zu leisten oder die Afrikaner rufen uns erst recht wieder zu Hilfe gegen die chinesische Invasion.

 

Von weitem schienen sie mir wie kleine Kapellen oder Bildstöcke mit großem weißem Kreuz. Allesamt in unmittelbarer Nähe der einzelnen runden Hütten. Ein voller missionarischer Erfolg; ist wohl ziemlich Katholisch, ganz Lesotho, dachte ich mir. Doch beim Näherkommen entpuppten sich die großen Kreuze als waagrechte Wellblechdachprofile und senkrechte weiße Entlüftungsrohre. Und als Ganzes nicht Orte der stillen Andacht, sondern die, krachender Bedürfnisse. Voll Wunder und Überraschungen ganz Afrika. Sogar das kleine Lesotho.

Wieder einmal bin ich entsetzt wie Afrikaner mit ihren Tieren umgehen. Und ich bin keine Tierschützerin! Die Hirten heben tennisballgroße Steine auf und werfen sie mitten in die dichtgedrängte Schafherde, oder peitschen wie wild auf Esel oder Pferde ein. Ein andermal sehen wir ein Schwein das um den Hals eine tiefe blutige Einkerbung hat, es war wohl zu lange und zu fest an ein Seil gebunden.

Häufigste Todesursache in Lesotho ist Blitzschlag. Das behauptet C.W., ein Ami, der in der US-Botschaft in Maseru, der Hauptstadt Lesothos, arbeitet. Das stimmt natürlich nicht, denn nirgendwo auf der Welt gibt es so viele HIV-Infizierte wie in Lesotho. Ein spanischer Arzt erzählt uns, jeder Vierte hat Aids. Mit C.W., seiner Frau, der 4-monatigen Labradorhündin Mosi  (Freundlichkeit) und zwei Finninnen gehen wir von der Semonkong Lodge zum Maletsunyane Wasserfall. Mit 187m ist er doppelt so hoch wie die Viktoriafälle. Zu lange haben wir Wasserfall und am Himmel kreisende Adler beobachtet. Plötzlich blitzt und donnert es von allen Seiten. Es schüttet, dann hagelt es. Die Alpenvereinshocke ist uns zu ungemütlich, daher stellen wir uns unter eine Reihe Lebensbäume und zittern vor Kälte und Nässe. Zurück zur Lodge ist es noch ein weiter Weg. Die kleinen Rinnsale vom Hinweg sind jetzt braune Bäche und wir haben Mühe sie zu überqueren.

Vor 15.000 Jahren haben San (Buschmänner) Szenen aus gemahlenen Steinen, Wurzeln bzw. Knollen, vermischt mit Speichel oder Eiweiß auf Felsen gemalt. Das Eland galt ihnen als heiliges Tier. Gejagt wurde es nur in Ausnahmefällen. Durch den Verzehr des Fleisches gingen der Geist und die Kraft des Tieres auf dem Menschen über. Diese Kraft ging aber verloren, sobald er einen Fluss überquerte oder urinierte.

Eine Klasse einer Eliteschule aus Bloemfontein (Südafrika) ist in der Malealea Lodge, sozusagen auf Abiturreise. Es sind Mädchen, begleitet von jungen engagierten Lehrern. Wir werden eingeladen das Theaterstück zu besuchen, das einige von ihnen aufführen. Sie sprechen Afrikaans und wir verstehen kein Wort, sehen aber ihre komischen Grimassen. Anschließend werden wir gefragt ob wir von unserer Reise durch Afrika erzählen wollen. Heimo schildert die Fahrt durch West-Afrika. Es ist mucksmäuschen still und alle hören aufmerksam zu. Ich stelle mir vor wie sich sein Vortrag bei europäischen Jugendlichen abgespielt hätte. Bestimmt nicht so diszipliniert.

Von Maseru bis Thaba Tseka sind es ca. 160km. Frisch asphaltiert führt die Straße über 5 Pässe, von denen jeder einzelne sich durchaus mit dem Stilfserjoch messen kann. Dunkle Wolken brauen sich über Thaba Tseka zusammen. Daher schlafen wir bei den Sisters of Charity. „Are you a couple? “ „Yes, we are married for already 35 years. “ Die schwarze Schwester lächelt zufrieden und gibt uns das beste Zimmer in ihrem B&B. Im Frühstücksraum, der wie für eine Hochzeit gedeckt und mit Rüschen, Bändern, Spitzen und künstlichen Blumen überladen ist, treffen wir am nächsten Morgen Ärzte aus verschiedenen Ländern Europas. Sie sind hier, in the middle of nowhere für 3 Jahre stationiert. Ein harter Job.

obwohl arm strahlen Afrikaner oft mehr Lebensfreude aus als wir Westler

 

 

Khotse, Pula, Nala – Friede, Regen, Gedeihen. Das sind die Worte beim dreifachen Händedruck der Basotho.

Wir haben aber auch noch domela, auf südtirolerisch griésdi und domelong, griésenk gelernt.

 

The kingdom in the sky: Schafe, Hirten, Pfirsichbäumchen und Agaven, grüne 3.000m hohe Berge, Passstraßen, keine Zäune - positiv, keine Bäume – negativ, dramatische Bodenerosion und schließlich das Wahrzeichen Lesothos, der Mokorotlo, der traditionelle kegelartige Hut aus Stroh, zu sehen auf der Fahne und auf den Autonummernschilder.  Salahanke!

 

Kwazulu-Natal

Wenn mich wirklich jemand liebt, dann sind es Insekten. Kaum sind wir von Lesotho und 3.000m Höhe auf 0 in Mtunzini am Indischen Ozean, schon werde ich durch lange Hosen, T-Shirt und Pulli gestochen. Da hilft auch kein Autan oder Nobite.


Nelson Mandela, oder Madiba wie er mit traditionellem Xhosa-Name heißt, ist tot. Die Nachricht erfahren wir auf der Strecke von Sodwana nach Kosi Bay. Das Radio sendet Interviews mit wichtigen Menschen, wie dem anglikanischen Erzbischof Desmond Tutu, die den „gütigen aber stets entschlossenen Mann“ - so beschreiben ihn die meisten – kannten. Dazu immer wieder Lieder von Miriam Makeba. Auch die weißen Südafrikaner schätzten die graue Eminenz der ANC (African National Congress). Mandela hat sich stets für Freiheit und gegen Korruption und trotz jahrelanger Gefangenschaft für den Ausgleich zwischen Schwarz und Weiß eingesetzt. Aber bald schon wird das wirtschaftliche, politische und private (er hatte 30 Kinder, Enkel und Urenkel) Ausschlachten der Marke Mandela losgehen. Weinflaschen, Küchenschürzen und Reality TV mit seinem Konterfei gibt es schon.

Wollhalsstorch (Woolly-necked Stork)

Apartheit herrscht in SA nach wie vor, aber sie hat sich gewandelt. In Politik und Verwaltung werden die wichtigen Stellen nunmehr mit Schwarzen besetzt. Die Campingplätze aber sind eine Domäne der Weißen. Keine putzigen 2-Mannzelte, sondern riesige Wohnlandschaften und Kühltruhen für kühles Bier und Braiifleisch oder Boerewors (würzige Bratwurst) und manchmal sogar mit schwarzen Bediensteten. An den Lagunen bei Kosi Bay dürfen Angelausrüstung und Motorboot nicht fehlen. Wir wollen nach Kosi Mouth, wo die 4, durch schmale Schilfkanäle verbundenen Seen ins Meer münden. Aber die enge Piste führt durch dichten Urwald und herabhängende Äste versperren uns kurz vor dem Ziel den Weg.

 

08.12.13 Mosambik

Besuch am frühen Morgen

Warum wir schließlich doch eingereist sind? Wir mussten aus der Zollunion (Namibia, Botswana, Südafrika mit Lesotho und Swasiland) raus, das heißt nicht wir, sondern unser Auto. 4 Tage später wäre unser Carnet de Passage abgelaufen. Also sind wir ganz im Norden von Kwazulu-Natal eingereist und nach 2 Tagen nach Swasiland ausgereist. Theoretisch könnten wir jetzt wieder für 1 Jahr in Südafrika bleiben.

Wir sind ganz im Süden, in Ponta do Ouro, der Goldspitze, auf einem Campingplatz direkt am Meer. Sobald es hell wird starten die ersten großen Schlauchboote mit Sauerstoffflaschen, Bleigürtel, Taucherbrillen und vorwiegend jungen Südafrikanern um im klarsten und saubersten Meerwasser Ostafrikas dem Abenteuer Haifischtauchen und Delfinschwimmen zu frönen. Wir begnügen uns damit am kilometerlangen Sandstrand zu spazieren. Der Ort ist nur mit Geländewagen über Sanddünen, die mit niedrigem Buschwerk bewachsen sind, erreichbar. Etliche tiefsandige Spuren führen die Steigungen der Sanddünen hinauf, die „Wilde“ mit getunten 4X4 und Quads hinterlassen haben. Heimos Internationaler Führerschein ist abgelaufen, daher überlässt er mir das Fahren, oder wie er es nennt das „Gouvernement“. Prompt bleibe ich im tiefen Sand stecken. Zu langsam? Falscher Gang? Keine Ahnung. Aber im zweiten Anlauf und unter Heimos Regie schaffe ich es schließlich.


Nicht einmal 10km sind wir von Südafrika entfernt, und schon ist alles anders. Es ist wie wenn man in Europa vom hohen Norden in ein mediterranes Land reist; Urlaubstimmung kommt auf. Easy going, Musik, gutgelaunte Straßenhändler – „please, support me“, ist die neueste Masche.  Die Frauen tragen Capulana, bunte um die Hüften gebundene und bis zu den Knöcheln reichende Tücher. Und schließlich die Fischrestaurants mit portugiesischer Küche. Im “Floristinha do Indico“, dem Blümchen des Indischen Ozeans essen wir knusprige Samosas, lulas assadas (gegrillte Tintenfische), ameijoa (Vongole), bacalhao cocido e peixe fresco. Dazu gibt es Piri Piri, die scharfe Soße. Erinnerungen an Donna Reginas (Reschina) matapa, dem Nationalgericht aus Cassavablättern, Kokosmilch und Shrimps kommen auf. Sie war die Köchin von Regina und Klaus in Beira. Stundenlang saß sie in der Küche auf einer Art Schemel mit einer speziellen Vorrichtung um die Kokosnuss auszuhöhlen und gleichzeitig zu raspeln um dann mehrmals zu wässern und auszupressen. Mozambique, tu és de sonho! Fairerweise muss ich erwähnen, dass leider auch die Toiletten „mediterran“ sind: Die Duschen kalt, große Kakerlaken huschen davon.

die Straßen Mosambiks sind immer noch wie früher

 

Hier im Süden des Landes merkt man nichts von den jüngsten Auseinandersetzungen zwischen den beiden Parteien Frelimo und Renamo. Der Konflikt war in den nördlichen Provinzen und im Beira Korridor wieder ausgebrochen, nachdem reiche Bodenschätze und im vorgelagerten Meer riesige Erdgasfelder (übrigens von den Italienern) entdeckt wurden.

 

Swaziland

Männchen des Paradiesschnäpper

Mswati III, der „Löwe von Swasiland“, ist seit April 1986 der absolutistische Herrscher über 1,2 Millionen Swasis. Er hat ein geschätztes Privatvermögen von 100 Millionen Dollar. Sein Volk aber lebt in Armut, die HIV-Rate gehört zu den höchsten der Welt. Die Lebenserwartung liegt bei durchschnittlich 35 Jahren (andere Quellen sprechen gar von nur 32). In der Schule sind über die Hälfte  der Schüler Waise. Und täglich werden es mehr. Fast 200.000 Kinder in Swasiland wachsen ohne Eltern auf, viele davon leben auf der Straße. Die Lösung wäre die Einehe. Aber Swasis sind der Meinung: „Wenn der König viele Frauen hat, dann kann das nicht falsch sein“. Erst kürzlich hat er seine 15.Ehefrau geheiratet. Von Kondomen halten die Swasis nicht viel, nach dem Motto: „Du musst das Bonbon auspacken, bevor du es isst.“

Afrika – Synonym für glühende Sonne. Sie brennt den Menschen so lange auf die Haut bis sie schwarz wird. Brennt einem so lange auf dem Kopf bis auch der letzte Tropfen Hirn verdunstet ist. Möchte man meinen. Nicht so wo wir sind. Am 20.November, dem Tag unserer Ankunft, war sie für mich das letzte Mal heiß und schmerzhaft spürbar. Danach ward sie nur mehr durch Tagwerden und Tagvergehen zu erkennen. Ansonsten Regen, Regen, Regen, zwischendurch Nebel, je nach Höhe. Dabei führe ich keinerlei rituelle Tänze auf, ich mach rein gar nichts, meine Anwesenheit, mein feuchtes Charisma genügt offenbar um auch hierzulande zum berühmt-berüchtigten Regenmacher zu werden. Es schifft und schifft. Ich sitze auf der Terrasse der Lidwala Rock Lodge und rücke immer weiter weg von den zunehmend nassen Randbereichen. Und blicke verdrießlich in eine Wand von Starkregen zu der sich die Wasserattraktion des Pools geradezu lächerlich ausnimmt. Wie weit muss ich noch fahren, wann darf ich auf Besserung hoffen? Wie der fliegende Holländer an das Kap der Guten Hoffnung bin ich, scheint’s an Regen gebunden.

 

Ich wär nicht ich, würde ich meinem Mann nicht widersprechen. Diesmal mit einer Aufnahme um 5.30 a.m. direkt vor unserem Camp.

 

Das ist das Afrika das wir lieben: Frühstück an einem sonnigen Morgen voller Vogelstimmen.

Nahezu jede Farm oder Lodge  im südlichen Afrika hält sich mindestens 2 Jack Russel. Warum dem so ist, wissen wir nicht. Vielleicht sind sie gut im Schlangenjagen? Mit ihrer Größe einer tropischen Ratte und dem immerzu erhobenen Schwanz, sodass sie Körperteile entblößen, die man  gar nicht sehen möchte, gefallen sie uns nicht sonderlich. Wir gehen einen Hiking Trail hinauf zu  Sheba’s Breast, Zwei Jack Russel begleiten uns. Der Weg führt zuerst durch tropischen Urwald,  glitschig und nass über unzählige Bächlein und dichtem Gestrüpp hindurch. Bei der ersten Holzleiter mit weit auseinanderstehenden Sprossen dachten wir, nun kehren sie sicherlich zur Lodge zurück. Doch sie meistern die Leitern anstandslos, oder  laufen den glatten fast senkrechten Fels mühelos hinauf. Langsam imponieren uns diese Kurzbeiner. Als wir den Urwald hinter uns lassen, es heiß und drückend  wird, keuche ich an Aloen vorbei den Berg hoch – und ich wollte mal auf den Kilimandjaro! - während unsere Begleiter fröhlich Eidechsen jagen.

 

Viel Negatives hatten wir über das kleine Königreich gelesen, doch nichts von alldem haben wir zu sehen bekommen. Das Straßennetz gut ausgebaut, die Menschen gut gekleidet, Straßenkinder sahen wir keine, auch nicht in der Hauptstadt, Mbandane. Überhaupt schien uns das Land sehr sauber und im Vergleich zu Lesotho, viel reicher.

 

Zimbabwe

Bulawayo

„You have chosen a busy day“,  sagt die Beamtin gleich hinter der Limpopo-Brücke. Es ist ein Nationalfeiertag in Südafrika, ein verlängertes Wochenende, außerdem ist bald Weihnachten und Weihnachten sind im südlichen Afrika gleichzeitig große Sommerferien. Der staubige Parkplatz ist gerammelt voll mit Bussen, Laster, uralten, vollbeladenen Pick-ups und PKWs. Die Grenze Mussina/Beitbridge, als wichtigster Grenzübergang zwischen Südafrika und Zimbabwe ist eigentlich immer „busy“. Junge Burschen mit rotunterlaufenen Augen bieten ihre Dienste als Spanner an. In diesem Chaos lassen wir das Auto nicht alleine. Ich bleibe im Auto, halte trotz Hitze sogar die Fenster geschlossen, während Heimo mit Pässen, Carnet und ausgefüllten Formularen loszieht. In Messina hat unser Thermometer 50° Celsius angezeigt. Das weiß ich nicht einmal von West-Afrika. An mir vorbei ziehen Ströme von Menschen. Sie schleppen sich in der Hitze nur mühselig weiter. Die Verwirrung ging schon auf südafrikanischer Seite los. Wir fragten 2 Mal nach, ob wir auch wirklich gegen die Pfeilrichtung fahren sollten, die groß und mit weißer Farbe auf den Asphalt gepinselt war. Die Menschenschlange steht vor einer offenen Tür mit dem roten Schild darüber „no entry“. Neben mir parkt ein weißer neuer Toyota. Drin sitzt ein junges hübsches Mädchen. Sie kommt aus Harare, hat 4 Jahre in Südafrika studiert und fährt jetzt zum ersten Mal wieder nach Hause. Sie ist ganz aufgeregt, Weihnachten zum ersten Mal wieder bei ihrer Familie. Ihr Vater kommt sie an der Grenze abholen. Die Woche vor Weihnachten will sie mit ihrem südafrikanischen Freund in die Vumba-Berge, er hat Entomologie studiert und sucht dort nach einer bestimmten Schmetterlingsart. Da kommt ihr Freund zurück, er hat alle Grenz-Formalitäten erledigt. Emma Richardson gibt mir noch ihre Telefonnummer, falls wir nach Harare kommen und schon sind sie fort. Ich frage mich was wohl ihr Vater beruflich macht. In der Politik? Das ist ausgeschlossen, da sind nur Schwarze. In der Wirtschaft? Die ist zusammengebrochen, mit wem kann er da noch Geschäfte machen. Überhaupt gibt es nur noch wenige Weiße in Zimbabwe.

Vor einem Jahr haben wir in Tod’s Guesthouse unsere letzte Nacht verbracht, bevor wir nach Südafrika ausgereist sind. Diesmal verbringen wir unsere erste Nacht hier und es ist als wären wir erst gestern da gewesen. Nichts, aber rein gar nichts hat sich in der Zwischenzeit verändert: das Emaille der Waschbecken ist abgebröckelt, darunter alles braun vom Rost, der Deckel der Klospülung fehlt, die nicht richtig abschließende Tür, der Steinhaufen neben der Hütte… Nichts wird investiert. Wir verstehen das sogar. Die weißen Besitzer wollen keine Begehrlichkeiten wecken, sonst ereilt sie das Schicksal so vieler anderer, die von ihren Farmen verjagt wurden.

Gleich nach Louis Trichardt einem kleinen Städtchen im Norden von Südafrika, an der Grenze zu Zimbabwe sieht man sie eine Passstrecke hinaufkeuchen im Schritttempo. Pickups, heillos überladen mit Hausrat, Autoreifen, Schubkarren, Möbel, Menschen; hinten tief in den Federn als wollten sie jeden Moment in die Lüfte abheben, gefolgt von einem meist einachsigen Anhänger mit überweiter zusammengebastelter Achse, ebenso überladen, das Ganze eingebunden wie ein Fesselballon. Unwillkürlich fragt man sich wie weit sie wohl kommen mögen. Und die Antwort kommt schnell, einige Kilometer weiter. Zuerst nur ab und an, dann aber in immer kürzerer Reihenfolge: Achsbruch, der schwarze schmierige Achsstummel wie ein Finger der Anklage herausragend, fehlende Räder, zerfetzte Reifen, offene Motorhauben aus denen es herausraucht wie bei einem Braii, das Ladegut rundum verstreut, ebenso die Passagiere wie zu einem zwanglosen Picknick, würde man nicht das Grand Malheur sehen.

Dann wiederum sind kleine schwarze Kerben im Asphalt zu sehen, keine 2 cm breit. In einem langen schön geschwungenen Bogen verlaufen sie auf der Straße, gleichmäßig fast elegant, dann Schrittwechsel, eine Fußbreite Sidestep und weiter zieht der Bogen diesmal aber in die andere Richtung zum Straßenrand und da ist schon das Desaster. Der Anhänger umgekippt mit weit verstreutem Inhalt. Zuerst hat sich der Pneu atomisiert um dann einen Höllenritt auf der Stahlfelge zu inszenieren.

Die Jammerbilder kommen immer öfter, sodass man irgendwann ein riesiges Schlachtfeld von hängengebliebenen Desperados erwartet. Anfänglich möchte man noch helfend stehen bleiben, wären nicht die Schilder „high crime area, do not stop.“ Nach der Grenze, also schon in Zim bildet der noch mobile Rest eine bunte Reihe flatternder, wallender, fahrender Basare, Schreckgespenster bundesdeutscher Verkehrspolizei, Alpträume deutscher Fahrzeugbauer. Farbenfroh, fast amüsant, wüsste man nicht um die armen Teufel, die sich als Gastarbeiter in Südafrika verdingen, ihr Erspartes für Weihnachten investierten und nun so stranden. Dieses tragisch-komische Schauspiel dürfen wir Mugabe verdanken.

Zimbabwe, einst in Augenhöhe mit Südafrika ist zum Bittsteller, zum Armenhaus verkommen.

Das Sinamatela Camp im Hwange NP hat eine wunderbare Aussicht auf die weite, darunterliegende Ebene. Hier auf der Terrasse des einst florierenden Restaurants saßen die Gäste an Steintischen und haben die Tierwelt darunter beobachtet, während sie das gute Essen genossen. Jetzt ist nichts mehr so wie es einmal war. Am Boden verstreut liegen die Halme des kaputten Strohdaches. Es ist jammerschade. Solche Situationen stimmen uns immer wieder traurig.


 

eine schlechte Aufnahme der seltenen Wildhunde

An der Rezeption hat man uns Holz fürs Braii versprochen. Aber nichts geschieht. Nach einiger Zeit ziehe ich los und suche einen „attendant“. Ich finde 4 plaudernde und lachende  Schwarze und bringe mein Anliegen vor. Sie bringen das Holz, sagen sie. Wieder passiert nichts. Schließlich holt Heimo das Brennholz für das Duschwasser. Am nächsten Morgen erscheint die Schwarze, die mir das Holz versprochen hat. Sie behauptet es zu einem anderen Campingplatz gebracht zu haben. Dabei waren wir mit einem belgischen jungen Pärchen die einzigen Gäste im Camp. Ich koche vor Wut und hätte große Lust zu erklären warum wir Europäer alle „soo reich“ sind, wie sie immer behaupten und damit den 4-fachen Preis rechtfertigen der von  Einheimischen verlangt wird. Warum ich so verärgert bin? Weil ich überzeugt bin, dass Schwarze uns in vielerlei Hinsicht überlegen sind. Oft genug habe ich festgestellt, wie schnell sie Situationen durchschauen, welch ausgezeichnetes Gedächtnis sie haben, die meisten sprechen gleich mehrere Sprachen oder Dialekte, von der Motorik ganz zu schweigen. Aber dieses Desinteresse…

Männchen und Weibchen von...muß ich erst noch identifizieren

Am dritten Tag im Park fahren wir durch das frische Grün dichten Mopanegestrüpps. Die Wolken hängen tief und es nieselt. Keine Wildtiere zeigen sich. Nur Rot- und Gelbschnabeltokos fliegen von Baum zu Baum und die taubenblauen Kapturteltauben, die im Flug die weißen Schwanzaußenfedern fächerartig spreizen, während Perlhühner vor uns ins Dickicht laufen. Später erfahren wir, dass angeblich Wilderer das Wasser mit Zyankali vergiftet haben und viele Wildtiere getötet wurden.

21.000US $ für einen Elefanten, 35.000 für einen Löwen. Das sind die Jagdpreise. Dafür erhält man ein 21-Tage-Package mit Abschussgarantie. Elefanten gehen deshalb so günstig her, weil es davon zu viele gibt. Am liebsten werden aber Büffel geschossen. Und die Kunden? An erster Stelle Russen, dann Spanier (Hals- und Beinbruch dem König), und Franzosen. Amerikaner weniger, zumindest hier in Zim.

 

 

Eine auf vernünftige Weise betriebene Jagd trägt angeblich zur Erhaltung der Wildreservate bei, da die Geldmittel hereinkämen, mit denen man Wildhüter anstellen und Programme gegen Wilderei finanzieren könne.

 

Sambia                                      If you run alone, you run fast,

                                                                If you run together, you run far.   (Samb.Sprichwort)

Fünf Wochen sind wir jetzt unterwegs und Afrika hat schon längst alle Fremdartigkeit verloren. Europa und  Weihnachten sind weit weg. Einzig unsere Kinder fehlen uns. Zum alltäglichen Bild geworden sind die hohen, sauber zusammengebundenen Holzkohlesäcke oder die zu Pyramiden aufgetürmten Tomaten und Mangos die am Straßenrand zum Verkauf angeboten werden, die rote Erde, überladene Fahrräder, die hier in Sambia hauptsächlich zum Transport von Lasten dienen und die, Esel oder Ochsenkarren anderer Länder ersetzen, und die schwarze Hautfarbe. Aufmerksam werden wir, wenn wir einen Weißen sehen.

Die aufsteigende Gischt der Viktoria Fälle

Wir lieben Sambia. Hier finden wir, was es in Zimbabwe nicht mehr gibt: Farmen, wo wir campen, essen oder frisches Fleisch, Molkereiprodukte oder Biogemüse einkaufen können. Solch knackige Salate sind um diese Jahreszeit auch am Bozner Obstmarkt schwer zu finden. In einer Farm lernten wir ein junges Pärchen kennen. Sie, Holländerin, in verschiedenen krisengebeutelten Ländern wie Tschad, Äthiopien, Kongo für die UN-Flüchtlingsorganisation, er, Koreaner in Amerika aufgewachsen, ebenfalls für die UNO tätig. Sie gönnen sich ein Jahr Auszeit da er in Städten arbeitet, während die Flüchtlingslager weit abseits liegen. Vor 10 Monaten sind sie mit ihrem Kleinlaster in Korea gestartet, haben viele Länder bereist, andere umschifft. Ihr Ziel ist Kapstadt.

Ich wollt' ich wär eine Schwalbe. Ich könnte ausgezeichnet fliegen und, was mich fast genauso neidisch macht, ich würde über Nacht, einfach so, mindestens 1/10 meines Körpergewichts verlieren. Bei der Schwalbe sind es 2 g, bei mir wären es 6 kg. In der Fringilla Lodge treffen wir drei Holländer, Hobby-Ornithologen. Abends ziehen sie mit hohen Gummistiefeln los, um in den umliegenden Sümpfen mit Netzen Schwalben zu fangen. Die meist zwischen 16-20g leichten Tiere bekommen einen Ring mit einer Nummer, werden vermessen, ihre Federn gezählt, der Flaum an der Brust auseinandergeblasen um festzustellen ob sie Fett haben und schließlich gewogen. Dies geschieht indem sie kopfüber in eine Plastikröhre, ähnlich einer Klopapierrolle gesteckt werden. Nach dem Wiegen wird die Rolle hochgehoben und flugs fliegen sie in die Freiheit.

Auch dieser Falke ging ihnen ins Netz. Sie konnten ihn aber nicht identifizieren und ließen ihn wieder fliegen..

Es gibt kein eindeutiges Merkmal zwischen Männlein oder Weiblein, es sind mehrere Kennzeichen, die zusammen das Geschlecht bestimmen lassen, wie z.B. die Größe des weißen Flecks auf  einer Schwanzfeder.

Erst vor ein paar Jahren hat man an den „Buren-Swallows“, (europäische Bauernschwalben?)  kleine Sensoren angebracht um ihren 8.000km langen Flug in den Süden nachzuvollziehen. Es gibt drei Routen durch die Sahara, links oder rechts vorbei, oder mittendurch. Die letzte und kürzeste Route hat einen Nachteil, oft bläst ein so starker Gegenwind, dass sie zurück, bis ans Mittelmeer fliegen müssen, einige Tage ausruhen um dann die Sahara östlich oder westlich zu überwinden.

der Christberg in der Mutinondo Lodge

25.12. 2013 Mutinondo Wilderness Lodge. Auch das letzte Mal vor 5 Jahren waren die Eigentümer verreist. Damals zeigte uns Quentin den Campingplatz, ein lieber Kerl, Freund der Familie und Künstler, der die meiste Zeit hier lebt. Aber ein richtiger Künstler, hat er sich doch am Rückweg zur nahen Lodge verlaufen. Die, die ihn kennen lachen über unsere Geschichte, denn sie ist so typisch für ihn. Diesmal ist Julian hier, eine Holländerin mit ihrer Freundin Heike. Beide sind sie vor Jahren als Volontärinnen nach Sambia gekommen und geblieben. Die einzigen Gäste außer uns ist ein Südafrikanisches Pärchen. Das Festtagsmahl mit frischen Pilzen, allerlei Gemüse, saftigem Schinken Truthahn und Christmas-Pudding nehmen wir zu sechst an einem großen Tisch ein. Es stellt sich heraus, dass wir vor Jahren in Heikes Haus, ja sogar in ihrem Bett in Lusaka geschlafen haben. Damals wohnte dort die Chefin von Livingstone 4 X 4 bei der wir einen Landrover Defender gemietet hatten. Nachdem das Getriebe gleich am ersten Tag kaputt war und wir mitten in der Nacht nach Lusaka zurückgeschleppt wurden, hat sie uns, bis das Auto repariert war, bei sich einquartiert.

In der Nacht hören wir Schüsse. Julian erzählt uns am nächsten Morgen: im ganzen Land wurde gewildert. „The poachers know everybody is busy with x-mas“. (siehe unter Kurioses)

an der Südspitze des Tanganyika Sees

Kontinentale Sezession

Nicht genug, dass Afrika von Krisen, Kriegen und Korruption ständig gebeutelt wird, der geplagte Kontinent ist auch von Sezession bedroht. Es brodelt nicht nur oberflächlich. Keine kriegerische, viel dramatischer und einschneidender im wahrsten Sinn des Wortes, eine irreversible Trennung droht. Und wir waren am Ort des Geschehens: am Tanganyikasee See. Wir standen zwar vor einigen Jahren auch schon einmal an der Kontinentaldrift, am Nyassasee, doch damals habe ich noch nichts gemerkt. Diesmal aber habe ich am Tanganyikasee bewusst eine große Grätsche gemacht und mir war als spürte ich, dass meine Beine leicht auseinander gezogen würden.  Zweifler werden nun sagen, nicht jede schlecht ausgeübte Yogaübung macht den großen Rift und die große Drift. Ich aber sage euch: Glaube versetzt Berge und Kontinente.

Geschäftiges Treiben im Hafen von Mpulungu im Süden des Tanganyika Sees. Wie jeden Freitag hat die MV Liemba angelegt. Große längliche Säcke werden mit dem Kran gelöscht, während Menschen ins Schiff strömen. Es riecht nach Schweiß, getrocknetem Fisch, leicht säuerlich von den Ananas und Mangos, die seit dem frühen Morgen in der prallen Sonne auf  Käufer warten und nach Auspuffgasen.

Nicht wegen ihrer Schönheit findet das Schiff  Erwähnung, sondern wegen ihres Alters und ihrer Geschichte.  Vor dem 1. Weltkrieg wurde sie in Papenburg erbaut, in Einzelteilen nach Afrika gebracht und kam als Graf von Götzen zum Einsatz. 3 Mal ist sie gesunken, wieder gehoben und umgebaut worden.

Jetzt steuert sie als ältestes Passagierschiff Afrikas Häfen im Kongo, Burundi, Tansania und Sambia an.

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