NAMIBIA 2

September 2012



Auf Pad gehen. Das ist ein umgangssprachlicher Ausdruck unter den deutschsprachigen Namibiern und heißt so viel wie unterwegs sein mit einem Geländewagen oder bakkie (Pickup) um in den Busch zu fahren und in der freien Natur zu campen. Wer Namibia richtig kennen lernen will, „es innerlich zu erfassen sucht, der gehe auf Pad. Nirgends lernt er die Seele des Landes so kennen wie weit draußen in seiner Natur, seiner Einsamkeit und Weite.“ Und genau das wollen wir die nächsten Wochen erfahren.



Zu bizarren Formen aufgetürmt liegen die Steine wie riesige Bauklötze

Die Hopefarm, irgendwo in Afrika, wird von einem älteren Ehepaar geführt. Es ist Sonntagmorgen. Ein alter Toyota Pickup wird aus der Garage gefahren. Wir mutmaßen sie fahren in die nächste Stadt zur Kirche. Weit gefehlt. Der Farmer muss seinem Nachbarn 40km entfernt helfen. Ein Erdferkel hat wieder einmal ein großes Loch gegraben und dabei die Wasserleitung beschädigt. Jetzt sprudelt Wasser heraus. Später muss er seine Schafe gegen Würmer impfen. Was wird wohl aus der Farm wenn die zwei alten Leute einmal nicht mehr sind? 

„Berühren Sie doch!“ Vorsichtig lege ich den Zeigefinger auf die Stelle im Stein die wie ein vertrockneter weißer Wurm aussieht. „Jetzt haben Sie ein Tier berührt das vor 280-320 Millionen Jahren gelebt hat.“ Es ist das versteinerte Rückenmark eines Mesosauriers. Das waren bis zu 35cm lange Reptilien die in flachen Gewässern, aber auch an Land lebten. Die Versteinerungen sind hervorragend erhalten und wurden vom Farmer zufällig entdeckt als er eine Straße auf seiner Farm bauen wollte. Mit uns ist ein Paläontologe aus Uruguay. Er ist so hingerissen, dass er nur fotografiert und kaum spricht. Da auch in Amerika und Australien Mesosaurier gefunden wurden, dient er Wissenschaftlern als Beweis für den Superkontinent Gondwana, als Afrika, Madagaskar, Indien, Australien und Amerika noch vereint waren.



 

 

Ai-Ais, eine Thermalquelle. In der Sprache der Ureinwohner heißt das „kochend heiß“.

Cold beer, warm pool, what more could we want. Wir steigen auf den Hausberg. Oben eine riesige Inschrift in Afrikaans aus weißen Steinen „AAN GOD DIE EER“ . Etwas unterhalb des Gipfels die Ruinen der Unterkünfte der Signalisten der deutschen Schutztruppe. Im Krieg gegen die Nama 1903-1907 wurden mit Hilfe der Sonne und Heliografen (spezielle Spiegel) Lichtsignale und somit Botschaften von Erhebung zu Erhebung gesendet.



Von den Aussichtspunkten genießen wir die eindrucksvollen Landschaftsformationen

 

Schroffe abweisende Felsenwelt: das Fish River Canyon. Nach dem Grand Canyon in den USA das 2.größte Canyon der Welt. 160km lang, bis zu 27km breit und 550m tief. In zahlreichen Schleifen mäandert die Schlucht durch die Landschaft.



Der Burz. Die Endung -el steht für etwas Kleines, in diesem Fall eindeutig kein Bürzel.

Eingebettet in die spektakuläre Kulisse der Tirasberge liegt der Campsite der Koiimasis Ranch. Etwas entfernt parkt bereits ein Auto. Zwei Südafrikaner kommen auf zu uns und berichten, dass wir im Kgalagadi Transfrontier Park in der Löwennacht auf ihrem Campsite gestanden sind. Und dann erzählen sie von ihrer Horrornacht. Wie sie von den Löwen geweckt wurden, die ausgerechnet mit dem Zelt spielen wollten in dem sie unter dem Holzdach, das vorne und hinten offen war, schliefen. Die Löwen zerrten am Zelt das mit Seilen an den Holzpfeilern befestigt war. Ein Löwe kroch gar unter das Zelt und hob es hoch, obwohl der Mann bestimmt über 120kg wiegt. Ein anderer stand auf den Hinterbeinen während seine Pranken sich am Zelt festhielten. Dabei traf er die Frau am Rücken. Vergeblich versuchte der Mann die Bestien durch Lärm zu verscheuchen, indem er mit einem Eisengegenstand auf die Gasflasche schlug. Daraufhin brüllte ein Löwe, dass das Zelt vibrierte. Schließlich gelang es der Frau mit einem Elektroschocker die Tiere zu vertreiben. Zurück ließen sie ein total zerfetztes Zelt und zwei zu Tode erschreckte Besucher.



 

Am 01.09. war Frühlingsanfang. Die Nächte werden wärmer. Es beginnt die Zeit der Schlangen und Skorpione. Nach dem langen Winter haben sie Hunger und kommen aus ihren Löchern gekrochen.

In Swakopmund dauert der Winter aber noch etwas länger an. Direkt am Atlantik gelegen und dem Benguela Strom, der eisigen Meeresströmung aus der Antarktis ausgesetzt, bläst ein kalter Wind. Auch tagsüber laufen wir in warmen Wollpullis herum.

Da man einen Hafen für die Schutztruppen aus Deutschland benötigte, entschied man sich 1892 für ein Gebiet nördlich der Mündung Swakop und baute eine Landungsbrücke. Später wurde die Eisenbahn gebaut und Ochsenkarren fuhren über die Pisten ins Landesinnere. Auffällig auch heute noch die breiten Straßen. Doch Ochsengespanne mussten hier wenden können, und da das Gebiet auch damals schon sehr sandig war, wurden bis zu 20 Ochsen vorgespannt, um die schweren Wagen im tiefen Sand vorwärts ziehen zu können.

Später wurde es Ferienziel und blieb es bis heute. Swakopmund hat etwa 35.000 Einwohner, viele Hotels, Restaurants, Kaffees und Souvenirläden.

Wir treffen Anita (siehe unter Ghana) im Village Café. Unglaublich! Sie hat es also geschafft mit ihrem alten Landrover von London bis hierher zu kommen. Mittlerweile hat er neue Ersatzteile und ist wieder startklar. Sie will nach SA, dort ihren Bruder besuchen und ihr Studium aufnehmen.



Welwitschia Mirabilis

Zurück nach Windhoek fahren wir diesmal über eine Piste und nicht über den Transkalahari Highway. Die Namibwüste zieht sich 1600km die Westküste entlang. Im Namib Naukluft Park gibt es zuerst nur Sand und Steine zu sehen. Hier ist die Landschaft so trostlos wie auf dem Mond und heißt daher auch Moon Valley. Wir beträufeln einige schwarze oder grünlich-graue Flechten mit ein paar Tropfen Wasser und beobachten wie sie sich sofort entfalten. Später treffen wir auf die Welwitschia Mirabilis. Der österreichische Arzt und Botaniker Friedrich Welwitsch hat 1852 diese seltsame Pflanze das erste Mal beschrieben. Bestimmt nicht wegen ihrer Schönheit, sondern weil sie gar so eigentümlich aussieht trägt sie den Namen Mirabilis. Die uralte eher niedrige Pflanze besitzt zwei breite Blätter die stetig wachsen, aber durch Wind und Tiere zerrissen sind, sodass es aussieht als wären es mehrere Blätter.



Hererofrau

Lazy Sunday in Windhoek.

Der Himmel über der Stadt ist blau. Bei 9 Stunden Sonnenschein pro Tag im Jahresdurchschnitt ist das nicht verwunderlich. Junge Südafrikaner, Iren, Spanier, Deutsche, Kolumbianer, Japaner, Amerikaner, Schweizer liegen um den kleinen Pool der Chameleon Backpackers Lodge. Sie sind in Kindle, Notebooks oder, primitiv wie wir, in Taschenbücher vertieft. Später schieben wir die Liegestühle in den Schatten. Es ist zu heiß. Jacaranda- und Flamboyantbäume beginnen gerade zu blühen und so mancher Strauch verbreitet einen betörenden Geruch.

Erst gegen Abend verlassen wir die Lodge und spazieren ins NICE: Namibian Institut of Culinary Education. Laut unserem Buch „die Hochburg für exklusives Essen in exklusivem Ambiente mit exklusiver Bedienung“. Unser Kommentar: gut aber nicht exklusiv.





„Traue keinem Schwarzen“

Bei der Lektüre dieser diskriminierenden Aussage wird im fernen Europa so mancher Rezipient protestieren. Aber diesen Rat haben wir von Weißen, die in Afrika leben, schon öfter zu hören bekommen. Und hinter jedem Pauschalurteil steckt ein Körnchen Wahrheit.

Heimo wollte golfen. Also fuhren wir zum Golf und Country Club in Windhoek. Erstmals um uns über die Bedingungen zu erkundigen und vor allem das Leihschlägerset zu inspizieren. Aus Erfahrung wissen wir, Damenschläger gibt es meist überhaupt nicht auszuleihen und die Herrenschläger sind aus Uraltschlägern verschiedener Sets zusammengeschustert. Ich spiele damit grottenschlecht, wie eine Anfängerin, daher reizt mich dieser Sport in fernen Ländern ohne eigene Ausrüstung überhaupt nicht. Wir tragen also die Schläger aus dem Sekretariat, ich lege meine Tasche auf die nahe Bank und mache ein paar Probeschwünge. Naja. Dem Heimo zu liebe vereinbaren wir eine Abschlagszeit für morgen früh, wenn es noch nicht gar so heiß ist. Dann gehen wir wieder zum Auto. Da kommt schon ein Schwarzer angelaufen, und überreicht mir mit einem freundlichen, offenen Lachen meine Tasche. Super! Ich bin ganz hingerissen. Kurz überlege ich, ihm Trinkgeld oder Finderlohn zu geben, doch da ist er schon wieder verschwunden. Außerdem haben wir es eilig. Wir bekommen Solarpanelen aufs Auto eingebaut und sind schon spät dran. Und es kommt wie es kommen musste. Als ich das nächste Mal meine Geldbörse öffne ist sie gähnend leer. 2.000 Namibian Dollar, das sind 200.- € sind futsch. Wir fahren mit dem Taxi zurück. Diesmal werden wir von den Caddies nicht mehr bedrängt wie das erste Mal. Sie wissen ja Bescheid. Der Dieb ist natürlich längst über alle Berge. Wird überhaupt erst wieder in ein, zwei, oder gar drei Monaten zur Arbeit erscheinen. Schließlich hat er ja nun Geld und braucht vorerst nicht mehr zu arbeiten. Ich koche vor Wut. Alle Schwarzen klauen und lügen! Heimo versucht mich zu trösten gibt mir aber gleichzeitig zu verstehen, dass schließlich ich einen Fehler gemacht habe. Da hat er natürlich Recht. Und ich muss mich gleich noch mehr ärgern.



Endlich verlassen wir Windhoek Richtung Norden. In Okahandja kaufen wir uns Biltong in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Durch Otjiwarongo und Outjo fahren wir nur durch. Wir wollen die faden B- und C-Straßen mit den ewigen Zäunen verlassen, schließlich haben wir 4X4. Der Otjitheka 4WD-Trail führt durch ein wunderschönes aber reifenstrapazierendes Tal. Direkt beim Fluss, durch den wir immer wieder fahren müssen, wachsen Makalani-Palmen. Die runden golfballgroßen Samen dienen als Rohmaterial für Schnitzereien, der Stamm wird angezapft und aus der austretenden Flüssigkeit Palmwein gewonnen. Dahinter ist die Landschaft zwar abwechslungsreich aber total arid: nur Steine und Sand. Wir wundern uns dass die Rinder und Schafe der Himba so wohlgenährt aussehen. Denn hier wächst kein einziger Grashalm. Sie fressen die wenigen Blätter niedriger Mopanebäume und Sträucher. Klein Serengeti ist flacher und grasbedeckt. Wir erleben es in der Abendsonne. Dann fahren wir durch das tiefsandige Flussbett des trockenen Khowarib. Das ist total lustig. Normalerweise sitzt man in einem Kajak und rudert um die steilabfallenden Ufer sehen zu können. Unter hohen Anabäumen suchen wir ein Buschcamp für die Nacht. Heimo will aus Prinzip nicht im Flussbett schlafen. Wenn in der Regenzeit die Riviere abkommen – so heißt das in Namibia - dann schiebt sich eine lehmbraune Wasserwalze nach vorne und reißt alles mit, Bäume und Steine. Riesige glattgeschliffene Baumstämme liegen waagrecht zum Teil im Sand begraben. Die Regenzeit hat noch nicht begonnen, daher ist auch kein plötzlich daher schießendes Wasser zu befürchten.

 



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November 2012



 

An der Grenzstation Angola-Namibia steht eine junge, große Frau neben mir am Polizeischalter. Sie hält einen Namibia-Reisepass in der Hand. Ihre Gesichtszüge sind gleichmäßig, die Haut hat eine wunderschöne milchkaffeebraune Farbe. Sie ist eine Himba. Ich schau fasziniert auf ihre flachherabhängenden Brüste, den Lendenschutz aus Fell und Leder, den sie als einziges Kleidungsstück um die Hüften trägt. Ihr glänzender Körper ist glatt, mit an Armen und Beinen dekorativen Messingringen. Die langen Zöpfe sind mit einer dicken Paste aus Butter und Rotholzpulver eingerieben. Es ist schon komisch die Grenzformalitäten neben einer fast nackten Frau zu erledigen. Aber für den jungen Beamten hinter dem Schalter ist es „business as usual“, nicht einmal ihr nackter Busen scheint ihm außergewöhnlich.



 

 

 



1.November. Frühstück um 7.00 morgens. Die Hitze ist schon da. Wir folgen der rötlichen Naturstraße. Ein Friedhof; schmucklose kleine Hügel reihen sich aneinander, keine Kapelle, keine Begrenzungsmauer, kein schmiedeeisernes Tor, keine Kerzen.



Simanya Rapid Lodge am Kubango (Kawango)

Von der Landstraße D3405 entlang der Angolanischen Grenze nach Osten zum Caprivi Strip biegen wir einen Feldweg nach Norden ab. Der Weg endet am Fluss, dem Okawango. Wunderschön ist es hier. Das andere Flussufer ist Angola. Wir schlagen uns weiter nach Osten durch, aber die Vegetation wird immer dichter. Der Two Spoor mündet in einen Fußweg, der von beiden Seiten von Buschwerk zugewachsen ist. Heimo schwitzt, er sägt Äste ab, während ich das Auto, jeden freigewordenen Meter im Schneckentempo über Steine und Sträucher lenke. Die Kupplung stinkt. Endlich sind wir wieder an dem Feldweg parallel zum Fluss und kommen zur Lodge. Wir campen direkt am Fluss unter hohen Bäumen. Krokodile mögen keine Stromschnellen und für Hyppos ist das Wasser momentan zu seicht. Wir können also baden, uns von der Strömung treiben lassen. Weiter flussaufwärts haben die Schwarzen im Wasser mit Steinen Becken gebaut, die an der Oberseite offen sind. Nachts sollen die Fische hier hineinschwimmen. Am Morgen schließen sie auch diese Seite mit Steinen und fischen dann mit Pfeil und Bogen.

In der mondhellen Nacht heben sich die Baumkronen deutlich vom Himmel ab.



S18°02‘215“   O20°50‘516“ Okacuito Camp bei Makema

Eine Anlage mit wunderschönem Park am Okawango gelegen. Hier können wir nicht mehr schwimmen, zu viele Krokodile. Weiter flussabwärts, vor der Sandbank sind ca. 70 Hippos. Abends wenn sie an uns vorbei ziehen um in der Nacht weiter westlich zu grasen, hören wir ihr tiefes Grunzen. Das Wasser riecht dann modrig. Früh morgens, wenn wir noch schlafen kehren sie wieder zurück. Mit dem Motorboot fahren wir fischen. Wieder nichts für den Kochtopf, aber zumindest hatte ich einen „bite“, aber dann ist mir der Fisch leider wieder abgehauen. „You know, it’s difficult to land it“, werde ich diesmal getröstet.



am Van Zyl's Pass

Wildnis pur.

Wir holen Julia und Konstantin vom Flughafen ab und fahren mit 2 4X4 mit ausreichend Wasser, Lebensmittel und Diesel in den NW Namibias, ins kaum besiedelte Kaokoland; am Kunene Fluss entlang, durch unzählige Furte zu den Epupa Wasserfällen, über steinige Pads über den Van Zyl’s Pass, durch das mit gelbem Gras bewachsene Tal des Marienflusses, über die spiegelglatte Ebene der Otjiha Plains, durch pittoreske Schluchten im Khumib Riverbed, über 4-wheeldrive-trail vorbei am Mt. Himba Sphinx und den Jan Joubert Koppie nach Puros, durch das Puros Canyon und Hoanib riverbed vorbei am Elephant song village (deserted due to lions), über Kambonde und Okongoro Plain nach Anabeb, Warmquelle, Khowarib und Palmwag. Die Zivilisation hat uns wieder. Wir sehen kleine Wüstenelefanten, Zebras, Giraffen, Warzenschweine, verschiedene Antilopen, Strauße und natürlich Affen.



 

 



 

 

 



 

Heimos Geburtstag feiern wir im Etosha
National Park
. So viele unterschiedliche Wildtiere gleichzeitig bei einem
Wasserloch haben wir nirgendwo sonst gesehen. Es ist wie in einem großen Zoo.
Die Tiere sind so an die Menschen gewohnt, dass die Löwen direkt neben der
Straße liegen, wo die Autos vorbeibrausen „und
gelangweilt die Betrachter betrachten
.“ (Heimo)

 



Die zahlreichen Abstürze auf den wilden Pisten der letzten Tage hat die Linzertorte gut überstanden, nicht aber die unerträgliche Hitze. Voller Begeisterung beißen wir in den ausgezeichneten Kuchen. Hans aus Tirol hat mir aufgetragen sie in Plastiktüten zu wickeln damit sie saftig bleibt. Aber als Konstantin eine erbsengroße Stelle mit feinen bläulichen Fäden entdeckt, und wir ein Schild mit „don’t feed the animals“ gelesen hatten, wandert die Torte in den Mistkübel. Armer Heimo: zum 70igsten eine schimmlige Torte.

Nicht mal 10 Tage für dieses umfangreiche Programm waren viel zu wenig – ich hatte nicht mal Zeit mein Tagebuch zu schreiben - trotzdem haben wir es mit unseren Kindern sehr genossen.



 

Unser Plan steht fest: wir wollen nach Zimbabwe und dann nach Johannesburg. Dort wollen wir kurz vor Weihnachten das Auto einstellen und nach Hause fliegen.

Schweren Herzens verlassen wir Windhoek, wo wir uns schon fast wie zu Hause fühlen. 300.000 Einwohner, aber durch die ethnischen Unterschiede ist es eine kleine Stadt, durchaus vergleichbar mit Bozen. Jeder kennt jeden und mittlerweile treffen auch wir immer wieder Bekannte, haben unsere Cafés, Geschäfte und Handwerker.

Als wir die Stadt verlassen hängen die Wolken tief, der Himmel ist von einem faden, finsteren Grau. Wieder einmal düsen wir auf der Asphaltstraße Richtung Norden, bis nach Grootfontein. Dann biegen wir rechts ab, in die kerzengerade Schotterstraße bis nach Tsumbwe, dem Hauptort der Buschmänner.



Aug in Aug mit dem Pachyderm

Der Khaudum-National Park ist etwas für Hartgesottene…. nur im Konvoi, also mindestens mit zwei Autos…. Vierradantrieb, Untersetzungsgetriebe, Differenzialsperren, sämtliche Register werden gezogen, trotzdem wankt der vollbeladene Wagen müde und langsam durchs hohe Gras von Wasserstelle zu Wasserstelle und dem Lager Khaudum entgegen.“, so steht’s in unserem Buch. Hohes Gras fanden wir keines vor, aber die 2 Spuren durch Buschsavanne mit teilweise hohen Bäumen waren extrem tiefsandig. Schließlich liegt der Park im nördlichen Teil der Kalahari. Und hartgesotten sind wir beileibe nicht, wir haben aber das richtige Auto.

Im Park-Prospekt stehen Schauergeschichten über wilde Tiere, „stories of true encounters with wildlife,…this park offers an experience of a different kind; danger, known to Khaudum staff as a ‚vein-opener‘.“ Mir reicht’s! Damit Elefanten, Hyänen, Löwen und Wildhunde nichts riechen, verpacke ich alle Lebensmittel, die nicht im Kühlschrank Platz haben, sorgfältig und schlafe im Auto. (Elefantengeschichte unter Kurioses)



 

Westlich des Kawanga Rivers, südlich der B8 gibt es ein Gebiet, Horseshoe genannt, da sich der Fluss hier u-förmig windet. Weder in unseren Büchern noch auf den Karten ist es erwähnt noch verzeichnet, aber Wolfgang in Angola schwärmte davon. Endlos winden sich die Wege durch eine tierreiche wilde Landschaft. Wir wissen nicht, sind wir noch in Namibia oder in Botswana. Elefanten haben wüst gehaust: überall liegen abgebrochene Äste und entwurzelte Bäume. Auf den Bäumen halten wir Ausschau nach Leoparden, sehen aber leider keines dieser gar so scheuen Tiere.



Matara Mission

Mit Fra Andrew, einem polnischen Priester führen wir unter einer Laube von Passionsfrüchten vor seinem Haus interessante Gespräche über Gott und die Welt. Er ist sehr zynisch, aber vielleicht wird man das, wenn man so lange Zeit wie er in der Abgeschiedenheit lebt. Auf die Frage ob er katholisch oder protestantisch sei, meint er: “The Protestants never go to the very poor people.” Er führt ein Waisenhaus. 2/3 der hiesigen Bevölkerung sei HIV infiziert. Als ich ihn frage was die katholische Kirche dem entgegensetze, antwortet er: “Don’t fuck around”. Er zeigt uns seine Kühe, Obst- und Gemüsegärten und als ich feststelle er sei nicht nur Priester sondern auch Farmer sagt er: “I hate farming!” Als er uns mitteilt er beabsichtige den wunderschönen alten Flamboyantbaum zu fällen, da er, weil er keine essbaren Früchte trage, nutzlos sei, und mit den abwerfenden Blüten, Früchten und Blättern nur Arbeit bereite, schlägt ihm Heimo sarkastisch vor: “Dig it out and give it to the neighbour you don’t like.“



Namibia ist schön, ein wunderbares Reiseland. Leider auch für Pauschaltouristen. Aber die beschränken sich zum Glück auf Etoschapfanne, den Dünen bei Sossousvlei, dem Fishriver Caňon, Swakopmund und Windhoek. Abseits dieser ausgetretenen Pfade kann man noch unberührte Natur erleben..

 

 

Mi wi a - danke!



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