Über 20 verschiedene Akazienarten gibt es in Namibia

März 2012 

 

NAMIBIA

 

Der Name Namibia leitet sich von der Wüste Namib ab und Namib heißt ursprünglich „Leere“. Der Staat „Leere“ ist zwei Mal so groß wie die Bundesrepublik und Belgien zusammen und hat 2,1 Millionen Einwohner, d.h. auf 1qkm leben 2,2 Menschen,

Landessprache: Englisch, 13 Ethnien, 16 Sprachen und Dialekte,

Unabhängig seit dem 21.März 1990,

Präsident: Hifikepunye Pohamba, Mehrparteiensystem, Demokratische Verfassung, Trennung zwischen Exekutive, Legislative und Judikative, Pressefreiheit, Religionsfreiheit (90% Christen)

Wirtschaft: Diamanten-, Uran-, Kupfer-, Zink-, Magnesium-, Cadmium-, Arsen-, Silber- und Goldminen, Fischfang, Tourismus und Agrarwirtschaft.

Der Namibia Dollar ist an den Südafrikanischen Rand gebunden. Zurzeit sind 10 N$ ca. 1€



Diese offiziellen Angaben zur politischen Struktur des Landes lesen sich durchaus positiv. Werden aber von einer weißen Farmerin relativiert: „Ha, von wegen Demokratie! Die Macht liegt einzig und allein bei den Ovambo. Die haben alle wichtigen Regierungsposten besetzt.“

 

Bei den letzten Wahlen wurde der schwarzen Bevölkerung eine großangelegte Land-Umverteilung versprochen. Noch ist fast das gesamte Farmland im Besitz der Weißen. Blutige Gewalt wie in Zimbabwe wird zwar vermieden, doch zwingt man die Farmer dem Staat ein sogenanntes Verkaufsangebot zu unterbreiten, oder man versucht ihnen durch horrende Steuern die Luft abzuschneiden.



Heimo im Gespräch mit 2 Herrero-Frauen

17.03.2012

 

Windhoek 240.00 Einwohner. Wir erleben den schönsten Sonnenaufgang seit langem. Die Luft ist frisch, kristallklar. Kräftige Farben, kobaltblauer Himmel. „Wie im Pinzgau“ (Dreimal dürft ihr raten wer solche Vergleiche zieht.) Wir staunen über die Sauberkeit und die perfekten Straßen. 

Gleichzeitig bedauern wir, dass wir es nicht geschafft haben mit dem Auto bis hierher zu kommen. Nigeria, Kamerun, Gabun, die 2 Kongos und Angola haben wir ausgelassen. Vielleicht schaffen wir die nächstes Jahr.

Das Chameleon Backpackers im Stadtzentrum hat Zelte, Schlafsäle, und Zimmer in verschiedenen Preisklassen. Wir bekommen das Honeymoon Zimmer. Nach 35 Ehejahren setzt uns das etwas unter Druck. Wir mieten ein Auto, denn wir haben wenig Lust die nächsten 15 Tage hier herumzusitzen, bis  unser Landcruiser mit dem Schiff ankommt. Wir haben nicht den Eindruck in Afrika zu sein, zu groß ist der Unterschied zu Westafrika. Nur die hohen Mauern und Elektrozäune, die Wachhunde, die vielen Sicherheitsvorkehrungen und die Tatsache dass nachts kein Mensch mehr auf der Straße zu sehen ist, zeugen davon dass wir doch nicht in Europa sind. Heimo ist ganz begeistert, dass neben der Independence und Mugabe Avenue die Goethe, Uhland, Nachtigall und Bismarck Straße sind. Einen halben Tag verbringen wir in einem Ausrüster für 4 X 4. Heimo und Chrille in der Abteilung für Autozubehör, Mia und ich bei den Campingsachen.

 

Aber es gibt noch ein anderes Windhoek, Katutura. In der Sprache der Herero bedeutet das: „Hier wollen wir nicht bleiben“. Ein, von der südafrikanischen Regierung erbautes Ghetto aus "match-box houses" winzigen Fertighäusern. Hier lebt ungefähr die Hälfte der Einwohner Windhoeks.






21.03. Feiertag: Tag der Unabhängigkeit. We were woken at „first chicken“ wie die Buschmänner sagen. Wir wollen weiter nach Südafrika; fahren fast den ganzen Tag. Zuerst noch vorbei an grünen Bergen, dann, hinter Drahtzäunen entlang der schnurgeraden Straße Dornbuschsavanne, selten auch Ackerland und Viehweiden. Schließlich Sand- und Trockenwüste. Nur wenige Ortschaften. Die Sonne steht südlich des Äquators mittags im Norden.

In Grünau in unserem Hotel wohnen ein paar trinkfreudige Buren. Farmer, Weinbauern mit Guesthouse. Auch sie sind auf der Durchreise. Sie sehen alle gleich aus: kräftig gebaut, mit Hemd und kurzen, meist blauen Hosen, Schmerbäuchen, dicken Wadln und Händen wie riesige Pranken. 

 

Am nächsten Tag fahren wir nach Südafrika. 

 

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der Fishriver kurz bevor er in den Orangeriver fließt

Zurück in NAMIBIA

 

Bei Noordoewer reisen wir 11 Tage später wieder in Namibia ein. Diesmal folgen wir dem Orange River, der die Grenze zwischen Südafrika und Namibia markiert, Richtung Nordwesten. 160 km Pad, so nennt man in Namibia die Schotterstraßen, durch das Canyon. Zwei Mal verschwindet die Straße unter Wasser. Am Tag zuvor muss es stark geregnet haben. Aber mittlerweile sind wir schon geübt und schaffen es mit etwas Schwung und viel Spritzen nach allen Seiten auch mit dem kleinen PKW. Im Lonely Planet steht sicherlich: Scenic drive. Von Rosh Pinah bis Aus sind es weitere 165 km gut ausgebaute Asphaltstraße. Westlich von uns vom Orangeriver bis Lüderitz das Sperrgebiet: zwei Breitengrade lang, einen Längengrad breit. De Beers verhindert, dass jemand den Diamantenfeldern zu nahe kommt. Neuerdings wird hier Zink abgebaut, das in Lüderitz verschifft wird.



Namibia ist irgendwo am Ende der Welt und Lüderitz, die erste deutsche Gründung in Süd-West, “is the very very end.“ Seit 5 Jahren soll die Eisenbahn dorthin fertig gestellt sein. Aber die Baustelle ruht, die Gleise rosten vor sich hin. Ein Weißer Namibier seufzt: „Die Regierung bekommt so viel Geld aus Europa, speziell aus Deutschland. Aber die haben hier andere Prioritäten. Im Norden des Landes sind schon 5 Züge entgleist. Die Trasse musste renoviert werden, also hat man die Gleise von hier geholt.“


 

1488 landete Bartolomeu Diaz in dieser Bucht. Ihr Name Angra Pequeña, kleine Bucht. Wie üblich wurde ein Steinkreuz errichtet. 400 Jahre später erwarb der Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz vom Nama-Häuptling das Land bis zum Orangeriver und baute die Handelsposition systematisch aus. Heute ist die idyllische kleine Stadt für ihre Austern und Langusten berühmt. Viele Häuser um 1900 erbaut sind liebevoll renoviert und tragen deutsche Aufschriften; da ist der Tanz- und Ballsaal, die Kegelbahn, der Bahnhof, der Turn- und der Lesesaal, die Bau- und Möbeltischlerei usw. Andere alte Gebäude gehören der Regierung und die verkommen leider. Wir wohnen im Hansahaus, hoch über der Stadt mit Blick auf die bunten Häuser, gleich mehrere Kirchen, die Bucht und die Schiffe auf denen im Meer nach Diamanten gesucht wird. Das blaue Haus aus dem Jahr 1905 ist ganz leicht zu finden: von der Bismarckstreet, der Hauptstraße, biegt man rechts ab in die Schinz-, von dort über die Ringstraße geht es ca.50m steil den Klippenweg hinauf und schon ist man da.

 

Die erste Person mit der wir uns unterhalten ist ein Russe aus St.Petersburg. Seit sechs Jahren arbeitet er hier als Hafenlotse. Er lebt gerne hier, was wir ihm glauben. Hat er doch einen Traumjob. In den 4 Tagen unseres Aufenthaltes in Lüderitz kam kein Schiff herein und keines verließ den Hafen. Seit Tagen wartet im Hafen ein Schiff aus der Türkei mit Ziel Antwerpen um endlich mit Zink beladen zu werden, das aus welchen Gründen auch immer nicht eintrifft.



 

 

 

Geisterstadt Kolmanskop, einst Hauptstadt der Diamantenindustrie, erlaubt einen Einblick wie es zur Boomzeit hier aussah. Einige Häuser, wie die Konzerthalle, Turn- und Festsaal und Kegelbahn wurden restauriert, die meisten Häuser sind aber genauso wie sie vor 50 Jahren verlassen wurden. Der Wüstenwind begräbt die Stadt langsam unter dem Sand der umliegenden Dünen.

1908 fand ein schwarzer Bahnarbeiter etwas Blinkendes im Sand und überreichte es seinem Vorgesetzten August Stauch. In den Folgejahren wurden hier 5 Millionen Karat Diamanten gefördert. Als man weiter südlich größere Diamantenvorkommen entdeckte, wurde Kolmannskop aufgelassen.



In der Agate Bay, eine Bucht etwas nördlich von Lüderitz streuen wir in alle Himmelsrichtungen aus und suchen nach Achate, die es hier geben soll. Wenn wir schon nicht Diamanten schürfen dürfen, dann wollen wir zumindest Halbedelsteine finden. Wir wissen nicht wie die aussehen, sammeln alle möglichen schwarzen Steine und sind stolz auf unsere Funde. Einer, rund, schwarz glänzend hat es mir besonders angetan. Er fühlt sich gut an, warm. Später bohre ich meinen Fingernagel hinein und wir kommen zu dem Schluss, dass es doch kein Achat, sondern eher ein verhärteter Erdölklumpen sein muss.



Kap Kobra


Dann fahren wir zurück nach Aus. Sand und Steine soweit das Auge reicht. Dort biegen wir in die Schotterstraße nach Norden ein. Die Landschaft ist gelb von den niederen Gräsern mit ein paar dunklen Flecken, Straußenvögel. Dann wird es grüner. Hier hat es die letzten Tage stark geregnet. Ungewöhnlich für die Jahreszeit. Weite Ebenen aus denen sich pyramidenförmige und Tafel-Berge erheben. Silberhaargräser wiegen sich im Wind. 

Schabrackenschakal

Eintönig, manchmal sogar langweilig ist die Landschaft. Kaum etwas für die Linse des Fotoapparates und trotzdem finde ich sie wunderschön. Ist es die Weite, die Einsamkeit oder das Wissen, dass jeden Moment etwas Unvorhergesehenes passieren kann? Wir sehen Springböcke, Oryxantilopen, Dikdik, Erd- und Buschhörnchen, Paviane, einen meterlangen Waran, eine Kap Kobra, mehrere Schabrackenschakale und den Klippschliefer, ein ca. 4kg schweres Nagetier, das, auch wenn es nicht so aussieht, mit dem Elefanten nah verwandt ist.



unser Leihauto

In Helmeringhausen essen wir den besten Apfelkuchen der südlichen Hemisphäre. Auf dem Weg zum Schloss Duwisib gehen Mia und Heimo ein paar Mal durch straßenbreite Pfützen um die Tiefe zu prüfen.

 

Der Sachse Hansheinrich von Wolf erbaute 1909 mitten in der Einsamkeit dieses Schloss mit 22 Zimmern und 50.000 ha Farmland. In Maltahöhe suchen wir uns schließlich eine Unterkunft.



01.04. Sonntag, Das Schiff mit unseren Autos soll um 19.00 in Walvis Bay ankommen. Hoffentlich kein Aprilscherz. Daher starten wir wieder einmal früh. Die C14 ist, wie die meisten Straßen Namibias, eine Schotterstraße. Frühstück in Solitaire. Nomen est Omen. Hier gibt es eine Tankstelle, eine Bäckerei und einen Laden. Sonst nichts. Weil er gar so verlassen ist dient der Ort immer wieder als Kulisse für Filme. Der Gaub-Pass ist kein Pass, sondern ein Canyon; zuerst geht es die Schlucht hinunter, dann wieder hinauf. An Treibholz und Geröll kann man erkennen, dass dieses kleine Rinnsal in der Regenzeit unpassierbar zu einem Hexenkessel anschwellen kann. Dann kommen wir zum Kuiseb, der nur in der Regenzeit Wasser führt. Was für eine atemberaubende Landschaft! Jäh abstürzende Felswände, tiefe Einschnitte. Im Canyon haben sich während des Zweiten Weltkrieges die beiden Geologen Henno Martin und Hermann Korn versteckt um der Zwangsinternierung durch Südafrikaner und Briten zu entgehen. (Henno Martin, Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste ISBN 978-3-935453-02-8, ein Kultbuch für Namibier).



Vogelfederberg, ein Granitberg, wie eine Insel in der endlos gelben Namib. Die Mittagsglut brütet. Und am Nachmittag dann endlich Walvis Bay, „Walfischbucht“. Ein kühler Wind bläst, als wir an der Waterfront Austern, Hakefish und Calamari essen.



Montag, 2.April. Der Frachter Safmarin Chilka, ein ganz neues Schiff, 250m lang hat 4.700 Container geladen. Erst wenn alle Container entladen, die neue Fracht verladen ist und das Schiff den Hafen wieder verlassen hat, wird unser Container mit einem Kran auf einen LKW verladen und in einen Hof gefahren. Genauso wie in Ghana brauchen wir auch hier in Namibia eine Agentur um wieder an unser Auto zu kommen. Doch wie könnte es in Afrika auch anders sein; zuerst ist erstmal große Aufregung. Die Agentur in Ghana hat für die Verschiffung noch nicht bezahlt, d.h. unser Geld wurde nicht weitergeleitet. Bedeutet das, dass der Container mit unseren Autos gar nicht erst aufs Schiff verladen wurde? Wir schreiben Moses von Map Shipping in Ghana eine böse Email. Seine Erklärungen klingen nach faulen Ausreden. Immerhin hatte er 15 Tage Zeit das Geld zu überweisen.

Doch dann geht es plötzlich ganz schnell und innerhalb von 48 Stunden nach Ankunft des Schiffes können wir unser Auto, versehen mit allen möglichen Zollstempeln, aus dem Container fahren.

Wir verabschieden uns von unseren Schweden Mia und Chrille. Sie sind noch länger in Afrika unterwegs, während es uns heim zieht.

 



Es gibt Strecken, die sich für immer ins Gedächtnis einprägen. Die 400km von Walvis Bay nach Windhoek ist so eine Fahrt. Sie ist die letzte auf dieser Reise durch Westafrika.

Wir sind mit zwei Autos unterwegs. Heimo fährt den Landcruiser, ich muss das Leihauto zurückfahren. Von Walvis Bay bis Swakopmund nichts als Sand. Die Dünen reichen bis an den Strand, im Westen glitzert der Ozean in der warmen Abendsonne. Anschließend geht’s gegen Osten auf der Trans Kalahari Highway. Ein Sonnenuntergang wie wir ihn nur von Afrika kennen, eine Abendstimmung die dann in eine sternenklare Nacht übergeht. Das Kreuz des Südens mit den zwei Pointer zu meiner Rechten, aus dem Radio schallt Musik in Afrikaans, lass ich die letzten 25 Wochen Revue passieren. 25.000 km haben wir zurückgelegt. Dabei haben wir großes Glück gehabt. Wir sind in keinen Krieg geraten, wurden nie ausgeraubt und waren bis auf die 4 Tage Malaria (41,6° Fieber) nie krank.

Ein Leben ohne Uhr und Kalender, ohne Termine, ohne Eile, haben wir uns vorgestellt. „Just ramble“. Nur selten ist es uns gelungen. Oft hatten wir lange Strecken zurück zu legen, Visa, Versicherungen, irgendwelche Stempel oder Road Tax zu besorgen, Geldautomaten gab es nur in größeren Städten, Grenzen sind nur zu bestimmten Zeiten geöffnet und bei Nacht wollten wir nicht fahren. Das alles zwängte uns ein. Außerdem ist Reisen anstrengend, sehr anstrengend. Wenn wir jetzt nach Hause kommen brauchen wir erstmal Urlaub. Urlaub vom Urlaub.



Wir stellen unser Auto in Windhoek ein. Am 05.04. fliegen wir heim. Wir freuen uns Ostern bei unseren Kindern zu sein, auf ein Wiedersehen mit unseren Freunden, aufs Golfen und Skifahren und auf westliche Zivilisation. Ich freue mich auf eine gute Pizza, una buona spaghettata und, man glaubt es nicht, auf die Waschmaschine. Ich habe es satt die Wäsche jeden Tag mit der Hand zu waschen und unser Auto ständig innen vom Staub zu befreien. Heimo hingegen freut sich auf eine Leberkässemmel und Frankfurter Würstln.

 


 



 

 

 

Im Sommer geht unsere Reise wieder weiter:

 

- unter Botswana August 2012