Januar 2012



 

MALI

 

04.01.2012    Ani Sogoma     Guten Tag auf Bambara



Unser E-Mail an Mia und Christer, die noch an der Petit Côte südlich von Dakar sind:

Kedougou - Bamako 600km new tarred road. We startet at 8 a.m. and arrived about 4 p.m. At the border no problem at all, no costs.

In Saraya, right after the left turn don’t miss the customs on the left side. In Mali in Keniéba the same, don’t miss the customs (it is on the road). We passed by and had to get the carnet de passage in Bamako.

The Ambassy of Burkina Faso is N 12°37,868 / W 8°0,907

47.000 CFA per Visa, single entry. At the border it would be the double.

At the moment we are in Camping Kaira-So run by nice french people, Wifi and running water. N12°36,114 W7°56,142

Now we are sitting in the Coffeeshop of the Museum. The Museum is very interesting, nice food and a beautiful park. Today we will have a look at the campsite Sleeping Camel, the one you told us.

See you soon

Heidag

Our phone in Mali 00223 72866736



Buschbrände gibt es in ganz Afrika, sogar in den Nationalparks

Eine gut ausgebaute Straße geniest man in Afrika ganz besonders. Hat aber den Nachteil, dass man nichts Interessantes sieht, nichts für die Linse des Fotoapparates. Noch vor Kurzem quälten sich die Autos über eine schreckliche Piste, der Falémé River war nur kurze Zeit im Jahr bei Niedrigwasser passierbar, die Chance Schimpansen, Krokodile, Python-Schlangen, Leoparden, Büffel und Flusspferde zu sehen war ungleich größer. Auch die schöne Landschaft am Bakoye von T.C.Boyles in seinem Buch: Wassermusik beschrieben, bleibt einem nun vorenthalten.



Straßenmarkt

Die erste Nacht in Bamako verbringen wir im Le Cactus. Ein erhebender Augenblick, als wir den Niger überqueren. Der drittlängste Fluss Afrikas verkörpert wie kein anderer das geheimnisvolle dunkle Afrika. Als wir in das einfache Hotel unter Leitung eines kanadischen Ehepaares kommen, das früher der Treffpunkt aller Westafrikareisenden war, glauben wir es ist geschlossen, so verlassen und verwahrlost wirkt alles. Die Eheleute sind schon sehr alt, doch der Frau des früheren kanadischen Botschafters sieht man immer noch ihre Vornehmheit an. Leicht geschminkt, das blond gefärbte Haar hochgesteckt. Da keine Reisenden mehr vorbeikommen haben sie kein Personal. Sie erzählt ihre letzten Gäste waren vor 2 Wochen die beiden Linzer Industriedesigner, die wir in Nouabdhibou getroffen hatten. Sie wisse, dass in Senegal im letzten Jahr 7 Hotelbetriebe geschlossen haben, da die Touristen ausblieben. Während wir in den weichen Sofas sitzen, deren Farbe und Muster von Staub und Alter unkenntlich sind, poltert es über uns auf dem Wellblechdach. Ich denke an Meerkatzen. „No, no, ils sont lezard!“ Das müssen aber große Eidechsen sein!



Zeburinder haben gewaltige Hörner

Die Reisesau (von Heimo)

Bin ich eine Reisesau, der Reisebilder und Eindrücke wie Perlen vorgeworfen wird? Ein nichtswürdiger Reiseunnütz? Ein Reisegourmand? Bin ich ein schlechter Beobachter mit geringem Aufnahmevermögen und deshalb schnell saturiert? Pädagogen würden als bedingt aufnahmefähig urteilen. Sehe ich daheim ein Foto von Afrika, Lateritpiste, terra rossa inmitten sattgrüner Vegetation, sommerlich durchflutet - die Wärme kann man förmlich spüren - besonders wäre es an einem kalten Wintertag. Die Sehnsucht, das Fernweh packt mich bei solchen Ansichten.

Jetzt bin ich hier, all diese Sehnsuchtsbilder sind greifbare, spürbare, riechbare Wirklichkeit geworden und es vergingen keine 14 Tage und diese Bilder werden in der Gewohnheits- Nichts-Neues-Schublade des Hirns abgelegt, wenn überhaupt. Nichts von diesen nunmehr realen Sehnsuchtsbildern was mich besonders beeindrucken könnte. Selbst die schwarzen Schwarzen sind so zum gewohnten Erscheinungsbild geworden, sodass nichts mehr zum Gaffen bleibt. Es sei denn körperliche Anomalien, von denen es hier weiß Gott zu Genüge gibt. Weiße hingegen werden zur Besonderheit nach denen man sich den Kopf verdreht. Muss ich zum Psychiater? In ein Umerziehungslager für Ambiete-Hartleibige? Ein schneller aber nicht ausdauernd Begeisterungsfähiger? Ein Landschafts- und Leute-Precox?



Red tape.

Wir stehen im Stau im Zentrum Bamakos. Nur die Hauptstraßen sind asphaltiert. Am Straßenrand die rot-weiße Markierung: Halteverbot. Nirgendwo ein Parkplatz. Wo sollen wir unser Auto hinstellen? Normalerweise hätten wir ein Taxi genommen, doch höchstwahrscheinlich will man am Hauptzollamt unser Auto sehen. Als wir nicht mehr weiterkommen parken wir hinter dem Hôpital National du Point G. Ein Krankenhaus von zweifelhaftem Ruf. "Nur im äußersten Notfall" empfiehlt unser Reiseführer. Der Spitzname des Krankenhauses: Einbahnstraße. Doch hinein müssen wir Gott sei Dank nicht. Ein Student begleitet uns. Kein Gehsteig. Wir stapfen wieder einmal durch Sand, auf der einen Seite schlängeln sich Autos und Motorräder an uns vorbei, auf der anderen haben Marktfrauen ihre Ware am Boden ausgebreitet. Als wir endlich zum Guichet Unique des Zollamtes im ersten Stock kommen haut uns der süßliche Schweißgeruch fast wieder die Stiegen hinunter. Schwarze, Schwarze wohin man sieht. Wo stellt man sich hier an? Der Chef de Brigade ist nicht hier und alle müssen zu ihm. Als der schlanke, hochgewachsene Mann endlich sein Büro aufsperrt, schiebt sich die Masse zur Tür. Er kann selber kaum in sein Büro flüchten. Er schließt die Tür hinter sich, um sie gleich wieder einen Spalt zu öffnen: „Laissez-passer!“ ruft er. Das betrifft uns. Wir schieben uns an schweißgebadete, schokoladebraune Körper vorbei und dürfen im eiskalten Büro Platz nehmen. An der Tür gibt es eine Diskussion in Bambara und eine dicke Mama darf ebenfalls eintreten. Er sagt wir hätten das Laissez-Passer an der Grenze beantragen müssen. Wir erklären, das hätten wir gerne gemacht, aber da war niemand. Das stimmt so nicht ganz, wir sind einfach langsam durchgefahren, wie wir es an den zahlreichen Straßenkontrollen immer machen. Wenn Polizei, Gendarmerie, Militär oder Zoll etwas von uns wollen, dann pfeifen sie uns normalerweise nach und dann legen wir den Rückwärtsgang ein. Aber damals hat niemand gepfiffen. Vielleicht hat der Beamte in seinem dunklen Kabäuschen gerade gedöst oder gar tief geschlafen. Wir zeigen dem Chef also unser Carnet de Passage, erklären wie es funktioniert und wo Stempel und seine drei Kreuze hinmüssen. Wir merken dass er das noch nie gesehen hat, aber als oberster Chef will er sich keine Blöße geben, schon gar nicht vor der dicken Mama und behauptet er kenne das schon. Nach einer Minute ist alles erledigt und wir sind wieder draußen.





 

Im Zentrum von Bamako gibt es einen Golfplatz. Er gehört zum größten Hotel, dem Libya L’Amitié, ein Gaddafi Hotel, das Mali und Libyen verbinden soll. Wer wird wohl in Zukunft dieses Hotel unterhalten? Außen im scheußlichen Sowjet-Stil, innen wirkt es einladender und luxuriöser. Wir müssen wie am Flughafen durch Sicherheitskontrollen. Am Pool tummeln sich die Reichen und Schönen der Stadt. In einem der verschiedenen Restaurants essen wir Saka-Saka, ein typisch Malisches Gericht aus Spinat und Kapitänsfisch.

Die Fairways sind gepflegt aber sehr eng. Die Leihschläger sind so schlecht dass wir entscheiden nicht zu spielen. Wenn wir schon selber die Schläger nicht schwingen, schauen wir uns im Clubhaus die Übertragung des ATP-Tennisturniers in Qatar mit Nadal an.

 

Bamako war ein Wespennest voller Abgase, der Lärm in den Straßen ohrenbetäubend. Die Menschen lachten selten, fast so selten wie in europäischen Großstädten. Sie wirkten gereizt, trugen Mundschutz, husteten und rieben sich die Augen. Ihrem Blick fehlte die Ruhe der Leute vom Fluss, sie waren ständig auf der Hut – vor rasenden Autos, vor Dieben, Betrügern und korrupten Polizisten. Bamako zerrieb seine Bewohner. Es machte sie müde, krank, gleichgültig.

Ein anderes Bild von Bamako von Michael Obert: Regenzauber







Mali besteht aus zwei Dreiecken: dem kleineren südwestlichen und dem viel größeren nordöstlichen. Allzu viel werden wir von letzterem leider nicht zu sehen bekommen, der ganze Nordosten ist zurzeit absolute no-go-area. In Timbuktu startet nächste Woche das Festival, das allein wäre schon Grund genug hinzufahren. Für mich ist die Stadt „wo das Kamel das Kanu trifft“ mehr Mythos als Stadt. Nach wie vor gilt sie mit ihren über 60 privaten Bibliotheken als Hochburg des Wissens, als mysteriöse Stadt und als das Ende der Welt. Heute Morgen sind 2 Touristen hingefahren, ein Australier und ein Südafrikaner. Harte Typen, jung. Sie sind überzeugt Timbuktu ist jetzt so sicher wie nie. Auch der Präsident fliege ein. Aber alle Weißen, die hier ständig wohnen raten uns strikt davon ab. Wieder einmal siegt unsere Feigheit bzw. Vernunft.



am zweiten Abend schon werden wir in der Carpe Diem Bar von Musikern und anderen Gästen wie alte Bekannte begrüßt

Segou ist ein gemütliches Städtchen 230 km östlich von Bamako. Bekannt ist die ehemalige Residenzstadt der Bambara Könige für ihre 4444 Balanzan Bäume (weiße Akazien).

1796 traf hier der Schotte Mungo Park erstmals auf den Niger. Nach seinem Medizinstudium in Edinburgh verdingte er sich zuerst bei der Ostindienkompanie, dann trat er in den Dienst der British African Association und löste das jahrtausendealte Rätsel des Niger; wo er entsprang und wo er mündete. Zuvor hegte man die Hoffnung eine Verbindung zwischen den Flüssen Gambia, oder Senegal, zum Niger und Nil und somit einen Weg durch Afrika zu finden, der die mühselige Umschiffung des Kap der Guten Hoffnung ersparen würde. Mungo Park war vom Gambia-Fluss gestartet, doch der misstrauische Bambara-König ließ ihn erst gar nicht in die Stadt Segou hinein. Als er den Rückmarsch zur Küste antrat wurde er von Elefantenjägern überfallen. Ein Sklavenhändler half ihm sodass er schließlich nach England zurückkehren konnte.

Wir quartieren uns im Hotel Djoliba ein. Djoliba hatte Mungo Park auf seiner zweiten Reise zum Niger eine baufällige Pinasse getauft die er wieder hergestellt hatte. Damit segelte er an Timbuktu vorbei und ertrank 1000 km weiter flussabwärts in den Stromschnellen von Bussa.

 



Um 16.00 nehmen wir eine Pinasse, ein ca. 25 m langes sehr schmales Boot mit Motor und einem runden Dach aus Grasmatten und lassen uns den Niger stromaufwärts fahren. Der Fluss ist hier ca. 1 km breit und von grünblauer Farbe. Der Wassergeist Faro – eine weiße Frau mit bodenlangem schwarzem Haar - ist uns wohlgesinnt, der Fluss ist spiegelglatt. Die Landschaft zieht ohne Eile an uns vorbei. Ein paar Dachspitzen einsamer Rundhütten. Rinderherden grasen auf einer flachen Insel. Die Bobo schöpfen mit Kalebassen Wasser aus dem Fluss um ihre Felder auf der Uferböschung zu bewässern. In Ufernähe Bambusreusen und Fischernetze. Fischer balancieren auf ihren Pirogen und schleudern die Wurfnetze ins Wasser. Bei den Bobo gibt es Dolo, das Hirsebier und Hundefleisch. Der Koran verbietet das Essen von Hunden, aber die Bobos sind Christen. Jetzt fällt uns auf, dass wir in Segou keine streunenden Hunde gesehen haben. Es ist bereits dunkel, als sich ein Fischernetz im Schiffsmotor verfängt.



Geruhsame Tage in Terija Bugu (Terija = Freundschaft, Bugu = Dorf), am Bani, einem Seitenarm des Niger. „Le petit paradis du Mali“, in den 60er Jahren von Père Bernard Verspieren gegründet ist ein Tourismuszentrum mit Agrarwirtschaft, Bienenzucht, Obstgarten, Baumschule, Bäckerei, Entbindungsstation, Schule und Projekte für Mikrokredite Biotreibstoff und erneuerbare Energien. Der Aufwand ist riesig: ein Park, Konferenzräume, zwei Pools, Basket- und Volleyballfeld, Hollywood-Schaukeln am Fluss…Aber alles macht einen heruntergekommenen Eindruck. Père Bernard ist 2006 gestorben. Jetzt wird T.B. von Schwarzen geführt und um es böse auszudrücken: so sieht es aus. Alles wirkt verwahrlost, verstaubt oder kaputt. Ihre Entschuldigung: kein Geld. Doch so manche Wartung oder Instandhaltung wäre auch ohne, oder mit wenig Geld machbar.

Für uns ist es trotzdem ein Paradies. Die Tage plätschern dahin. Wir sind die einzigen Gäste. Unser Auto mit dem Dachzelt steht im Schatten hoher Kapok- und Niembäume, direkt neben dem Antilopengehege. Das Antilopenbaby, das am ersten Tag noch gar nicht aus seinem Versteck trat, sich dann auf wackeligen Beinen unter die Mutter stellte und mit der Schnauze unsanft auf die Milchdrüsen drückte um gierig zu trinken saust und springt nach ein paar Tagen herum und jagt die Vögel, die den Antilopen den geschroteten Mais wegfressen wollen. Jeden Abend – man könnte die Uhr danach stellen - kommt ein Pfauenmännchen und fliegt mit vier Sätzen und lauten Schreien bis in die Krone des Kapok um dort die Nacht zu verbringen.

Wir füttern die Schildkröten mit  Kapokblüten. Heimo schätzt sie auf etwa 50 kg. Zwei graben ein ca. 50cm tiefes Loch. Unglaublich was für große Steine sie dabei herausbuddeln. Bevor sie ihre 8-12 Eier hineinlegt, uriniert die Schildkröte um die Erde anzufeuchten. Dann wird das Loch wieder geschlossen. In sechs Monaten werden die Jungen herauskrabbeln, doch so lange können wir nicht warten…

Wenn der Tag am heißesten ist, lesen wir am Pool beim Käfig der Python. Vielleicht hat sie heute Appetit auf das Hühnchen, das mit ihr eingesperrt ist. Schon von Weitem erkennen wir am Verhalten des Huhns ob die Würgeschlange schläft oder nicht. Wenn es nervös herumläuft und kurze Töne von sich gibt, die sich wie leises Wimmern anhören, dann ist die Python aktiv.



Kronenkranich

Das Vogelbestimmungsbuch von T.B. listet hunderte von verschiedenen Vögeln auf. Da gibt es Reiher, Kormorane, Störche, Adler (Snake-Eagle), Milan, Sperber, Habicht, Falken, Frankolin, Kronenkranich, Schwäne, Pfau, Tauben, Papagei, Kiebitz, Stelzenvögel, Kingfisher, Bienenfresser, Wiedehopf, Hornbills, Specht, Amseln, Pirol, Webervögel, Eisvögel… Ständig blättern wir darin um einen neu entdeckten Vogel mit dem Buch zu bestimmen.



die weltberühmte Moschee von Djenné

Djenné Wir fühlen uns ins Mittelalter zurückversetzt. Seit 1988 Weltkulturerbe, darf kein Zement und kein Beton für den Hausbau benutzt werden. Die ganze Stadt, einschließlich der großen Moschee ist aus Lehmziegel erbaut. Der nasse Lehm wird mit Reishülsen und Stroh vermischt und in der Sonne getrocknet. Jedes Jahr nach der Regenzeit muss die Stadt renoviert werden. Zusammen mit einem kanadischen Ehepaar nehmen wir uns einen Führer. Seit den Entführungen und der Ermordung eines Deutschen ist der Tourismus in Mali gewaltig zurückgegangen. Mit katastrophalen Folgen für eine Stadt wie Djenné, die ausschließlich von diesem Wirtschaftszweig lebt. Nirgendwo sonst haben uns so viele verrotzte Kinder ihre dreckigen Hände entgegengestreckt wie hier. „Cadeau!“ „Stylo!“ "Big!" „Bonbon!“ „Argent!“ Meist heißt es einfach nur: „Donnezmoicadeau!“ Das nervt. Oft wird das Betteln zum aggressiven Fordern. Wir geben prinzipiell nichts. Erstens kann man nicht allen geben. Schon die kleinen Kinder haben faule Zähne. Und je mehr man ihnen gibt umso mehr betteln sie. Sie betteln ja, weil sie von Touristen immer wieder was bekommen haben.

In Gambia heißen sie „Bumsters“, das heißt soviel wie Penner, Schnorrer, Quälgeist. Das ist natürlich nicht nur ein gambisches Phänomen, sondern ist überall dort wo viele Touristen sind, weit verbreitet. 



Ein Trommler auf dem Fahrrad verkündet eine Nachricht der örtlichen Energiegesellschaft. Mohammed, unser guide übersetzt: alle säumigen Zahler werden aufgefordert binnen 3 Tagen zu bezahlen, sonst wird im ganzen Viertel der Strom abgeschaltet.

Am Montag ist Markttag. Wir kaufen Kolanüsse und bunte Ketten. Nicht weil wir die wirklich haben wollen, sondern weil wir gegen die Hartnäckigkeit einiger Verkäufer nicht aufkommen. Hier kostet alles 10.000 CFA, das sind ca. 16.-€. Für den Ramsch ein überzogener Preis. Aber wenn die Touristen ausbleiben, dann müssen die wenigen eben auch für die bezahlen, die nicht kommen. Afrikanische Logik!



Felsmalereien der Dogon

Dogonland, das Touristenziel Malis par excellence. Die Dogon leben im Südosten von Mali, in ….einer etwa 140 km langen „Felswand“ aus Sandstein von 250 bis 300 m Höhe…Ihre Dörfer kleben z.T. wie Nester in den Felsen oder befinden sich auf dem Plateau und …in der weiten Gondo-Ebene.

Songo das erste Dorf mit 4.000 Einwohnern. Taxe für die Besichtigung. Geld für den Guide der uns durchs Dorf begleitet und in die Läden führt, die ihm am meisten für die Vermittlung bezahlen. Er quasselt mich voll (Heimo klinkt sich aus) mit Initiationsritualen, Geschichten über ihre Totemtiere wie Schlange, Krokodil, Schildkröte, Legenden, Rennen der Männer bei Vollmond, Besichtigungsverbot für schwarze Frauen, gilt nicht für Weiße, (die werden schließlich zur Kasse gebeten). Ein Blick in die Schule, schon wird uns ein Karton unter die Nase gehalten, eine Spende für den Neubau ist fällig. Ursprünglich wollten wir 2-3 Tage durch die Fallaise, Felsklippen und Steilwände und den vielen Dogondörfern wandern. Doch es ist uns zu touristisch, auch wenn zurzeit kaum Touristen hier sind. Am nächsten Tag lassen wir uns von Benoit und Patricia, zwei Genfern überreden gemeinsam einen Guide zu nehmen, der uns mit dem Motorrad vorausfährt. Und wieder langweilen uns die unendlichen Geschichten über Rituale, Verbote und animistische Bräuche. Ich fürchte wir sind schreckliche Banausen.



In jedem Dorf die gleichen lieblos geschnitzten Masken und auch die Indigostoffe – deren Farbe in einer aufwändigen Prozedur hergestellt wird – sind alle im gleichen langweiligen Kringelmuster.

Die mitgebrachten Kolanüsse überreicht man als Zeichen der Freundschaft, als Gastgeschenk. Die bitteren Nüsse werden von den Einheimischen wegen ihrer stimulierenden Wirkung gerne gekaut. Sie sollen außerdem Hunger und Durst unterdrücken und die Mattigkeit bei großer Hitze vertreiben. Die Kolanüsse verschenkt man, man fordert sie nicht. Von uns wurden sie ständig gefordert, also haben wir sie nicht verschenkt.



Wie Heimo stolzer Besitzer eines Esels wurde.

Unser Guide weit voraus, Benoit in seinem jugendlichen Übermut jagt mit seinem Defender hinter ihm drein. Heimo folgt langsam über die steinige Piste. Plötzlich kommen uns zwei Eselskarren entgegen. Sie sind unbeladen, die Piste geht leicht abwärts, zwei junge Männer hauen auf die Esel drein, sie liefern sich ein Rennen. Heimo bleibt stehen. Knapp vor unserem Auto schert der hintere aus, will überholen. Es ist absurd: die Piste ist nicht breit genug. Der Esel kommt noch an uns vorbei, doch die Karre kracht in unser Auto. Wir steigen verärgert aus. Der Eseltreiber winselt, wirft uns verängstigte Blicke zu und flüchtet dann auf Nimmerwiedersehen in den Busch.

Der linke vordere Kotflügel ist eingedrückt, Blinker und Lampe sind kaputt. Was machen? Diese Leute haben ja nichts. Heimo zeigt auf den Esel. Inzwischen sind wir von einer Gruppe Einheimischer umgeben. Wortlos bindet einer den Esel los und reicht Heimo das Seil. Wir binden das Grautier ans Auto, fahren langsam hinter eine Kurve und lassen es frei. Als wir nach einer Stunde wieder kommen grast der Esel immer noch friedlich an derselben Stelle und auch die Karre steht noch dort wo sie abgestellt wurde. Sonst ist niemand mehr zu sehen.



Heimos Version

Eseleien oder wie ich zu einem Esel kam.

Ein wunderschöner Morgen, keine dunklen Regenwolken, vielmehr hierzulande keine ockerfarbenen Staubwolken am Horizon die Böses erahnen ließen. Wir sind auf dem Weg von Bandiagara zum Escarpement, noch oben wo die Temperaturen noch angenehm sind um diese Tageszeit. wogegen es unten schon flimmernd brodelt. Die Piste ist schmal aber nicht zu schmal, sodass man Entgegenkommenden entgegenkommend begegnet. Ab und zu ein weißer NGO- oder Touristen-4 X 4, der von den Dogondörfern heraufkommt. Sonst aber die üblichen Eselsfuhrwerke und Fußvolk. Auf einer kleinen Steigung kommen zwei dieser Eselgespanne herab, recht flott und so bleiben wir in Erwartung Kommendem stehen. Und als wollte er uns seine Fahrkünste zeigen schert der hintere aus zu einem kühnen Überholmanöver. Dann ging alles sehr schnell. Der Esel hätte uns problemlos passiert, wäre da nicht das zweirädrige Anhängsel gewesen. Die linke Ecke der Ladefläche, gefertigt aus hartem afrikanischen Holz (es hätte auch unsere heimische weiche Fichte getan) legte sich mit unserem linken Kotflügel samt Blinkernase an. Das schaurige Splittern und Krachen, das bei solcherlei Begegnungen zu hören üblich ist muss nicht weiter beschrieben werden. Nur in der Langsamkeit afrikanischer Gangart hat der Betroffene ungleich mehr Zeit sich auszumachen, wie sich vorher formschöne und technisch aktive Teile zu wert- und nutzlosem Schrott verwandeln. Man hat auch alle Welt der Zeit sich anzusehen wie sich die komplette Blinker- und Standlichteinrichtung von seinem Bestimmungsort löst, die elektrischen Verbindungen noch verzweifelt versuchen, diese Trennung zu verhindern. Vergeblich. Die nur mehr schwer als solche erkennbare Blinkereinrichtung hat den Standort gewechselt. Es war als hätte das Fuhrwerk das Teil wie eine Trophäe aufgegabelt zum Zeichen des Sieges. Aber nicht mit mir. Schreiend und Tobend springe ich aus dem Auto. Das inkarnierte Rumpelstilzchen muss sehr eindrucksvoll gewesen sein. Fahrerflucht. Der eselsleitende Junge verschwindet wimmernd hals über Kopf im Busch. „Dixmilles Franc“ brülle ich um im selben Augenblick einzusehen, dass wohl keiner von denen diese für sie astronomische Summe besitzen geschweige dem bei sich haben werden. Also was bleibt: Sofortexekution! „Give me the donkey“, sagte ich kalt. Und wortlos schirren sie den Esel aus und geben mir den Strick in die Hand. Ich binde den Esel hinten am Auto an. Das Gespann ohne Esel wird seitlich in den Busch gestellt. Die verbleibende Karawane zieht weiter und es wird still um uns. Zeit zum Nachdenken. Jetzt hab ich zwar einen Esel, nur was fang ich damit an. Für die Leute sicher ein Vermögen, nur für mich wertlos, eher ein Hindernis, wenn ich ihn 30km bis zum nächsten Ort hinter dem Auto herziehen muss. Immer noch voller Rage und kopflos nehme ich den Esel am Strick und ziehe zu Fuß los. Dagmar , kopfschüttelnd mit dem Auto hinter mir her, im Sicherheitsabstand zu Blindwütigen. Von außen gesehen und rückblickend muss es ein Bild zum Brüllen gewesen sein. Das Ende ist schnell gesagt. Der Esel erhält arbeitsfrei und wird, an Beinen ungebunden, in Freiheit entlassen.

 



Fazit: In den Touristenorten hat uns Mali am wenigsten gefallen. Es war ziemlich heiß, staubig und trocken. Internet eine Katastrophe.



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