Februar 2012



 

GHANA

 

08.02.2012

 

Das Huhn weiß, dass der Tag anbricht,

lässt jedoch den Hahn krähen.

Ghan. Sprichwort

 



Bekommen haben wir das Visum nur für 3 Monate, aber immerhin. Hier wird englisch gesprochen. Schade! Heimo, des Französischen nicht mächtig, war über drei Monate lang mundtot. Ich fürchte er wird diese sprachliche Abstinenz jetzt so schnell wie möglich wieder gutmachen wollen. Andererseits bin ich von dem ständigen: „Sag ihr…frag ihn...“ befreit.

Aber nicht nur die Sprache ist hier anders. Bisher haben wir in allen Ländern meist köstliches baguette bekommen, in den Großstädten sogar pain au chocolat. Aber hier ist das Brot sogar schlimmer als british, eine Mehlpampe. Wir fragen uns, nachdem wir die letzten Tage ständig durch Gummibaum-Plantagen gefahren sind, ob da nicht ein bisschen Kautschuk…fehlt nur noch die Pfefferminzsauce.



Wir kommen an ein Flüchtlingslager der UNHCR (dem Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen) für Ivoraner vorbei. Eine junge Frau ist ganz aufgeregt, morgen fährt sie in die Heimat zurück. Wir sprechen mit dem Manager. Ghana hat 20.000 Flüchtlinge aufgenommen. Unfassbar, dass 2-3 Monate Krieg mit 3.000 Toten soviel Elend auslösen können. Diese Menschen haben ihr zu Hause verloren. Die Regierung sagt zwar sie können zurück kommen, unternimmt aber nichts um ihnen zu helfen. Die Leute sind verunsichert, ihre Häuser sind von anderen besetzt worden. Es braucht viel Zeit, bis diese Menschen wieder in ein normales Leben zurückgefunden haben werden. Viele werden wohl in Ghana bleiben wollen. Dazu müssen sie aber Englisch lernen.

Es werden gerade Säcke mit der Aufschrift WFP World Food Program (Welternährungsprogramm) verteilt. Die Grundnahrungsmittel wie Reis und Mais bekommen sie kostenlos, aber um Fisch und Gemüse müssen sie sich selber kümmern. Fotografieren dürfen wir nicht.



Am Ankobra Fluss im Westen Ghanas gibt es angeblich ein geschütztes Regenwaldgebiet, das wahrscheinlich letzte Stück ursprünglicher Küstenwald. Unsere Strecke führt hier vorbei und wir sehen Kahlschlag soweit das Auge reicht!



Takoradi hat einen relativ kleinen Hafen. Einen Tag lang klappern wir Logistik-Unternehmen ab, erkundigen uns über die Konditionen unser Auto nach Namibia einzuschiffen. Ich würde lieber das Auto hier einstellen, heimfliegen und in einem halben Jahr dann weiter fahren, aber Heimo fürchtet unsere Sachen würden in diesem feuchten Klima vermodern und sein Baby rosten lassen.



Dixcove, ein Fischerdorf. Am Straßenrand hocken ein paar Frauen hinter ihren brodelnden Töpfen. Andere verkaufen 4-5 winzige Tomaten zu Pyramiden aufgetürmt, daneben ein paar Salzeier. Zwei junge Männer flicken Fischernetze. Männer sitzen um einen Spieltisch. Wir verspüren Feindseligkeit, sogar Aggressivität: „Gebt uns zu essen, wir haben Hunger!“ Sie führen die fünf Finger zum Mund.

Totale Passivität, apathisches Verhalten, keine Initiative. Sogar die Kinder tollen hier nicht herum, sondern stehen regungslos, schauen. Ein Halbwüchsiger streift mit 2 Transistorradios zum Verkauf durchs Dorf. Aus einem tönt laute Musik. Er muss ein Fremder sein, er ist der Einzige der sich im normalen Tempo bewegt. Der zweistöckige Kolonialbau ist leer. Die Läden hängen schief, die Türen sind eingeschlagen, die Wände zerbröckeln, die Dachziegel sind kaputt, sodass der Regen ungehindert hineinrinnen kann und das Gebäude von innen heraus vermodert. Am Dach zwei Geier.



Nur drei Tage waren wir in Ghana, sind durchgefahren, aber wir kommen wieder. Am 23.02. erwarten wir in Accra eine Überraschung.

 



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GHANA 2



Fächerpalme auf Serviette

An der Grenze Togo/Ghana klappt es diesmal wie am Schnürchen. Der Schlepper hat mich an meinem weißen Erscheinungsbild wegen des Bartes wieder erkannt. Und wir flutschen diesmal förmlich über die Grenze. Aber das Schicksal hat für unsereins Reisende offenbar ein Mindestmaß an Zeit- und Nervenbürde vorgesehen. Das Bisher an Grenzstress war einfach zu wenig und so musste ein Nachschlag kommen. Die hiesige Polizei der Grenzstadt Aflao hat einen angeblich unschuldigen Schwarzen grundlos verhaftet und eingesperrt. Die Volksseele kocht und dies recht schnell bei tropischen Temperaturen. Die Straße füllt sich zusehends mit skandierendem Mob und bald geht nichts mehr. Die Fäuste werden rhythmisch nach oben gereckt, (ohne Rhythmus geht hier nichts, im Guten wie im Bösen) das alles zu einem Refrain, den wir natürlich nicht verstehen. Manche haben eine Mordsgaudi und hüpfen lachend herum. Die Mehrheit aber besteht aus Finsterlingen die wild die Augen rollen. Die Drohgebärden gelten nun auch uns, als wären wir der verlängerte Arm der Exekutive. Sie trommeln wild gegen das Auto. Mit schüchternem Lächeln und Daumen nach oben wollen wir uns fraternisieren. Zum Teil gelingt es auch. Dann aber will ein Finsterling Geld. Die Situation spitzt sich wieder zu. Ich gebe ihm den Rest meiner Coladose, dann wird er vom Brei des Mobs weitergeschoben. Mit einem Mal lichten sich die Reihen. Der Strom driftet ab auf einen Platz wo Transparente und Schilder geschwungen werden. Dort ist jetzt das Zentrum des Zorns. Wir atmen auf. Es ist befreiend wie nach einem Gewitter.



Unser Ghana-Reiseführer nennt in Keta eine Lodge, wo man auch campen kann. Doch als wir hinkommen will man davon nichts wissen. Wir stellen uns an den breiten Strand. Daneben eine Bar. Hier dürfen wir die Toilette benützen.

Sobald man in Afrika irgendwo stehen bleibt, tauchen sofort aus dem Nichts Menschen auf. Sie kommen, bleiben stehen, sagen kein Wort, schauen, reglos. Sie beobachten wie wir unser Zelt aufbauen, wie ich das Gemüse wasche, den Herd anmache, wie wir uns in die Campingstühle werfen und den Sundowner trinken. Oft stehen sie solange, bis es finster ist oder wir weiterfahren.

Als wir am nächsten Tag aus dem Dachzeltfenster schauen sehen wir einen ganzen Trupp von Leuten den Strand kehren. In Afrika wird immer und überall gekehrt. Doch dass sie hier den Sand glattkehren, das haben wir bis jetzt noch nicht erlebt. Sie kehren um unser Auto herum, unter dem Campingtisch. Sie grüßen überschwänglich, spätestens jetzt wissen wir dass sie ein Trinkgeld wollen. Nachdem wir nicht reagieren, wird man deutlicher. Diese ewige Bettelei!

 



Kokrobitey 15 km westlich von Accra Zentrum, am Meer. Die Straße dorthin ist eine Piste voller Schlaglöcher. Schon 4 Mal (!) sollte die Straße repariert werden, doch jedes Mal sind die Auftragnehmer mit dem Geld verschwunden. 

Bei Big Milly’s Backyard ist die Hölle los. Eine Life-Band spielt Reggae. Junge, Schwarze wie Weiße tanzen, die Älteren sitzen um die Bar und trinken Bier.

Die Schwarzen (maskulin)“ pfauen“ vor den weißen Frauen wie die Platzhirsche in alpinen Ferienorten. Die plumpen Milchkühe stampfen vor den geschmeidig sich produzierenden Bimbos zum Tanz. Ich empfinde eine eigene Peinlichkeit wie man sie verspürt als Nicht-Betroffener, als Zuschauer. Sicher sind da auch die Herrenrunden die hierhergekommen sind um ihr sexuelles Selbstwertgefühl aufzubessern. Aber ein Korb für einen Mann wird eben anders gewichtet als der fehlende Stolz einer Frau.

Weiße Frau mit schwarzem Mann (toyboy) ist die weitaus häufigere Konstellation als umgekehrt. Während verklemmte europäische Männer lieber nach Südostasien oder in die Karibik fahren vergnügen sich nicht mehr ganz knackige oder etwas beleibtere Europäerinnen an den Stränden Westafrikas.

 

Ein Münchner, Zivilingenieur und Expat spricht uns an. Er hat unser Auto gesehen. Seit 20 Jahren lebt er in Afrika; Togo, Kenia, jetzt Ghana. Er hat sich eine Farm gekauft. Zurück will er nicht mehr.

 



vom Fieber gezeichnet

Eine Woche mit Besuch

 

Konstantin war alleine. Julia hat nicht frei bekommen. Schade, denn so oft kommen wir 4 nicht zusammen.

Das Flugzeug ist in München mit Verspätung gestartet, Anschlussflug in Lissabon verpasst, Ankunft in Accra 8 Stunden später und ohne Gepäck. Das wird in Afrika nicht nachgeliefert, also haben Konstantin und Heimo die nächsten 3 Tage mit Fahrten zum Flughafen verplempert. Und das durch den höllischen Verkehr Accras. Konstantin plant Umbauarbeiten am Auto. Heimo fürchtet Schlimmstes für sein Baby. Die Abluft des Kühlschranks funktioniert schlecht, dadurch läuft er zu oft und zu lange. Das belastet die Batterien. Gemeinsam werkeln sie am Auto.

Ich habe in der Zwischenzeit im Hotel meine Malaria ausgeschwitzt.

 

Die Wli Falls waren eine Enttäuschung: landschaftlich wie menschlich. Zwei Deutsche die die Waterfall Lodge führen, freuen sich angeblich immer Deutsche zu sehen. Aber auf uns haben sie sich nicht gefreut. Es war Dienstag, Ruhetag. „Tut mir leid“, mit diesen Worten hat man uns wieder weggeschickt. Uns tat’s auch leid. Also verließen wir die Voltaregion wieder und fuhren die Küste Ghanas, die so genannte Goldküste, Richtung Westen.



Green Turtle Lodge breiter sauberer Strand, Palmen, hohe Surfwellen, Wassertemperatur 31-32°. Die Lodge führt ein junger Engländer. Er macht es gut, aber er hat genug. Er will wieder zurück in die Zivilisation. Wie wild tigert er den ganzen Tag in der Anlage herum.

Weltweit gibt es 5 Arten von Riesen-Meeresschildkröten. Zwischen September und März kommen die Weibchen der Olive Ridleys, Leatherbacks, GreenTurtles und Hawksbill Turtles an den flachen Strand vom Golf von Guinea um mit ihren Flossen circa hundert tennisballgroße Eier im Sand zu vergraben. Und zwar kommt jedes Weibchen genau an die Stelle, wo es selber geschlüpft ist. Nach ca. 60 Tagen schlüpfen die Jungtiere und suchen sofort den Weg ins rettende Meer.

 



Anita

Das erste Mal sind wir ihr in Mauretanien, unweit der Grenze zu Senegal begegnet. Im Vorbeifahren sehen wir am Pistenrand einen weißen Defender aus England stehen, offene Motorhaube, ein blondes Mädchen hockt am Boden, die Hände ölverschmiert.

10 km und eine ½ Stunde später, am Grenzposten. Wir warten wieder einmal auf irgendeinen Stempel. Da kommt sie an. Welche Überraschung. Anita reist allein und spricht deutsch. Sie ist 21, in Kapstadt geboren, in Swapokmund Namibia aufgewachsen, der Vater Engländer, die Mutter Deutsche aus Namibia. Sie war 18 als ihr Vater starb, da zog sie nach England, wo sie 3 Jahre arbeitete. Sie kaufte sich das alte Geländeauto und beschloss die Strecke London – Kapstadt, die ihr Vater in den 50er Jahren zurücklegte, nachzufahren.

Im ersten Moment wirkt sie etwas orientierungslos, hilfebedürftig. Aber bald schon entdeckt man in ihr Entschlossenheit, festen Willen. Was für ein unglaubliches Mädchen! Man stelle sich vor: mit 21 allein von London nach Kapstadt.

Die von uns angebotene Hilfe ihr mit € auszuhelfen (sie hatte nur US$ die in allen W-Afrikanischen Ländern außer Gambia und Ghana verschmäht werden) lehnt sie entschieden ab. „Nein, danke, das geht schon irgendwie.“ Sie hat kein Carnet, daher dauert ihr Aufenthalt an der Grenze 3 Tage, doch rechtzeitig vor Hl. Abend kommt sie in der Zebra Bar an. Der Kühler ist kaputt. Kann nicht mehr repariert werden. Trotzdem lässt sie ihn schweißen, einen neuen kann sie sich nicht leisten. Wir reisen weiter. Mit Mia und Christer haben wir noch ein paar Mal über sie gesprochen. Wo sie wohl sein wird. Wir zweifelten nicht, dass ihr rostiger Defender zusammengebrochen ist, irgendwo auf der Strecke wird ihre Reise ein jähes Ende genommen haben.

Neue Szene: Ghana, Green Turtle Lodge. Wir sitzen am Tisch bei Kerzenlicht, vor uns rauscht der Ozean und warten auf unser Abendessen. Und plötzlich steht sie vor uns. Mit Toni, einem Belgier der mit einer Yamaha Ténéré unterwegs ist. Die beiden haben sich in Bamako getroffen und fahren jetzt gemeinsam. Ihr Auto hatte noch so manche andere Macken, aber sie hat es bis hier her geschafft. Sie ist die einzige die wir treffen, die in diesen unsicheren Zeiten durch Nigeria fahren will. Mit oder ohne Toni. Er wirkt so verliebt, dass er gegen jede Vernunft wohl mit ihr fahren wird. Von der Jahreszeit ist es schon spät, sodass sie in Kamerun in die Regenzeit hineinkommen werden. Das bedeutet in meterhohen Matschlöchern zu stecken. Da gibt es ohne fremde Hilfe kein Weiterkommen mehr. Und dann ist da noch das Problem Angola, das zurzeit nicht einmal Transitvisa ausstellt. Vielleicht hat sie als Südafrikanerin mehr Chancen eines zu bekommen als wir. Wir hegen mittlerweile aber keine Zweifel mehr, dass wir sie irgendwo im südlichen Afrika wieder treffen werden.



3 obrony - so werden wir Weiße genannt

Konstantin und Ghanas starker Arm des Gesetzes.

Die Bilanz gleich vorne weg: Konstantin hat es innerhalb seiner 8 Tage in Ghana geschafft 4 Amtshandlungen zu erwirken. Wieder einmal haben wir wegen seines verloren gegangenen Gepäcks am Flughafen nachgefragt. Wohl zu lange. Just im Moment als wir wieder unverrichteter Dinge losfahren wollten waren wir mit einem Mal von einer Polizeimannschaft umringt. Einer fummelte unter unserem Gefährt mit einem Eisenteil herum, das sich als moderner Morgenstern entpuppte. In den heutzutage humanen Zeiten wollte man uns sicher nicht damit den Schädel einschlagen, wohl aber aus dem Reifen Luft ablassen im Falle spontaner Fluchtgedanken. „No parking, no hauling, no dropping! This has to go to court.” Unglaublich welch fremdsprachlich eloquente Glanzleistungen man entwickelt um sich frei zu quasseln. Welch Kreativität steckt doch in uns alle, ein Tun oder Nichttun zu begründen (wohl auch ein Teil einer erfolgreichen Schulbildung). Jedenfalls der drohende Arrest konnte in 25 Cedis gewandelt werden. Natürlich nicht in die Staatskasse, der Staat hatte nichts mit den Bemühungen des Beamten zu tun.

Wer Konstantin kennt weiß um seine Freude zu Technik und Liebe zu Kraftfahrzeugen. Dass er uns in diesen Tagen herumchauffiert war also klar. Klar war aber auch, dass das jugendlich kraftvolle Tempo seines Fahrstils die Wahrscheinlichkeit verkehrsrechtlicher Fahrfehler erheblich ansteigen ließ. Es kam wie es kommen musste: “dangerous driving when overtaking a van, crossing the full line.“ Wieder langes Feilschen und Engelszungen haben uns anstelle von 300 Cedis nur 30 Cedis zahlen lassen dürfen. Selbstredend nicht einsehbar hinter dem Auto in das Privatsäckel des Uniformierten.

Tatort 3. dieselbe Straße, fast dieselbe Stelle aber ganz dieselbe Polizeimannschaft. Da man sich mittlerweile besser kennt erhalten wir Zwangsaudienz beim Chiefofficer. The same procedure as usual. Das anfänglich bedrohliche Gehabe wandelt ich zu freundschaftlichem Händeschütteln und Schulterklopfen, verbunden mit den besten Wünschen für einen guten Heimflug. Natürlich erst nachdem 40 Cedis den Besitzer gewechselt haben. Wie immer uneinsehbar hinter dem Auto.

Tatort 4. wieder Flughafen Accra. Konstantin voller Übermut und Freude und dem Zwangsaufenthalt in Ghana entronnen zu sein, springt über eine rotweißrote, (nicht österreichische) Absperrung, geradewegs in den starken Arm des Gesetzes, der Deus ex macchina aus der Dunkelheit hervorschnellt und dessen Hände wie Handschellen unseren Sohn hindern sich auszuleben. Der Schlüssel zum Lösen des förmlich eisernen Griffs: 2 Cedis. Peanuts verglichen mit dem bisherigen Geldfluss, ausgehandelt in einem verwinkelten Internetkaffee.

Ihr dürft uns glauben, Konstantin ist unser Lieblingssohn, aber hierzulande würde seine permanente Nähe zur Staatsgewalt und deren Forderungen unsere Nerven und unser Haushaltsbudget überfordern.

Wir waren also nicht unglücklich ihn beim Check-in Flug Nr. 262 der TAP abgeliefert zu haben. Wir wissen nicht, ob es danach noch zu weiteren Forderungen, bzw. Zahlungen gekommen ist.

 

 



Accra oder irgendeine andere Stadt in West-Afrika. Wer etwas auf sich hält, fährt Auto. Entsprechend ist der Verkehr. Hinzu kommen Horden von Straßenverkäufer vor jeder Verkehrsinsel oder Ampel. Chinesische batteriebetriebene Mückenkiller, Küchenuhren, Sonnenbrillen, Schuhe, Steckdosen, Flip Flops, aufgeblasene Plastikschwimmbecken, Kleiderbügel, Bananachips, Plastiktütchen mit Wasser, Kosmetikartikel, alles was der Afrikaner so braucht und wir nicht brauchen wird zwischen den wartenden Autos angeboten. Hinzu kommt an jeder Straßenkreuzung mindestens ein Polio-Krüppel, der sich auf Händen von einem Auto zum anderen hebt oder im Rollstuhl geschoben wird um Geld zu betteln. Am Straßenrand stehen Taxis, Tro-Tros wie die unzähligen Kleinbusse hier heißen, Busse und Lastwagen. Zwischen all dem Blech schlängeln sich Kolonnen von Menschen: Fußgänger mit Mobiltelefonen am Ohr, Frauen mit Kleinkindern auf dem Rücken gebunden, andere an der Hand führend, Lastenträgerinnen (femmes porteuses), Männer mit Handkarren, Radfahrer, Motorradfahrer. Alles ist zu einem schier unentwirrbaren Stau verkeilt. Auf den Straßenrand ausweichen geht nicht, da ist die offene Kanalisation und gleich dahinter sind die windschiefen Stände der Marktfrauen, Kioske, Kneipen. Und am Stadtrand dann die kokelnden Müllberge, auf denen kurzbeinige Ziegen und zerlumpte Menschen nach was Essbaren suchen.

 



Celebrity Golf Club Sakumono. Ein 18-Loch-Platz 200 Mitglieder. Erst seit kurzem sind es so „viele“. Davor waren es nicht einmal 100. Mit dem neuen Manager regt sich was. Wir dürfen hier kostenlos campen. Man besteht darauf, dass wir uns mitten auf dem englischen Rasen zwischen Clubhaus und 18.Loch hinstellen. Wenn schon, sollen wir jeglichen Komfort genießen. Wir trinken ein paar Bier mit den schwarzen „Celebrities“ des Clubs. Alles fat cats bzw grosses légumes.



Die nächsten Tage sind wir noch öfter am Golfplatz, spielen mit zwei Obronies (Weiße) Golf.

Roland ist Schweizer, Elektroingenieur in Pension und sein Freund Mark, ein 48-jähriger Südafrikaner aus Durban, der hier eine Shipping Company hat. Stundenlang hören wir bei lokalen Star – und Clubbier seinen Geschichten über Schwarze zu. Bei ihm buchen wir schließlich zusammen mit Christer und Mia das Verschiffen unserer Autos nach Walvis Bay Namibia.



Es gibt 3 Gründe warum wir unsere Reise nicht mit dem Auto fortgesetzt haben:

1. die politische Unsicherheit in Nigeria und die vielen Straßensperren dort. Teilweise versucht man sogar alle 200m abzukassieren. Vielleicht hätten wir sogar Glück gehabt und wären heil und nicht total Pleite durchgekommen, doch die Gefahr zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein war einfach zu groß.

2. die Regenzeit in Kamerun hat heuer früher als üblich begonnen. Da gibt es dann kein Durchkommen mehr. Wir kennen das von Botswana und Sambia. Wer sich ein Bild davon machen möchte im Youtube unter: Overland 4 X 4 in Cameroon oder Cameroon Juju and the worst road in Africa.

3. Wir bekommen kein Visum für Angola. Früher gab es 7-tägige Transitvisa. Für Reisende war es meist ein großer Stress in dieser Zeit auf den schlechten Straßen durch das große Land zufahren. Mittlerweile aber ist Angola so restriktiv, dass es nicht einmal mehr diese Transitvisa erteilt.



Zu lange waren wir in Ghana. Es war nicht einfach, verlässliche Informationen über Schiffe nach Namibia oder Südafrika zu bekommen. Anfangs hieß es alle Schiffe fahren im Uhrzeigersinn, d.h. über Europa, Suezkanal, Horn von Afrika nach Südafrika und Namibia. Erst nach mehrtätigen hartnäckigen Nachfragen bei verschiedenen Shipping Companies gab es dann doch plötzlich wöchentlich ein Schiff von Accra direkt in den Süden. Informationen über Start, Kosten, Details und Fahrtdauer des Schiffes sind trotzdem immer wieder anders. Wie lautet das Sprichwort: Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand. Fast 14 Tage müssen wir warten bis wir das Auto in einen 40' Container verstauen können. In der Zwischenzeit haben wir Mia und Christer wieder getroffen. Mit ihnen teilen wir uns Container und Kosten.

Freitag, 16.03. ein Stresstag. Pünktlich um 8.00 nach 2 Stunden durch den Stau Accras und Temas, dem Hafen waren wir bei der MAP Shipping Company. Dann geschah erstmal 2 Stunden lang nichts. Unsere Sachbearbeiter waren angeblich im Hafen. Die nächsten 3 Stunden saßen wir dann im Büro von Moses und warteten auf irgendwelche Papiere. Um 14.00 standen wir endlich im Hafen vor unserem Container. Aber nicht wirklich, denn davor wurde ein langer Lastwagen mit chinesischen Kochtöpfen aus einem Container beladen. Wir mussten auf die Zollbeamten warten, die gerade an diesem Tag ein großes meeting hatten. Wir nutzten die Zeit um Reservereifen, Alubox und Dachzelt abzubauen, nur so passte unser Auto in den Container. 16.00: der Zoll kommt, vergleicht Autopapiere mit Motor- und Fahrgestellnummer und Inventarliste mit Inhalt des Autos. Und dann beginnt das große Chaos. Mindestens 20 Schwarze schreien und gestikulieren wild durcheinander. Die einen verlangen, dass der Laster vor unserem Container wegfährt, die anderen sind der Meinung, dass nur wegen uns Obronis der Laster auf alle Fälle stehen bleibt. Inzwischen stehen weitere Lastautos zum Ver- oder Entladen daneben, große Kran stapeln Container. Es beginnt das Hin- und Herrücken und schließlich sind beide Autos im Container. Bereits in der Früh hatten wir daran erinnert, dass die Autos mit Spanngurte fixiert werden müssen. Aber erst jetzt machen sich unsere Betreuer auf dem Weg welche zu kaufen. Heimo verbringt lange Zeit in der brütenden Hitze des Containers um Reservereifen, Box und Rooftend zu fixieren und schließlich das Festzurren der Autos zu beaufsichtigen. Auch Christer, den normalerweise nichts aus der Ruhe bringt ist irgendwann total fertig. Als er mit seiner Winsch seinen Defender an einer Seite des Containers festmacht, wird dabei ein Schwarzer beinahe stranguliert. Das hätte gerade noch gefehlt: monatelang ohne Probleme durch Afrika unterwegs und dann stirbt ein Schwarzer durch unser Verschulden beim Verladen im Container.

Wir verschließen den Container mit unseren Vorhängeschlössern, der Zoll versiegelt ihn. Unsere Carnets bekommen wir falsch abgestempelt ausgehändigt, aber das ist uns jetzt auch schon egal. Zu fertig sind wir um uns darüber noch Gedanken zu machen. Wir wollen nur noch eins: zum Flughafen und nach Namibia fliegen. Um unsere Nerven noch um einen Tick mehr anzuspannen fährt der Taxifahrer als ginge es um einen Grand Prix.



"Nante yi ee, obruni" Tschüss Weißer!

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