Baobab bei Sonnenaufgang

Februar 2012



 

République de Côte d’Ivoire (CI)

 

Ivory Coast

 

27.01.2012


AKWABA – WILLKOMMEN 

 

Fast täglich planen wir unsere Reise neu. Immer wieder gibt es andere Informationen, Gerüchte. Wer Afrika durchquert sollte auf dem Laufenden sein, um zu „wissen welcher Ausgang momentan verbarrikadiert, welcher Flughafen geschlossen ist, wo die einzige Brücke weggeschwemmt wurde, wer wen gestern Abend aus seinem Präsidentenbett geschossen hat.“ Wie soll unsere Reise weitergehen? Nigeria ist geschlossen. Auch wenn wir wollten, kommen wir da zurzeit gar nicht rein. Visum für Angola gibt es auch keines. Bleibt also nur das Einschiffen in Ghana nach Namibia oder wir finden einen Platz wo wir das Auto einstellen können, während wir für einige Monate zurück nach Europa fliegen. Aber vorher? Sierra Leone soll ganz toll sein, aber da müssten wir durch Guinea und das wiederum ist sch…da die Menschen dort unfreundlich und aggressiv sein sollen. Liberias Ruf ist mittlerweile auch o.k. Doch müssten wir dann das Ententevisum erneuern, das verfällt sobald man ein Land bereist, das nicht bei der Entente ist. Und wann und wie wollen wir nach Benin und Togo?



390 km auf Hauptverbindungsstraßen an einem Tag sind in Europa nicht viel. In Afrika kann es sehr viel sein. Wir haben heute fast 10 Stunden dafür gebraucht. Dabei sind wir nur ein einziges Mal kurz zum Pinkeln stehen geblieben. Teilweise ging es im Zick-Zack-Kurs wegen der vielen Schlaglöcher. Und viel Zeit haben die Aufenthalte an der Grenze gekostet. Zuerst der Zoll von Burkina Faso. Dort brauchten wir den Ausreisestempel fürs Carnet de Passage. Als wir eintreten kauern die Beamten am Boden, in ihrer Mitte eine flache Blechschüssel mit Reis und Sauce. Sie frühstücken. Mit der rechten Hand (die linke ist die Toilettenhand) werden Bällchen gedreht, in die Sauce eingetaucht und zum Mund geführt. Lachend erhebt sich einer, betrachtet seine fettige Hand geht vor die Tür, nimmt die Teekanne, die hierzulande immer als Wasserkanne dient, leert sich etwas Wasser über die Finger. Dann geht er ins Büro zurück, wo die anderen gemütlich weiteressen und trocknet sich die Hände am zerschlissenen Vorhang, mit der undefinierbaren Farbe ab. Jetzt ist er bereit für den Stempel.

Nach 25 km kommt die Gendarmerie. Nachdem sämtliche Daten sorgfältig in ein großes Buch eingetragen wurden - die Beamten haben es nie eilig - bekommen wir den Ausreisestempel in den Pass. Weiter geht’s durch Niemandsland. Unser Entente-Visum das für Niger, Togo, Benin, Burkina Faso und Elfenbeinküste gilt, haben die Grenzbeamten hier zum ersten Mal gesehen. Unsere Pässe wandern von Hand zu Hand, werden immer wieder um 360° gedreht und diensteifrig inspiziert. Wir reden uns den Mund fusselig. Es kommt der oberste Chef. Schließlich hat man ein Einsehen und wir bekommen den Stempel in die Pässe, aber erst nachdem wieder sämtliche Daten in das große Buch eingetragen wurden. Beim Zoll der CI dauerte die Prozedur am allerlängsten. Wir staunten nicht schlecht über das schöne Büro.  Zwei Schreibtische, jeder mit Computer und Drucker ausgerüstet, ein Wandschrank. Bisher haben wir immer nur schreckliche Hütten zu sehen bekommen, finster, schäbig mit einem wackeligen Stuhl und einer alten Platte, die als Tisch dienen sollte und einer Pritsche mit schmuddeligem Bettzeug auf der geschlafen wird. Aber der Fortschritt hat seinen Preis. Es müssen gleich mehrere Seiten ausgedruckt und dem Chef zur Unterschrift unterbreitet werden bevor unser Carnet endlich abgestempelt wird.

 

Heimo

Ich habe sie immer ein bisschen beneidet, die dottores um ihr Dr. vorne dran und sei es nur eines in Geographie, Soziologie oder Theologie. Heute aber hat meine Stunde geschlagen, heute habe ich gleichgezogen, nein, überholt habe ich alle Dres.

Bei der Einreise in die Elfenbeinküste wurde nach kundigem Blick des Beamten das Dipl.Ing. in meinem Pass als Berufsbezeichnung Diplomat erkannt. Bitte vergesst also in Hinkunft nicht bei mir das Excellenz voranzustellen. Auch wenn es nur von der Elfenbeinküste stammt.

 



die Krone eines Teakbaum

Der Norden der Elfenbeinküste ist flach und langweilig. Cashew- und Mangoplantagen. Die niederen Wälder wurden meist abgeholzt um Holzkohle herzustellen. Am Straßenrand stehen, wie fast im gesamten Afrika, aufgereiht Kohlensäcke. Teakbäume wurden aufgeforstet, aber sobald sie eine bestimmte Größe haben werden sie gefällt und kommen in den Meiler. Bald sprießen aus den Baumstümpfen senkrechte lange Äste mit großen Blättern, teils braun, teils grün. Schön sind die Teak-Bäume aber erst wenn sie riesig sind.

Vor uns fuhr ein Lastwagen mit Baumwolle. Kilometerlang liegen weiße Wattebausche auf der dunklen Fahrbahn und am Straßenrand. Wir fragen uns ob er noch was geladen hat, wenn er am Ziel angekommen ist. Auf der Strecke ist relativ viel Lastwagenverkehr. Die meisten LKW's sind leer, aus Mali und Burkina kommend sind sie auf dem Weg zum Hafen in Abidjan.



Wir erreichen Yamoussoukro, seit 1983 die politische Hauptstadt des Landes. Sie ist die Geburtsstadt des ehemaligen Präsidenten Félix Houphouët-Boigny, der sich mit dem Bau der römisch-katholischen Kathedrale Notre Dame de la Paix unsterblich machte. Als Kopie des Petersdoms in Rom geplant, gilt sie als die größte Kirche der Christenheit. Die Kathedrale wirkt mit ihren riesigen Dimensionen fehl am Platz, speziell in einem Land, in dem Katholizismus eine Minderheitsreligion ist. Besonders anzumerken ist die Behauptung des Präsidenten er habe diesen Megalobau aus eigener Tasche finanziert. Zuvor aber muss er wohl jemand anderem in die Tasche gegriffen haben. Nachdem der Unterhalt der Kathedrale recht kostspielig ist haben sich die Ivoraner was Cleveres einfallen lassen: sie haben sie dem Vatikan geschenkt.

Grotesk wirken die überbreiten Straßen ohne Verkehr mit den übertrieben hohen Laternen.

Wir spüren bereits das tropische Regenklima, auch abends noch drückt es uns den Schweiß aus allen Poren.

 

Straßensperren, Militär, Politiker; darf alles nicht fotografiert werden, aber Spinner schon

Auf der ganzen Strecke sind Straßensperren mit ausziehbaren Reifenkillern. Uniformierte in Kampfanzügen und Waffen. Wir wissen nicht sind es Rebellen oder Truppen der Regierung. Sie betteln. Wollen Geld oder etwas zu Essen. Als wir ihnen mitteilen, dass wir nichts haben geben sie uns zu verstehen, dass sie uns nicht glauben, wünschen uns aber trotzdem eine gute Weiterreise. "Bonne chance!" Nur einmal sagt einer ich sei "mauvaise" böse.

Auffallend ist die allgegenwärtige Präsenz der UN-Truppen mit hochglanzpoliertem Fuhrpark und Chauffeur. Überall verstreut sind ihre Kasernen und Warehouses. Sie garantieren den Frieden in einem Land in dem bis zur Festnahme des früheren Präsidenten Laurent Gbagbo, im April 2011 bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen stattfanden. Nach seiner Wahlniederlage im November 2010 (war es wirklich eine Niederlage? denn gefälscht hatten beide Parteien, aber sein Nachfolger hatte die Unterstützung des Westens), hatte er sich geweigert Alassane Ouattara die Macht zu übergeben. Nun ist Gbagbo in Den Haag wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt: Morde, Vergewaltigungen, Verfolgung werden ihm angelastet. Wir erinnern uns an einen Artikel in der SZ Anfang letzten Jahres indem geschildert wurde wie der neue Präsident Ouattara von einem Hotel in Abidjan aus versuchte seinen Regierungsgeschäften nachzukommen, nachdem Gbagbo sich weigerte zurückzutreten.



der ist nicht aus Schokolade

Kulturschock Abidjan, das „Paris Westafrikas“.

So viel Luxus haben wir auf diesem Kontinent nur in Südafrika, in Johannisburg oder Kapstadt gesehen. 5 Millionen Einwohner, Hochhäuser, saubere Straßen, Kaffees, Restaurants, neue Mercedes, BMW, Audi. Auch die vielen Taxis machen, im Gegensatz zu den vorhergehenden Ländern, nicht den Eindruck als würden sie jeden Augenblick auseinander fallen. Hier bewegt sich die Welt nicht mehr mit der Geschwindigkeit von Kamelen oder Esel. Es regnet. Zwei kurze Schauer. Für uns der erste Regen seit drei Monaten. Es riecht herrlich modrig. Wir wohnen in einem chinesischen Hotel. Das war nicht unsere erste Wahl, aber entweder war das Hotel ausgebucht oder wir konnten unser Auto nicht sicher abstellen.

Sonntagnachmittag. Wir sitzen vor einer Patisserie, drinnen ist es saukalt. Kein Haus hier ohne Klimaanlage. Unglaublich was da alles daherkommt. Fettleibigkeit und dicke Mercedes müssen Statussymbol sein, nicht nur bei den Schwarzen, sondern auch bei Arabern und Weißen.

Es heißt, dass jede Stadt ihren Geruch hat. Abidjan riecht nach Schokoladenpudding. In unserer Nähe sind gleich zwei Kakao-Fabriken.



Der Ausflug nach Grand Bassam der früheren Hauptstadt, ist wegen der alten Kolonialbauten schön. Die ehemals weißen Gebäude sind vom Schimmel durchsetzt und vermitteln so besonders den Glanz und das Morbide vergangener Zeiten. Wir fahren gemächlich durch ein schmales Gässchen, als mit einem Mal ein lautes Geschrei losging. Leute fuchtelten mit wilden Gebärden nach oben zu unserem Auto. Vor lauter Schauen haben wir eine Stromleitung gekappt, die für unsere Autohöhe zu niedrig gehangen hat. Der Volkszorn hielt sich in Grenzen und so suchten wir, vom Kabel wieder befreit, schnell das Weite, bevor der Endabnehmer seine Unter- bzw. Nichtversorgung bemerkt.

 



Bei der Botschaft von Ghana will man uns kein Visum aushändigen. Begründung: You are not resident. Wir wollen den Botschafter sprechen. Dazu müssen wir ein Blatt ausfüllen, auf dem steht wer wir sind und der Grund unseres Anliegens. Der Botschafter ist angeblich nicht da. Nach einer Weile heißt es wir bräuchten auf alle Fälle ein letter of invitation, ein Empfehlungsschreiben aus Ghana. Wir versenden Emails an den dortigen Direktor des Goetheinstituts, an eine deutsche Organisation für Waisenkinder, an verschiedene Hotels. Schon vorher, in Bamako und Ouaga  hatten wir von anderen Selbstfahrern gehört, dass sie das Ghana-Visum nicht erhalten hatten.

Wir haben keine Lust länger in Abidjan herumzuhängen bis wir Antwort bekommen und fahren in den Westen. Dort wo keine Ölpalmen- und Kautschuk-Plantagen angepflanzt sind, frisst sich der Dschungel in die Straße hinein. Wir genießen das satte Grün, endlich dem Staub entronnen zu sein, der uns durch so viele Länder begleitet hat. Nur an wenigen Dörfern kommen wir vorbei. Der Unterschied zwischen arm und reich ist hier besonders krass. Auf der Straße zum Trocknen ausgebreitet liegen Kakaobohnen.



als sie den Rochen fingen gab's ein Riesenfest

In Dagbego verlassen wir die schlechte Hauptstraße und fahren über eine Piste zum Meer hinaus. „Best of Africa“ ist, oder besser, war eine Lodge in einer schönen Bucht. Sie gehört einem Franzosen, der mit einer Mestizin verheiratet ist. Seit der „Krise“, so nennen es die Einheimischen, ist die Lodge geschlossen, der Franzose wieder in Frankreich. Wir parken das Auto abseits der Lodge unter hohen Bäumen, ganz nah am Meer. In der Nähe ein Fischerdorf. Die Fischer verkaufen uns den catch of the day, eine Schwarze filetiert ihn für uns.

Als wir abreisen gibt es längere Diskussionen mit den früheren Angestellten. Es ist klar, dass wir für unseren Aufenthalt bezahlen. Der übliche Preis scheint uns mehr als angemessen, da wir außer den schweren Teakholz-Liegestühlen nichts beanspruchten. Aber damit sind sie nicht zufrieden, und das ist typisch für Afrika und die Afrikaner. Sie haben seit Monaten kein Gehalt mehr bekommen und glauben nun, dass sie ein Anrecht hätten von uns entschädigt zu werden. So zumindest bringen sie es rüber.


An dieser Stelle möchte ich all jenen, die sich für Afrika interessieren ein Buch ans Herz legen, . Axelle Kabou, Weder arm noch ohnmächtig. Eine Streitschrift gegen schwarze Eliten und weiße Helfer. Kabou hat dieses Buch vor 20 Jahren geschrieben. Nichts, aber wirklich gar nichts hat sich seitdem in Afrika geändert. Ihre Thesen haben seinerzeit heftige Kritik in Europa und Afrika ausgelöst. Die 1955 im Kamerun geborene Kabou studierte Anglistik, Ökonomie und Kommunikation in Paris, übersetzte zahlreiche Publikationen aus dem Englischen ins Französische, arbeitete als Beraterin und Koordinatorin von verschiedenen Entwicklungsprojekten in Westafrika. Dann verliert sich ihre Spur, angeblich wurde sie umgebracht, noch ehe ihr nächstes Buch über afrikanische Eliten veröffentlicht werden konnte. 

In San Pedro, schon nahe der liberischen Grenze, möchten wir eine Kakaofabrik besichtigen. Wir machen den Fehler zuzugeben, dass wir Touristen sind und keine großen Createur de chocolat. „Nein, das geht nicht, man muss lange vorher einen Termin vereinbaren und außerdem für Touristen…“ Ich wage es nicht zu behaupten ich sei Juliette Binoche.

Die Stadt gefällt uns trotzdem, das hängt sicherlich damit zusammen, dass wir in einem netten Hotel italienischer Führung wohnen, vom Koch besonders bekocht werden und die Kakaobohnen sogar am weißen puderigen Strand liegen. Hier hat wohl ein Tanker mal was anderes als Rohöl verloren!?



Die Elfenbeinküste gehört eigentlich umgetauft. Schon lange gibt es hier keine Elefanten mehr, daher auch kein Elfenbein. Dafür ist das Land der größte Kakaobohnen-Produzent der Welt (30%). Übrigens sollen Regierung wie Rebellen den Bürgerkrieg mit Einkünften aus dem Kakaohandel finanziert haben. Ich schlage also eine Umbenennung in Kakaoküste oder Schokoladenland vor.


Wir wären gerne in den Parc National de Tai gefahren. Dort soll es besonders talentierte Schimpansen geben, die eine eigene Technik entwickelt haben Nüsse zu knacken. Zuerst suchen sie sich einen ganz speziellen Stein. Dann wählen sie den geeigneten Nussbaum aus. Er muss erstens die Nüsse tragen die schmecken und zweitens so gewachsen sein, mit Nische oder Baumstumpf, dass sie ihn als Amboss verwenden können. Der Schlag will richtig dosiert sein, sonst öffnet sich die Nuss nicht, oder es bleibt nur noch ein Mus. Leider ist der NP seit der „Krise“ noch immer geschlossen und wegen der Rebellen warnt man uns dringend davor in diese Gegend zu fahren. 

Zurück nach Abidjan fahren wir über das Landesinnere. Diese Strecke ist zwar weiter, soll aber sicherer und in einem besseren Zustand sein. Zweimal die gleiche Straße fahren wir sowieso nicht gerne.

Diesmal, genau eine Woche später erscheinen wir besser vorbereitet vor der mürrischen Lady der ghanaischen Botschaft; ausgerüstet mit 2 Empfehlungsschreiben und einem eigenen Brief indem wir minutiös erklären, warum wir ein multiple entry für 6, wenn möglich sogar 12 Monate für Ghana beantragen.

In der Zwischenzeit schlagen wir uns die Zeit tot indem wir die wenigen Sehenswürdigkeiten der Stadt anschauen: La Pyramide gezeichnet vom italienischen Architekten Olivieri und die eigenwillige Kathedrale St. Paul. Kurz vor Sonnenuntergang flattern Millionen von Fledermäusen kreischend zwischen den Hochhäusern im Zentrum der Stadt. Wie schwarze Früchte hängen sie in den hohen Bäumen.

Wir suchen gute Restaurants auf. Das Beste, laut einer Empfehlung ist das Le Mechoui, ein libanesisches Lokal. Libanesen gibt es in ganz Afrika, nirgendwo sind sie sehr beliebt, aber sie sind gute Kaufleute und schaffen Arbeitsplätze, also werden sie toleriert. Aber Neid ist auch eine Form der Anerkennung. In Abidjan leben über 60.000, nach Brasilien die größte Community außerhalb des Libanon.



Ihre Exzellenz oder Papa Blanc

Heimo

Zwei Worte eine Schmach.

Ich zucke zusammen. Jedes Mal wenn ich es höre. Ich könnte ja lachen über diese naive Offenheit und Ehrlichkeit, wenn es nur nicht mich beträfe. So aber empfinde ich es als instinktlos, als grobe Taktlosigkeit und falsche Taktik. Sie wollen Beachtung, wollen einen Deal. Warum rufen sie nicht „Baron Rouge“ wegen meiner vormaligen roten Haare – gut, das können sie nicht wissen – oder „Beau Bleu“ wegen meiner schönen blauen Augen. Aber was rufen sie, die Blödiane: „Papa Blanc“. Zwei Worte die mich wie ein Messer mitten ins Herz meines Selbstwertgefühls treffen. Die mich ins Abseits, ins Ausgedinge katapultieren. Ich dreh mich natürlich nicht um, will mich nicht betroffen fühlen. Sinne aber nach Rache. Wie wär’s, wenn ich bei passender Gelegenheit mit dem Finger über eine schwarze Haut streiche und dann den Zeigefinger wie nach Farbe suchend betrachte. Aber Vorsicht ist geboten. Sie sind mir zahlenmäßig und leider auch kräftemäßig überlegen. Ich muss mich einer feineren Klinge bedienen. Aber werden sie mich dann verstehen?



unsere Bibliothek

Eines haben wir mittlerweile gut gelernt: den Umgang mit der Polizei. Wann immer wir aufgehalten werden strecken wir im vorauseilenden Gehorsam die Hand zum Gruß aus dem Fenster. „Bonjour Monsieur!“ Über diese Geste sind sie zuerst überrascht dann hocherfreut und schütteln zufrieden lachend unsere Hand. Dann fragen wir nach dem Weg, nach…irgendwohin, stottern ein wenig herum. Bereitwillig erklären sie und fast immer haben sie den Grund vergessen, warum sie uns aufgehalten haben. Wenn ein besonders Hartnäckiger noch immer zögert uns mit: “allez-y!“ zu entlassen, stottern wir weiter: wir Touristen, schönes Land, das schönste das wir bisher gesehen haben. Neuerdings, seit dem Fußball-Afrika-Cup sind wir Fan von dem jeweiligen Land indem wir uns gerade befinden. Und spätestens dann dürfen wir weiterfahren.

Entgegen kommt uns bei den Kontrollen unser Auto. Sie sehen nur die Fahrerkabine. Da liegen nur Bücher herum und mit Büchern hat homo africanus nichts am Hut. Der hintere Teil des Autos mit den getönten Scheiben, bleibt den neugierigen Augen, denen normalerweise nichts entgeht, verborgen. Apropos Auto, bisher wurden wir bestimmt schon hundert Mal gefragt ob wir es nicht verkaufen wollen. Aber Heimo gibt sein Baby nicht her.



In Assinie im Osten des Landes haben viele Abidjaner ihr Wochenendhaus direkt am Meer. Die Gegend macht aber einen verlassenen Eindruck. Diese Stimmung wird durch das Wetter verstärkt; die Luft ist staubbeladen und trüb. Der Harmattan, der Wind aus der Wüste verdüstert in der Trockenzeit häufig den Himmel. Die Brandung ist groß. Das Hotel indem wir uns einquartieren wollen wurde im Herbst vom Meer weggespült. Ein paar junge Männer sitzen gelangweilt und biertrinkend am Strand. Bred, Surflehrer und Engländer, hat zurzeit nichts zu tun und freut sich umso mehr mit uns Weißen zu plaudern und ein paar Bierchen zu trinken.



Von CI sind wir begeistert. In den Städten neben den vielen reichen Leuten stellten wir zum ersten Mal so was wie eine Mittelschicht fest. Neben so manchem offenem warmherzigem Lächeln haben wir auf dem Land auch Feindseligkeit zu spüren bekommen.

Verblüfft hat uns die Tatsache, dass das deutsche Auswärtige Amt keine Reisewarnungen für Elfenbeinküste ausspricht.

Erst nach Tagen in San Pedro haben wir erfahren, dass die EU ihre Mitarbeiter im Land nur noch per Flugzeug verreisen lässt, da das Fahren auf den Straßen nach den kürzlichen Raubüberfällen zu gefährlich geworden ist. Man glaubt es kaum, aber wir haben in diesen 12 Tagen in CI keinen einzigen Touristen getroffen. Unwissenheit ist die erste Voraussetzung für jedes Abenteuer.



- weiter geht's unter Ghana