Schönes grünes Burundi            

Nigute             

Bereits in Deutschland wollte ich uns ein Visum für Burundi besorgen. Wir hätten genau angeben, wann und wo wir gedachten ein- bzw. auszureisen und die Buchung eines Hotels vorweisen müssen. Wissen wir das 4 Monate vorher? In welchem Hotel wir absteigen wollen entscheiden wir Vorort. Uns ist ein bewachter Parkplatz wichtiger als ein schönes Zimmer.

Ich las 20US$ soll ein 3-Tages-Visum kosten. Ich las aber auch eine Geschichte von einem Journalisten, der vom Grenzbeamten gefragt wurde wie viel ein Visum für Tansania koste und als dieser antwortete 50$, wollte er auch 50 haben.  Der Journalist  machte ihm daraufhin klar, dass das Tansania-Visum aber für 3 Monate gilt. Tatsache ist, dass Burundi die Gebühr inzwischen verdoppelt hat, nicht aber die Verlängerung. Für uns heißt das, entweder in drei Tagen durch das bergige Land durchfahren, oder aber  in Bujumbura, der Hauptstadt eine Verlängerung zu beantragen. Wie viel das kostet, konnte uns an der Grenze niemand sagen.

Teeplantagen

Klein ist das Land (ungefähr wie Hessen), und viele Sehenswürdigkeiten hat es auch nicht, aber bald nach der Grenze fangen die Überlegungen an: sollen wir entlang des Tanganjika Sees nach Norden, oder lieber nach Osten ins Landesinnere zur Quelle des weißen Nils. Letzteres bedeutet sicherlich Stunden oder gar Tage auf schlechten Pisten dahinschaukeln und darauf  haben wir zurzeit beide wenig Lust. Einen  Vorgeschmack haben wir schon  gleich an der Grenze bekommen, wo die Asphaltstraße Tansanias in eine schaurige Piste mündete. Das erste Auto das uns entgegen kommt hält an und zeigt nach rechts. Was? In diese Löcher sollen wir ausweichen? Aber dann geht uns ein Licht auf; in Burundi herrscht Rechtsverkehr.  Die Insassen des anderen Autos und wir lachen, die Daumen werden hochgehoben. Und weiter hoppeln wir. Schnell begreifen wir, links oder rechts, ist schon egal,  man braucht die ganze Fahrbahn um den Schlaglöchern auszuweichen.

Resha Imperial Resort Beach Hotel, ein wohlklingender Name, ein idyllischer Ort mit Geschichte, direkt am Tanganjika See, da, wo auf der anderen Seite des Sees ein Zipfel des Kongo mit der dahinterliegenden Burton Bucht zum Greifen nahe ist. Aber ReshaSaga ist eine Anlage der Regierung und wir schütteln über so manchen Bau verwundert den Kopf.  Die Rezeption ist im Schloss eines Herrn Alfred  Maus untergebracht, einem belgischen Geistlichen, der sich in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts sehr für die Unabhängigkeit Burundi/Ruandas eingesetzt hat. Vom höchsten Punkt seines Schlosses hat er sich in die Tiefe gestürzt, nachdem er sein Grab, ein paar Meter über dem See, aus einem Fels selber herausgemeißelt hatte.            

Wieder einmal fällt uns der Unterschied zwischen einem ex-frankophonen  und einem ex-britischen Kolonialland auf. Hier scheint jeder auf der Straße zu sein und strahlt ‚joie de vivre‘ (Lebensfreude) aus,  Scharen von Kindern spielen im Straßengraben oder daneben, von überall her tönt Musik. Jedes Dorf hat unzählige Cafetariat  (so heißen die Cafés hier) und Restaurants, oft auch nur in Größe von Dixi-Klos. Im mörderischem Tempo und ununterbrochenem Hupen  brausen die Kleinbus-Taxis durch die belebten Ortschaften.

 

Einen Tag verplempern wir in Buja, wie die Hauptstadt liebevoll von den Einheimischen genannt wird,  mit der Verlängerung des Visums und der Beschaffung von Bif, burundischen Francs. Hätten wir vorher geahnt welcher Aufwand das sein würde,  wir hätten sicherlich darauf verzichtet. 24-Stunden-ATM-Schalter und große Visa-Werbungen haben uns glauben lassen mit unserer Karte könnten wir, wie in den anderen Ländern Geld ziehen.

Source du Nil

Der Deutsche Dr. Burkhart Waldecker entdeckte 1930 auf 2040m Höhe in der Nähe  des Mt. Kikizi die Quelle des Weißen Nil. Viele vor ihm hatten danach gesucht, Burton, Speke, Livingstone, alle im Auftrag Englands, um eine schiffbare Verbindung zum Atlantischen Ozean zu finden. Diese Wasserscheide ist der südlichste Punkt, von dem aus das Wasser in den Norden, ins Mittelmeer abfließt, südlich davon entwässern alle Quellen über den Kongo in den Atlantischen Ozean. Ich stehe vor dem Becken; ein Loch in den hellblauen Kacheln speit ca. 1 l reinstes ‚weißes‘ Nilwasser pro Sekunde hinein (die Wassermenge wurde von meinem persönlichen Wassertechniker der Boku-Wien genauestens berechnet) und ich bin enttäuscht. Ich weiß nicht warum, höchstwahrscheinlich hatte ich mir die Quelle wilder, oder sumpfiger, auf alle Fälle anders vorgestellt.

Kirundo und die Vogelseen im Nordosten

Ein Gästehaus mit gutem Restaurant, eine Schule, eine Krankenstation  geführt von Schwestern, den Soeurs de SainteTèrèse direkt am Cohoha See.

Wider Erwarten waren fast alle Straßen im Landesinneren Burundis gut und frisch geteert. Ein Dorf reiht sich an das andere, Menschen gehen in Kolonnen die Straße entlang, wie die Ameisen, die einen hin, die anderen zurück, oder sie schieben Fahrräder, schwer beladen mit Holzkohle, gelben Plastiktanks mit Wasser, Ziegelsteinen, Getreidesäcken oder tropischem Holz. Mal kurz anhalten und pinkeln geht hier nicht.

Hirse, Sorghum

Die Felder reichen sogar die steile Böschung hinunter bis zum Straßengraben. In gebückter Haltung, ein Kind am Rücken festgebunden, bearbeiten Frauen  mit einfachen Harken die schwere Erde. Und, wohin man schaut: Kinder, Kinder, Kinder. Mir wird angst und bange.  Burundi, obwohl so fruchtbar, kann sich jetzt schon nicht selber ernähren und wird in Zukunft  noch mehr Hilfe brauchen. Allgegenwärtig, wie in so vielen anderen Afrikanischen Ländern  die Lebensmittellager und aufgemotzten weißen Fahrzeuge  mit den langen Antennen verschiedener Hilfsorganisationen aus aller Welt ; UN, UNHCR, Unicef, WFP, EU, Rotes Kreuz u.a . Die internationale Gemeinschaft finanziert mehr als 60% des Haushalts der Regierung. Und droht sie den Bürgerkrieg wieder anzufachen erhält sie weitere Millionen Dollar.

Ankole- oder Watussirind

Die deutsche GIZ (Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) startet gerade ein Programm um diesem explosionsartigen Bevölkerungszuwachs Einhalt zu gebieten. „Das wird schwierig und langwierig. Aufklärung in den Schulen, vorsichtige Zusammenarbeit mit der Kirche, kostenlose Vergabe der Antibabypille …“ sagt uns die junge Deutsch-Iranerin die wir in einem Cafè  kennen lernen.

Ebenso sinnvoll finde ich private Projekte, die ehemalige Kindersoldaten betreuen. Weg von der Straße, finden sie ein Zuhause und  bekommen eine Ausbildung.

Die Obrigkeiten des Landes wollen aber alle Projekte absegnen und lehnen, oft genug aus Desinteresse oder fehlendem Eigennutz, ab.

 

Oryxweber (Southern Red Bishop)

Wieder in Buja diesmal unfreiwillig.

In unserem Reiseführer steht: Deutsche brauchen für Ruanda kein Visum, Mitglieder der restlichen EU-Länder bekommen das Visum bei Einreise am Flughafen oder an der Grenze. Wir stempeln unsere Pässe und das Carnet fürs Auto aus Burundi aus und fahren bis zur Schranke an der Einreise zu Ruanda. „Das ist eine ganz falsche Information“, erklärt uns der Grenzbeamte, „hier gibt es kein Visum.“ Ich fasle was von ‚Exception‘ und ‚laisser passer‘ Er telefoniert mit Kigali. Rien. Es ist Wochenende, die Botschaft von Ruanda in Buja hat geschlossen. Als wir am Montag Punkt 8.00 dort mit ausgefüllten Formularen, Passfotos und Kopien erscheinen erfahren wir, die Ausstellung der Visa gehe über Kigali und dauere mindestens 48 Stunden. In der Zwischenzeit verfällt auch unser Burundi-Visum.

Mittlerweile sind wir am Campingplatz an der Saga Beach unter den schönen Limbabäumen, direkt am Tanganyika See bereits Stammkunden und kennen alle guten französischen Cafès, Pâtisseries, Restaurants, Boucheries und Boulangeries der Stadt. Sie könnten in Frankreich nicht besser sein. Wer hier einkauft? Wie in allen armen  Ländern gibt es auch hier sehr reiche Burunder und dann ist da noch das Heer der Hilfsorganisationen. Sie treiben auch die Hotelpreise in die Höhe, was das Reisen durch Afrika nicht gerade billig macht.

 

Kein Schlusswort; hab schon zu viel geschrieben. (siehe auch unter Kurioses, Kleines Burundi ABC)

 

Naga Saga!

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