August 2012 

 

BOTSWANA

 

Merkel verpasst. Schade! Über Berlin sind wir nach Windhoek geflogen. In Berlin Bötchenfahrt auf dem Spreekanal bei 39°. Im Bundeskanzleramt war Tag der offenen Tür. Ein Blick ins Programm: Die Bundeskanzlerin ist da. Wir hatten bereits unsere Taschen abgegeben als wir die lange Warteschlange sahen. Bei aller Liebe zu Angela….



Heimo streichelt eine Meerkaat

In Windhoek holt uns Christina vom Elisenheim am Flughafen ab. Als wir auf die Farm kommen wird gerade unser Auto gewaschen, dann ist es startklar. Der Service wurde schon Tage vorher erledigt.

In Windhoek sind wir schon fast zu Hause: Kaufen uns ein Garmin Nüvi-Gerät, einen Internetstick (den alten hab ich verloren), ein faltbares Plastik-Waschbecken, eine Thermosflasche usw.

On the road again…ca.800 km auf dem Transkalahari Highway, einer guten zweispurigen Asphaltstraße durch die Kalahari. Richtung Botswana. Beidseitig ein ca. 20 m breiter Streifen gelben Grases. Rinder, Schafe, Ziegen, Esel und Pferde grasen und spazieren immer dann über die Straße wenn wir mit 120kmh heranbrausen. Auf unser lautes Hupen reagieren sie unterschiedlich. Esel verharren stoisch mitten auf der Fahrbahn, Rinder und Schafe spazieren äußerst langsam und unwillig weiter. Hinter dem Grasstreifen schließlich der endlose Drahtzaun und dahinter vertrocknetes Dornengestrüpp.





Stachelschwein

In der Zeldafarm sehen wir der Fütterung des Stachelschweines, der 4 Cheetahs und des Leoparden zu. Wir erfahren dass es viele Geparden im Lande gibt, die werden nach Botswana zurückgejagt. Kommen sie aber zwei Mal wieder, dann werden sie erschossen. Die San (Buschmänner) erkennen an der Spur ob es sich um dieselben handelt. Leoparden dürfen normalerweise nicht gehalten werden. Dieser hier wurde aber als Baby mit der Flasche aufgezogen. Er lässt sich von der Farmerin durch den hohen Maschendrahtzaun hindurch sogar streicheln. Doch als ich mich mit dem Fotoapparat auf 10m nähere faucht er angsteinjagend.

 



Am nächsten Tag reisen wir in Botswana ein.



v.li.: Theo, Schüler; Klaus, Mathematiker; Heinz, Rechtsanwalt; Regina, Lateinlehrerin; Lilli, Studentin für Erneuerbare Energien; Barbara, Ärztin. Der Dipl.Ing. sitzt am Dach. Leider ist kein Zoologe und kein Ranger dabei.

Maun. Wir müssen Einkaufen, Tanken, Geldabheben, brauchen eine Simcard. Parken auf irgendeinem Parkplatz und wer hat gerade drei Autos weiter geparkt? Barbara und Heinz. Großes Hallo. Sie kamen aus dem Norden, dem Caprivistrip. Klaus und Regina mit Lilli und Theo waren in Mozambik und Zimbabwe, trudeln aus dem Süden 2 Stunden später im Audi Camp (hat nichts mit der gleichnamigen Automarke zu tun) ein. Gemeinsam wollen wir die nächsten Tage durch den Central Kalahari Game Reserve.



CKGR (Central Kalahari Game Reserve)

Größer als Dänemark, ist nach Selous in Tansania das 2.größte Wildschutzgebiet. 1961 gegründet um die einzigartige Flora und Fauna zu schützen.


The ultimate wilderness experience. Abtauchens in eine andere Welt: Trockenbuschsavannen, offene Ebenen, ausgetrocknete Salzpfannen, Dünen und natürlich Wildtiere. Alle 46 Säugetier- und 278 Vogelarten die hier leben sahen wir natürlich nicht, dafür unvergessliche Sonnenuntergänge. Wir genossen totale Ruhe, Isolation und Einsamkeit. Sandebene soweit das Auge reicht. Wer das nicht mag, der findet es bestimmt langweilig. Wir finden diese eigentümlich spröde Schönheit der Natur spannend und spektakulär. In der tiefen Abendsonne wirkt die Eintönigkeit unglaublich besänftigend auf mich.



Wir verringern den Reifendruck. 2 parallele Spurrinnen mäandern im teilweise tiefen Sand.

Auf der kurvigen Wellblechpiste hoppeln wir nur langsam dahin und werden stundenlang durchgeschüttelt. Im Auto fliegt alles was nicht niet- und nagelfest ist durcheinander. Ein ständiges Auf und Ab, Hin und Her. Eine Strapaze für Auto, Inventar und Passagiere. Dann wieder scheint das Auto im Sand zu schwimmen und der Vierradantrieb arbeitet sich im 1. oder 2.Gang nur langsam vorwärts, aber nur einmal brauchen wir die Sandbleche und Schaufeln. Spröde Äste dorniger Sträucher peitschen beidseitig das Auto und kratzen am Autolack. Wehe dem, der seinen Ellbogen am Fenster ablegt oder gar die Hand rausstreckt.

 



 

An einem Sandorf machen wir Halt: ein paar Rundhütten, die Wände aus Stöcken, das Dach grasbedeckt, stehen sie sauber hinter Zäunen aus schiefen knorrigen Ästen und Stämmen in der Mitte der saubergekehrten Boma. Diese sollen in der Nacht die wilden Tiere abhalten.

Fünf eher alte Baswara eilen herbei. Wir kaufen ihnen Halsketten aus Knochen und Samen ab. Wundern uns, wo die Kinder sind. Klaus, unser Globetrotter meint sie seien höchstwahrscheinlich in Internaten in der Stadt. Die Regierung wird wohl ein ähnliches Programm für die Eingeborenen haben wie in Australien.




Am Abend dann das Camp: wir stellen unsere Autos unter eine Akazie, nicht zu nah an die Feuerstelle, packen Tische und Stühle aus, sammeln Holz, kochen am offenen Feuer. Zwei Mal haben wir Glück und es gibt ein Plumpsklo und eine Eimer-Dusche (Bucket-Shower). Das mitgebrachte Wasser wird dort eingefüllt, der Wasserhahn unter dem Kübel aufgedreht und schon rinnt das Wasser aus der Brause. Wir spielen Boule, Frisbee oder Karten (Arschloch). Wenn es finster wird genießen wir Afrikanisches Fernsehen. Ein Lagerfeuer ist viel unterhaltsamer als jegliches Fernsehprogramm bei uns: keine Werbung, wenn man kurz auf die Toilette muss versäumt man nichts, man kann nebenher sprechen, diskutieren, lachen und keiner zischt: Ruhe. In die tanzenden Flammen zu schauen wird nie langweilig. Vielleicht erzählt dann noch jemand eine Geschichte aus vergangenen Zeiten, wie jene als ein Brief neben einem blank gefressenen Skelett gefunden wurde. Darauf stand mit zittriger Schrift:

Lieber Alfred, in der letzten Nacht liefen mir die Rinder wegen Durstes davon. Ich habe kein Wasser mehr und bin verzweifelt. Den Wagen verließ ich in der Hoffnung, Kukong noch zu erreichen. Meine Kräfte verlassen mich. Bitte, sende meine Papiere an die Kinder in Bifontein und berichte ihnen, dass mich das Fieber tötete. Sag nichts von den Geiern. Ihr habt mich anständig begraben. Verstanden!....Dein wahrer Freund Mike

 

Die Nächte sind kristallklar. Der funkelnde Sternenhimmel ist ungewöhnlich hell. Wir haben Vollmond.



Cheetah

Nahe der Stadt Kanye im Süden Botswanas wurde vor zwei Nächten auf einer Farm ein Kalb gerissen. Was vom Kalb noch übrig war wurde in eine Falle gelegt und am nächsten Morgen war eine Leopardin im großen Eisenkäfig gefangen. Am Khutse Gate steht nun ein Pickup und auf der Ladefläche der Käfig mit einer Plane darüber. Ein Schwarzer hebt die Plane hoch die Leopardin zieht sich in die Ecke unter der Plane zurück, faucht uns an. Die nackte Angst ist in ihren runden, hellen, ja fast weißen Augen, als sie mich fixieren. Sie schütten Wasser zur Abkühlung in den Käfig. Das schöne Raubtier ist in Panik. Herber Raubtiergeruch erfüllt die Umgebung. Endlich kommt ein geländetauglicher Pickup, der Käfig wird umgeladen und verschwindet dann mit der Raubkatze im Wildtierreservat. Dort wird ein Seil über einen Ast geworfen mit dem dann, von der Fahrerkabine aus, der Käfig geöffnet wird. Als wir zwei Stunden später auf der Piste Richtung Süden fahren werden wir vom Pickup mit dem leeren Käfig überholt. Die Leopardin ist frei!!!  

Aber Antilopen, Paviane (Leopard’s pudding) und andere Wildtiere sind ungleich schwerer zu jagen als Rinder. Wird sie in der neuen Freiheit auch zu Recht kommen?

 

Viel später erfahren wir, dass Leoparden sehr oft wieder an ihren ursprünglichen Ort zurückkehren. Vielleicht hat die Leopardin ein Junges zurückgelassen. Wir werden es wohl nie erfahren.





Now we are bush-wise. In unserem Buch stand: A self drive trip through the CKGR is only for people who are bush-wise and very well equipped.

 



Oryxantilope

Unsere letzte gemeinsame Nacht verbringen wir auf der Bahurutshe Cultural Lodge südlich von Molepolole. Ein schöner Platz mitten in einem Mopanewald, aber von Schwarzen geführt. Die Konjunktion „aber“ deshalb, weil eher teuer, kein fließendes Wasser - ging irgendwann mal kaputt und wurde nie repariert. Das Essen, viel Maisbrei, wenig Gemüse und noch weniger Fleisch – ein halbes Huhn für acht Personen – schmeckte aber gut.

Es ist Samstagabend, Botswanas junge Männer stecken im Saturday night fever. Aus jeder Bar an der Landstraße dringt laute Musik, davor parken BMWs in knalligen Farben. Hier wird ordentlich gesoffen.

 

Am nächsten Tag fahren Bethckes zurück nach Namibia, Röders machen einen Abstecher nach Südafrika bevor sie wieder nach Hause fliegen und wir wollen nach Gaborone. Wie sehr sich die Stadt doch verändert hat seit wir vor 5 Jahren hier waren: damals ein verschlafenes Nest, mittlerweile hat es Großstadtflair. Positiv zu bemerken: hier gibt es eine Mittelschicht, the diamond generation, wie sie sich selber bezeichnen. Ebenso auffällig das Selbstbewusstsein der Frauen. Wir trinken Tee im Mma Ramotswes Tearoom. Aber von der schwarzen „traditional minded“ Lady keine Spur. An einer roten Ampel werden wir angesprochen. Unser Nummernschild hat uns verraten: „Hallo, wir sind auch aus München. Pasing.“ Ich erkenne den Mann wieder. Auf einem Gartenfest im Juli in München hat er mir viel über klassische Gitarrenmusik erzählt. Hinter uns wird laut gehupt. Die Ampel hat längst auf grün umgeschaltet, der Verkehr schiebt uns weiter. Schade.





It is especially at full moon that the bush calls.

Wir wollen zum Kgalagadi Transfrontier Park. Sekoma ist laut unserer Karte die letzte Möglichkeit zu tanken. Aber die Tankstelle ist geschlossen, die Zapfsäulen sind abgebaut. Das bedeutet 90 km wieder zurück zur Diamantenstadt Jwaneng (Tschuaneng). Obwohl man im Norden schon von weitem die Halden sieht, ist die Kleinstadt im Süden doch recht nett. Hier gibt es gleich mehrere Tankstellen, dafür keinen Campingplatz. Wieder einmal fahren wir zum Golfplatz. Neben dem Clubhaus, auf dem grünen Rasen dürfen wir bleiben und Duschen und Toiletten benützen. Wir trinken den Sundowner mit den Männern, die hier höchstwahrscheinlich jeden Abend absacken. Echte Haudegen, aus Kanada, England, aber die meisten aus Schottland. Alle haben auf irgendeine Weise mit der Diamantenmine zu tun. Alle wollen uns mit Rat und Tat helfen.



Kgalagadi Transfrontier Park. War der erste grenzübergreifende Park Afrikas und liegt im SW Botswanas und N Südafrikas. Die Landschaft ist abwechslungsreicher als im CKGR. Weiße Kalkpfannen in denen die Erde von der Sonne hartgebacken ist, sind von einem roten Dünenkranz umgeben. Die 2 Spuren im Sand schlängeln sich kurvenreich über Dünen und Salzpfannen, dann wieder um Bäume und Sträucher herum. Heimo braust mit 50kmh über die Wellblechpiste. Je langsamer man hier fährt umso mehr hoppelt das Auto. Schneller aber erlauben es die Kurven nicht. Zum Glück gibt es keinen Gegenverkehr. Ich fühl mich wie auf der Rallye Paris-Dakar.



Die erste Nacht am Mabuasehube-Pan im Osten des Parks.

Nichts ist mehr so wie früher. Dabei hat der Busch nicht einmal leicht die Krallen gezeigt. Seit heute Nacht suche ich fast paranoid ständig das gelbe hohe Gras und das Buschwerk ab, immer in Erwartung der gefräßigen wilden Tiere. Auch dreh ich mich ständig um.

Alles begann völlig harmlos. Wir konnten ein großes Löwenrudel, Väter, Mütter und sicher fast ein Duzend Junge beobachten. Alles wunderbar, wäre das nicht in unmittelbarer Nähe von der uns zugewiesenen Campsite gewesen und wie um Besitzansprüche geltend zu machen, legte sich eine Löwin mitten auf den Platz. Neben ihr Quartier zu machen schien mir dann doch etwas zu provokant. Wir suchten also ein paar Kilometer weiter das nächste Campsite auf. Auch hier überall Löwenspuren im Sand. Mittlerweile war es dunkel geworden und in der Finsternis das Dachzelt aufzustellen war nicht gerade vergnüglich. Dagmar weigerte sich das Auto zu verlassen und schlief also Parterre, ich somit im ersten Stock, sprich im Dachzelt. Alles fein bis zum frühen Morgen. Hell genug um den Feind und sein Tun auszumachen, dunkel genug um ihn schemenhaft verschwinden und wieder auftauchen zu sehen. Die ganze Löwenmischpoche war uns also samt und sonders gefolgt. Zugegeben, aber auch mangels an Gelegenheit, nehme ich es mit der Körperreinigung nicht sehr genau. Es kann also gut sein, dass mein Odeur (oder war es bereits Angstschweiß) auf sie ansprechend gewirkt hat. Jedenfalls vergnügte sich die ganze Bande mit den Toiletteneinrichtungen des Campsite und das alles zwar zwei Meter unter mir, aber in ca. 4m Entfernung. Ein Plastikrohr der Toilettenentlüftung hat es ihnen besonders angetan und schwankte nach jedem Hieb hin und her wie ein Boxer kurz vor dem K.O. Und um das ganze akustisch zu untermalen war das Brüllen der väterlichen Hausherren gleich nebenan zu hören, (bei guter Wetterlage kann man sie über 8 km weit vernehmen). Die Vorstellung, die Bande könnte an der Leiter zu meinem Dachzelt Gefallen finden, ließ mir die Haare zu Berge stehen. Ohne die stützenden Leiter wird nämlich das Dachzelt gewissermaßen flügellahm und Inhalt und Insassen würden alsdann einen Stock tiefer, also zu ebener Erde, mitten in die Runde der Raufbolde sausen, zum spielerischen Frühstück gewissermaßen. Der Spuk war zwar bei Sonnenaufgang vorbei, aber dafür haben mich Hosenschlottern, Misstrauen und Argwohn wie Paranoia befallen. So habe ich nun meine Unschuld verloren. Nicht die Eine, sondern meine unbeschwerte Sorglosigkeit im Busch.

 



die Antilope wollte die Giraffe nicht an das Wasserloch lassen

Der Fluss Nossop, inmitten des Parks, ist ein breites Flussbett ohne Wasser und gleichzeitig die Grenze zwischen Botswana und Südafrika. Der Wind wirbelt immer wieder Staub auf um ihn als riesige in sich drehende Säule weiterzutreiben. Der Campsite ist auf Südafrikanischem Boden, und das merkt man. Alles ist bestens organisiert: Elektrozäune schützen die Besucher vor den wilden Tieren, saubere Toiletten, warmes Wasser, moderne Duschen, Grillplätze, Schattenspendende Bäume, Strom, Einkaufsmöglichkeit und eine Terrasse über dem Wasserloch das in der Nacht mit starken Scheinwerfern erhellt ist.

Bei Mata Mata verlassen wir schließlich den Park und reisen wieder nach Namibia ein.



Botswana ist gleichzusetzen mit Nationalparks, Okawangadelta, wilde Tiere. An unseren Lieblingsplatz, Kubu Island sind wir diesmal leider nicht vorbei gekommen.



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