BENIN     12.-17.02.2012

 

Im Land der Flusspferdjäger und Regenmacher


„Wir haben die Bodenschätze. Ja aber selbst wenn uns zunächst der Kolonialismus daran hinderte, das für die Entwicklung benötigte Kapital anzuhäufen, so lag es doch an uns, dass wir unsere Macht seit der Unabhängigkeit nicht für unsere wirtschaftliche und soziale Entwicklung tatsächlich eingesetzt haben.     Kwame N’Krunah



Wir haben so manchen Abenteuerbericht gelesen: in Mauretanien verunglückt - Totalschaden, in Guinea angeschossen, in Abidjan gleich zwei Mal ausgeraubt, im Kamerun mit dem Auto im Matsch stecken geblieben - von den Schwarzen wieder freigeschaufelt, in der DR Kongo ins Kreuzfeuer rivalisierender Rebellen geraten… Nichts dergleichen können wir berichten. Nicht dass wir das bedauern, aber in einem Bericht über Transafrika würde sich so was natürlich gut ausnehmen.

Das einzig Spannende was wir erleben sind die Grenzübergänge. In Benin ist die Grenzpolizei sehr gechilled. Sie trinken Palmwein und bieten uns davon an. Auch den daraus gebrannten, mit Wurzeln angesetzten Schnaps sollen wir unbedingt kosten. Wir blödeln mit ihnen herum, und siehe da sie bemerken nicht, dass unser Entente-Visum schon lange nicht mehr gültig ist. Mit tausenderlei Glückwünschen und mit allen notwendigen Stempeln versehen werden wir entlassen. Die Beniner bezeichnen ihr Land als das "Quartier Latin" Westafrikas, damit wollen sie auf ihre meist entspannte Mentalität hinweisen und unsere erste Erfahrung bestätigt das. Sonst ändert sich aber nichts; gleiche Sprache – französisch, gleiche Währung – CFA Francs. 

 

Die nächste Ortschaft: Grand Popo,a wonderful spot to spend a few tranquil days“ weiß der Lonely Planet zu berichten.

Plötzlich lautes Gehupe hinter uns. Patricia und Benoit sind auch auf dem Weg zur Auberge de Grand Popo. Sie kommen aus dem Norden Benins. Das Hallo war groß. Endlich nach über drei Wochen treffen wir wieder Artgenossen. Wir campen unter hohen Kasuarinenbäumen, direkt am Strand. Die Nacht durchdringt das Tosen der Brandung. Riesenwellen schlagen donnernd an den Strand. Nach einem Atemzug der Stille schwillt das Donnern wieder an, neue gewaltige Wellen rollen an den Strand.

Reisen ist anstrengend. Ab und an brauchen wir ein paar Tage uns zu sammeln; Wäsche waschen, lesen, mit den beiden Genfern ratschn, gemeinsam kochen und Karten spielen (a Schieber). Das Meer hat hier eine so starke Strömung, gleichzeitig donnern die Wellen herein, dass vor dem Baden gewarnt wird. Keiner traut sich rein, nur der sonst wasserscheue Heimo geht natürlich ins Wasser.



Gemeinsam fahren wir nach Possotomé am Ahémé See. Hier gibt es ein Öko-Tourismus-Projekt, das mit Hilfe verschiedener NGO’s erstellt wurde. Wie so oft stimmt bei den von Schwarzen geführten Projekten oder Unterkünften das Preis/Leistungs-Verhältnis nicht. In Bad und Toilette gibt es zwar jeweils einen Wasserhahn aus dem mit großem Druck das Wasser rinnt, aber weder Toilette, Waschbecken noch Dusche sind angeschlossen(?). Es wird mit Wassereimern verrichtet und mit Schöpfer geduscht. Wir handeln die Preise auf ein normales Maß herunter. Verschiedene Exkursionen werden angeboten. Uns interessiert die Voodoo-Tour. Drei Stunden wandern wir durch den forêt sacrè und lauschen den Ausführungen über Hexen, heiligen Bäumen (Iroko), unzähligen Göttern, Nachtwächtern, Verboten und Geboten. Dann trennen wir uns von unseren „Kindern“, sie fahren Richtung Westen, nach Togo, wir in den Osten. Wir haben noch gar nicht erwähnt, dass Patricia 34 und Benoit 20 ist. Ein ungleiches Paar möchte man meinen, aber wir glauben sie passen sehr gut zusammen.

 



la porte du non retour sah sicher ursprünglich anders aus

In Ouidah führt die Sklavenstraße direkt ans Meer, zum Point of No Return. 2 Jahrhunderte lang wurden jedes Jahr 10.000 Sklaven vom damals einzigen Hafen Benins verschifft. Von hier aus fahren wir eine Piste am Meer entlang, durch hohe Kokospalmen weiter nach Osten: la route des pecheurs, die Fischerpiste. Rechts das donnernde Meer und ein paar armselige Hütten aus dem Geflecht der Palmblätter. Kurz vor Cotonu campen wir im Au Jardin Helvetia.

Wir wohnen immer wieder in irgendeinem Jardin, aber zu glauben, ganz Westafrika ist ein einziger Garten wäre ein großer Trugschluss. Am zweiten Tag kommen Missionare, ein heterosexuelles Pärchen aus Garmisch. Wir sind natürlich neugierig. Es stellt sich heraus, dass sie Zeugen Jehowas sind, im Süden Nigerias stationiert, wo ihnen zurzeit die Lage zu heiß geworden ist.



In Schwarzafrika herrscht eine bestimmte Solidarität unter Weißen. Auf der Straße, im Hotel oder Kaffee kommt man mit Leuten ins Gespräch die einem in Europa oder Amerika nie aufgefallen wären. Beispiel die 4 jungen Polen in Ouidah. Große Spiegelreflexkameras hängen vor ihrer Brust. Sie kommen uns auf der Piste im Defender entgegen. Wir bleiben stehen, grüßen, steigen aus. „Woher kommt ihr?“ „Wohin wollt ihr?“ Wir tauschen Tipps, Informationen aus. Nach einer Viertelstunde trennen wir uns wieder. Man findet sich sympathisch, fehlt nur noch dass man sich umarmt.

Papst Benedikt XVI vulgo Ratzinger war übrigens vor uns da. Im November war's. Riesige Plakate, von der starken Sonne schon etwas vergilbt, künden davon.



Beware and take heed of the Bight of Benin

Where few come out, though many go in.


Dieser britische Reim spielte auf die ungesunden Lebensbedingungen zu Zeiten der Kolonialisierung in der Bucht von Benin an, als so viele die hier ankamen an Malaria und Cholera starben.



In Cotonu sprechen uns gleich mehrere Leute auf Deutsch an. „Wohin wollen Sie?“ „Was suchen Sie?“ Junge Leute winken uns erfreut zu. Sie haben Deutsch in der Schule gelernt oder gar in Deutschland studiert. Erstaunlich, denn es gibt in Benin nicht mal ein Goethe-Institut. Rupert hat 15 Jahre in Bremen gelebt, Informatik studiert und gearbeitet. Er freut sich wieder einmal deutsch sprechen zu können. Will uns gleich sein zweites Mobiltelefon geben, damit wir ihn anrufen können. Entrüstet sich, dass es in ganz Benin seit Tagen kein Internet gibt.

 

Politische Hauptstadt ist das viel kleinere Porto Novo am anderen Ende der Lagune. Ein paar heruntergekommene Hotels und Kolonialbauten. Wir suchen ein Kaffee, finden aber nichts Gemütliches. Wir sind nur 6km von Nigeria entfernt.

 



Benin in 2 Worten: Voodoo, Sklavenhandel, Palmenstrand und donnerndes Meer im Süden, raue Landschaft im Norden.

 



- wir fahren wieder zurück nach Ghana, weiter geht's im 2.Teil von Ghana