22.10.2011 ein Samstag.

Im Toyota zu sitzen ist wie die Landschaft aus der Vogelperspektive zu sehen. Heimo sagt ich solle nicht all zu sehr übertreiben, denn schließlich sind wir niedriger als ein Reisebus. Trotzdem habe ich das Gefühl viel mehr zu sehen als von einem normalen PKW aus.

In Italien stehen oder sitzen an den Flüssen, ja sogar an jedem Rinnsal aufgereiht die Fischer. Was die wohl fischen? Über den stoppeligen Feldern streifen die Jäger. Sind es Hasen oder Vögel die sie schießen wollen?

Wir fahren über Turin, Briançon, Gap und Sisteron nach Cruis zu Peter und Bea. Wir feiern

Peters Geburtstag. Ihr Landsitz Vitaverde, wo die Beiden Zimmer und Wohnungen vermieten, ist ein wunderschönes ruhiges Plätzchen in der Haute Provençe. Wir können es nur weiter empfehlen: http://www.vitaverde-provence.com/

 

Am nächsten Tag, ein Sonntag geht es weiter durch eine ländliche Gegend, die mich an die Toskana erinnert. Wir kommen durch verschlafene Weiler, Lavendelfelder und kleine Täler des Luberon. Hier ist Frankreich besonders dünn besiedelt. Auch da sehen wir Männer mit Gewehren in der Hand. Der mediterrane Mann ist eben ein Jäger.



Sur le pont d’Avignon…

 

Avignon: mehr als 4 km Stadtmauer und ein Papstpalast, der alles beherrscht, erinnern an das Exil der Kirchenfürsten. Vom Rocher des Doms, dem Hügel am Rhône-Ufer schaut man auf die berühmte Bénézet-Brücke.



 

Südlich von Montpellier in der Lagune von Frontignan stehen hunderte von Flamingos im seichten Wasser. Noch ist alles friedlich. Doch Radio France Bleu meldet: Orage. Der Sturm verbläst uns beinahe als wir über die Düne an den Strand gehen. Meterhohe Wellen. Ein Kite-Surfer saust 30 m vom Strand entfernt auf und ab. Wir verschanzen unser Auto hinter eine 3 m hohe Hecke, trotzdem wird’s eine unruhige Nacht.



In Barcelona schüttet es dermaßen, dass wir die Rambla fast für uns alleine haben. Wir essen in unserer Lieblingstapasbar Cañete in der C/ de la Unió, 17



 

Weiter geht ‘s an der Ostküste, der Costa Blanca bis nach Valencia. Charmante Metropole mit ehrgeizigen Kultur- und Architekturprojekten. Historische Sehenswürdigkeiten sind Kathedrale, Basilica de Nuestra Señora de los Desamparados und Colegio del Patriarca. Renommierte Ausstellungen zeigen das Museum für moderne Kunst, Museum der schönen Künste, Fallas-Museum, Wissenschaftsmuseum. Ein Mega-Aquarium ist das Oceonogràfic im futuristischen Stadtteil CAC.



Heimo behauptet er mag keine Paella. Ich will ihn eines Besseren belehren und suche ein Restaurant mit zahlreichen Michelin-Pickerln an der Eingangstür aus. Unser Tisch im ersten Stock am offenen Fenster mit Blick auf die darunterliegende Piazzetta und die angestrahlten Türme im Nachthimmel hätten ein Reisgericht erster Klasse erwarten lassen. Die Paella Valenciana mit Hase, Huhn, großen weißen und grünen Bohnen und Schnecken ist aber mehr als enttäuschend. Schade, Heimo sieht sich in seiner Meinung bestätigt und mir kommen Zweifel.

 

Spanien ist nicht das liebliche von der Natur reich beschenkte Land wie man vielleicht annehmen könnte. Wir fahren durch reizloses, arides, fast abweisendes Bergland (Serrania) dann über mit Olivenbäumen bepflanzte Hügel (Olivares), oder an dem in der Sonne silbrig glänzenden Plastikmeer der Gewächshäuser vorbei. Im Süden endlich die schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada (Nomen est Omen).



Man sieht dass es regnet

Und am Fuße der bis zu 3.400m hohen Berge liegt Granada.

Wir sind Reisende, keine Touristen. Ein wesentlicher Unterschied liegt in der Zeit. Reisende haben unbegrenzt Zeit.

Ich sage das mit Stolz, aber nicht nur. Beispiel Alhambra.

Wir fahren nicht mit dem eigenen Auto den Berg hinauf, sondern gehen zu Fuß. Und wir buchen schon gar nicht eine organisierte Tagestour mit Busfahrt, Eintritt und geführter Besichtigung. Wir kommen also oben an: sold out. Morgen um 7.30 können wir uns anstellen um dann um 8.00, wenn die Kassen öffnen auch bestimmt eine Eintrittskarte zu ergattern. Nicht mit uns. Wir kaufen uns ein paar schöne Ansichtskarten und das Buch von Washington Irving, einem amerikanischen Diplomaten und Reisenden der hier einige Zeit, als die Alhambra noch bewohnt war, lebte und der 1832 sein Buch: Tales of Alhambra veröffentlichte. Dann gehen wir weiter, den Berg hinauf – es war wohl eher ein Hügel. Glücklich den Massen von Touristen entronnen zu sein schauen wir uns den roten Palast von oben an.

 

Heimos Beitrag: „Hast du den Regen auch erwähnt? Als Gegensatz zu deinem trockenen ariden Land.“ Ja, gestern war’s noch trocken.

 



 

 

Adiós Granada, Granada mia

Ojalá, la proxima vez sin lluvia.

 



Die Fahrt von Granada nach Sevilla. W. Irving beschreibt in seinem Buch seinen Ritt in entgegengesetzter Richtung: hoch zu Ross an Saumpfaden entlang, die Angst überfallen zu werden als ständigen Begleiter. Anfang des 19. Jahrhunderts muss diese Reise in etwa so abenteuerlich gewesen sein wie heutzutage eine Fahrt durch Afrika.

Wir fahren, wie bereits seit den Pyrenäen total stressfrei auf fast leeren 4-6 spurigen Schnellstraßen (EU sei Dank) durch das Land. Auf unserer ADAC-Straßenkarte von 2010 sind die meisten noch gar nicht eingezeichnet. Nur einmal, kurz nach Valencia waren wir Augenzeuge eines schlimmen Unfalls. Ein Camion rechts vor uns kam von der Fahrbahn ab, schrammte eine Zeitlang an der Leitplanke entlang, bis er sie durchbrach. Er überfuhr die aus dem Boden ragenden Träger der Leitschiene. Plastik- und Metallteile stoben durch die Luft oder rollten über die Fahrbahnen. Während ich damit beschäftigt war diesen auszuweichen, sah Heimo wie sich das Fahrzeug schließlich, nunmehr bereits hinter uns, im Straßengraben überschlug. Das war ausgerechnet eines der wenigen Male, wo ich chauffierte.

 

 



 

Wenn 2 Motorradfahrer sich kreuzen, dann heben sie zum Gruß die Hand. Wenn 2 Camper oder Wohnwägen sich kreuzen, dann blenden sie zum Gruß kurz auf. Obwohl auch wir unser Haus mit uns herumführen zählen sie uns nicht zur gleichen Spezies. Höchstwahrscheinlich sind wir zu primitiv für sie. Wir haben weder Staubsauger, Satellitenfernsehen, Smart, Motorräder oder auch nur Fahrräder, Teppiche und Blumentöpfe mit. Und wir sind froh nicht zu ihnen zugehören.

 

Ronda. Malerisch am Rand eines Gebirgsmassivs gelegener Ort, durch eine tiefe Schlucht geteilt, darüber eine Brücke aus dem 18.Jh. Älteste Stierkampfarena Spaniens.

Viele Tagesausflügler sind hier, sie kommen aus dem nahen Marbella und verbringen hier einen Ruhetag um am nächsten Tag wieder an einem der unzähligen Golfplätze abzuschlagen.



Als nächstes besichtigen wir Sevilla. Regierungssitz und größte Stadt Andalusiens – ein Ort der Feste und der Lebenslust. Riesengroß, kunstvoll konstruiert und detailreich verziert: die Kathedrale (15.Jh.) mit dem Turm La Giralda, dem Wahrzeichen. Prächtige Palastanlagen: die Reales Alcázres, von Mauren erbaut, unter christlicher Herrschaft erweitert.



In Jeres de la Frontera sind die Sherry-Kellereien alle geschlossen, Sonntag ist's. Das hat aber den Vorteil, dass wir überall parken, in Ruhe durch die engen Gassen wandern und unseren Sherry in einer netten Bar auf einem großen Platz einnehmen können. Dazu essen wir Camarones, das sind die kleinen gegrillten Fischlein, die Heimo so liebt.

Wie auch in den italienischen Städten am Feierabend oder am Wochenende haben sich die Einheimischen fein gemacht und promenieren durch die Straßen und Plätze (vasche) oder treffen sich mit Freunden in den Kneipen. Die Männer lieben es die Kinderwägen zu schieben. Die Frauen tragen Miniröcke, darunter gemusterte Strümpfe und Stiefel mit hohen Absätzen. Heimo findet diese Mode schrecklich.

Während der Einfluss der Mauren in der Architektur eine große Bereicherung für das Land war, kann man das bei den Frauen nicht behaupten. „Culo per terra“, nennt Heimo das. Nicht umsonst sehen wir öfters Werbung für push-up Jeans.



 

Cadiz gilt als älteste Stadt Europas…fast die komplette Altstadt entstammt dem 18.Jh. Unsere Erwartungshaltung war höchstwahrscheinlich zu groß, von all den spanischen Städten, die wir bisher gesehen hatten hat sie uns am wenigsten gefallen. Doch wenn die Stadt erwacht, das ist frühestens um 11.00 nachts sind wir schon in der Heia.

 

Heute ist der 31.10. - Weltspartag. Kein Ereignis das eine Erwähnung wert wäre. Heimo stellt es mit Blick auf den Kalender fest. „Und morgen ist Allerheiligen“. Stille wir sagen beide erstmals nichts, doch nach einer Weile kommt es mir. Vor 2 Tagen hatten wir Hochzeitstag, den haben wir beide komplett verschwitzt. 34 Jahre sind ja auch nichts Besonderes.

 

In Tarifa, dem südlichsten Punkt Spaniens will ich mir unbedingt die Kite-Surfer anschauen. In der Tat ist der Himmel über dem Meer voll bunter Schirme.

Hier nehmen wir Abschied von Europa und vor allem von Spanien. Uns fiel auf wie sauber Spanien ist. Die Sauberkeit, die alten traditionellen Kaffeehäuser in den Städten und so Manches mehr werden wir in Afrika noch vermissen.

Die schnelle Fähre bringt uns in 35 Minuten nach Tanger.