Kleine Dattelkunde

 

Palmen sind keine Bäume sondern Farne. Durchschneidet man einen Stamm, so sieht man, dass er im Inneren kein festes Holz hat, sondern locker angeordnete Fasern. Als Möbelholz total ungeeignet, wird es wegen seiner Elastizität aber gerne als Bauholz verwendet. Bei den großen Temperaturunterschieden hier würde jedes andere Holz springen.

Es gibt männliche und weibliche Dattelpalmen. Die männlichen haben weißliche Blüten, die nach unten gerichtet sind. Die weiblichen sind gelber und zeigen nach oben. 12 Jahre braucht eine Palme, bis sie zum ersten Mal Früchte trägt. Die Wurzeln bohren sich ebenso tief in die Erde wie sich Stamm und Krone in die Höhe erstrecken. In der Blütezeit werden drei Blüten der männlichen Dattel auf die weiblichen gesteckt. Die Befruchtung geschieht dann durch den Wind.

Wird die weibliche Dattel nicht befruchtet, dann bilden sich zwar trotzdem Früchte die aber ungenießbar, weil sie steinhart sind und kein oder kaum Fruchtfleisch haben. Hier in Marokko lässt man die Früchte nun heranreifen, während in Israel auf jedem Stängel nur drei Früchte gelassen werden, damit diese größer und besser sind. Im Magreb gibt es einen etwa 10-15 cm langen Wurm, der sich von den Wurzeln bis zur Krone frisst und die Palme zum Absterben bringt. Erst im Mai 2011 wurde ein Gegenmittel entdeckt um diesen Schädling zu bekämpfen.

Israel ist aus Angst vor diesem Schädling sehr darauf bedacht keine Palmenprodukte wie zum Beispiel Körbe aus Palmenblätter aus dem Magreb zu importieren.

Es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Dattelsorten. Leicht zu unterscheiden sind für uns gelbe, braune und schwarze. Die teuerste hier ist so süß, dass sie uns Europäer gar nicht schmeckt. Eine einzelne davon kostet soviel wie 1 kg der zweitbesten Qualität.



RIADS

 

Riad bedeutet „Garten mit Bäumen“. Im Marokko bezeichnet es ein traditionelles Stadthaus mit begrüntem Innenhof und einem plätschernden Brunnen.

Lange bröckelten die alten Stadtpaläste in den Medinas vor sich hin, bis sie hauptsächlich von Europäern mit viel Liebe im traditionellen Stil wieder hergerichtet wurden. Ihren besonderen Charme bekommen sie durch die Kombination von maurischem Stil und modernen Elementen. Dabei ist es gar nicht so leicht in die alten Lehmziegelmauern Stromkabel und sanitäre Einrichtungen einzubauen. Die dicken Lehmziegelmauern halten den Lärm der Gassen ab, sorgen im Sommer für Kühle, im Winter für Wärme und leiten die Feuchtigkeit nach außen ab. Viele Riads wurden zu Hotels bzw. Pensionen umgebaut. Die Eigentümer kümmern sich auf liebevolle Art um das Wohlergehen der Gäste.



Arganöl

 

Der Arganbaum ist ein endemischer Baum im SW-Marokkos, der bis zu 400 Jahre alt werden kann. Er wird bis zu 10m hoch und hat Dornen. Daher der lat. Name Argania spinosa. Der Stamm ist eher niedrig, aber die Krone weit ausladend. Die Ziegen klettern gerne hinauf und fressen die gelben zwetschgengroßen Früchte mit dem großen harten Kern. Darin befinden sich drei sonnenblumenkerngroße Samen die geröstet und zermahlen werden. Der Brei wird dann mit Wasser so lange bearbeitet, bis sich das Öl absondert. Zur Herstellung von 1l Öl werden 30kg Früchte benötigt. Kaltgepresstes, nicht geröstetes Arganöl wird in der Kosmetik verwendet. Früher ernteten die Berberfrauen die Früchte und verfütterten sie an die Ziegen. Die Kerne wurden anschließend aus dem Dung gelesen und wie oben beschrieben weiterverarbeitet. Nach wie vor wird diese Arbeit hauptsächlich von Frauen ausgeführt, die sich oft in Kooperativen zusammenschließen, der „Ziegenfaktor“ wird ausgelassen.



Modernen Studien zufolge soll es den Cholesterinspiegel senken und Arteriosklerose vorbeugen. Dank seines hohen Gehalts an Vitamin E wirkt es gegen Falten.

In Tamrhakh soll es neben der großen Moschee eine Kooperative geben. Wir fahren hin. Aber niemand weiß was davon. Eine Frau schickt uns ihren 10jährigen Jungen mit. Wir fahren durchs ganze Dorf. An manchen Häusern läutet er, doch niemand ist am Vormittag zu Hause. Hier scheint es wirklich keine Kooperative zu geben, aber jeder Haushalt stellt das Öl für den eigenen Bedarf her. Schließlich bekomme ich eine alte Plastikflasche ¾ gefüllt, herrlich würzig nach gerösteten Haselnüssen riechend. 20.-€ wollen sie dafür. Da hilft alles Handeln nichts. Aber wenn dafür unsere Runzeln verschwinden...!?!

In dem Berberdorf Mesti südlich von Sidi Ifni können wir endlich eine Cooperative besuchen. Die Frauen sitzen am Boden und klopfen mit Steinen die harte Schale der Argannüsse auf. 

ALLAHU AKBAR

 

Das Wort „Islam“ bedeutet Unterwerfung unter den ewigen Willen Gottes.

Fünf Gebote bestimmen das Leben der Gläubigen.

Das erste, die Schahada, ist das Glaubensbekenntnis: es gibt keinen Gott außer Allah und Mohammed ist sein Prophet.

Wer diesen Satz dreimal hintereinander vor Zeugen aufsagt, der gilt als zum Islam übergetreten.

Das zweite Gebot ist das Gebet. 5 Mal täglich Richtung Mekka.

Das dritte Gebot, Zakat, ist das Almosen. Einmal täglich sollte einem Bedürftigen eine Spende gegeben werden.

Viertes Gebot ist die Einhaltung des Fastenmonats Ramadan (Neunter Monat des Mondjahres)

Fünftes Gebot ist der Hadsch, die Pilgerfahrt nach Mekka. Einmal in seinem Leben sollte jeder Moslem die Kaaba in Mekka umrundet haben. Kann er sich diese kostspielige Reise nicht leisten, gibt es Ersatzpilgerfahrten zu anderen heiligen Stätten.

 

Neben diesen fünf Säulen des Islam gibt es noch einige Verbote und Gebote:

Verboten ist der Verzehr von Schweinefleisch und Alkohol, das Glückspiel und die Wucherei.

Die Knaben müssen im Alter von 2-5 Jahren beschnitten werden.

Sexualität außerhalb der Ehe ist verpönt, daher wird früh geheiratet.

Die Abbildung aller beseelter Wesen ist verboten, daher ist die Ornamentik das beherrschende Element der islamischen Kunst.



If she hasn't....she will soon


Hoffentlich ergeht es uns nie wie im Bild, das uns Gerard geschickt hat.



Mauretaniens runde Frauen

 

Der mauretanische Mann arabischer Abstammung mag keine mageren Frauen. „En forme“ müssen sie sein. Dicke Frauen in ihren weiten bunt gemusterten Gewändern, den Malhafas, gelten als besonders schön. Daher werden Mädchen bereits ab 5 Jahren zwangsgefüttert. Gavage nennt sich die Zwangsernährung. 10-20 l Kamelmilch am Tag müssen sie trinken. Wenn sie sich weigern werden sie mit Holzzangen gezwickt oder mit -stöcken geschlagen. Viele müssen sogar ihr eigenes Erbrochenes essen. Heutzutage werden oft Medikamente eingenommen, Tiermedikamente. Das abgebildete Kamel auf der Packung läßt glauben, das Medikament bestehe aus Kamelprodukten wie Kamelmilch, hingegen wurden sie für Kamele hergestellt. Diese „Dregg-dregg“-Medikamente enthalten Kortikoide mit denen man sehr schnell zunimmt, 15-20kg im Monat. Das führt zu Herzinsuffizienz, denn das Herz kann dieser schnellen Zunahme nicht folgen. Bluthochdruck, schlechte Cholesterinwerte, Diabetes sind die Folgen. Es gibt in Mauretanien kein Gesetz gegen die traditionelle Gavage, wohl aber Fernsehkampagnen. Aber jahrhundertealte Traditionen halten sich in Afrika hartnäckig. Außerdem hat nicht jeder einen Fernseher. Nur langsam beginnt sich in den Städten das westliche Schönheitsideal durchzusetzen. Die Gavage, genauso wie die Beschneidung der Mädchen gibt es nach wie vor, werden aber weniger.



Unabhängigkeitsbestrebungen der Diola in der Casamance

 

Schon die Portugiesen, die sich 1450 als erste Europäer hier ansiedelten, hatten immer wieder mit dem Widerstand der Diola zu kämpfen. Als Frankreich 1884 die Portugiesen zur Übergabe des Gebietes zwang, gliederten sie die Casamance der französischen Kolonie Senegal an. Bis in die Mitte des 20. Jh gab es hier unzählige Aufstände. 1960 im Unabhängigkeitsvertrag mit Senegal sicherte ihnen Frankreich eine weitgehende Autonomie zu. Doch die Regierung in Dakar scherte sich wenig darum. Seit 1980 richtet sich der Kampf vor allem gegen die Vorherrschaft der Wolof, von denen sich die Diola wirtschaftlich ausgebeutet und politisch gegängelt fühlen. Die MFCD „Mouvemente des forces démocratiques de la Casamance“ ist mittlerweile in verschiedene Fraktionen zerfallen, deren Warlords sich bitter bekämpfen. Zwischen Senegalesischer Armee und der MFDC kommt es zu schrecklichen Gräueltaten. Unterstützt werden die Rebellen von Gambia. Als vor ein paar Jahren ein Container mit Waffen für die Rebellen unter dem Deckmantel Gambias entdeckt wurde, stritt der Präsident Gambias vehement ab. Dem umfassenden Vertrag zwischen senegalesischer Regierung und der Casamance aus dem Jahr 2005 wurde bis jetzt nicht Genüge geleistet. Kein Wunder also, dass im Vorfeld der Wahl die Unabhängigkeitsbetrebungen wieder aufflammen.



Sorghum (Hirse)

Burkina Faso

 

Das ehemalige Obervolta ist ein bisschen größer als Westdeutschland. Die drei Quellflüsse des Volta, Schwarzer, Roter und Weißer Volta bewässern das Land. Der nordöstliche Teil liegt in der Sahelzone (Dornenbuschsavanne und Halbwüste), der Rest in der Savannenzone: Trocken- und Feuchtsavanne. Entlang der Flüsse gibt es Galeriewälder. Burkina hat 13 Millionen Einwohner mit mehr als 60 verschiedenen ethnischen Gruppen. Am stärksten vertreten sind die Mossi, im Norden leben Tuareg. Andere wichtige Bevölkerungsgruppen sind die Fulbe und Bobos. Mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von 220.-€ gehört Burkina laut UN-Statistik zum 3.ärmsten Land Afrikas. Das Volk leidet Not, aber es herrscht nicht das blanke Elend….Die Menschen hungern, aber sie verhungern nicht…Burkina Faso gehört zu den Lieblingskindern westlicher Entwicklungszusammenarbeit, da angeblich die Hälfte aller Projekte mit Erfolg abgeschlossen wird. Wichtigster Wirtschaftszweig ist die Landwirtschaft. Aber es wird überwiegend für den Eigenbedarf produziert. Grundnahrungsmittel sind Sorghum, Hirse, Mais, Yams, Kartoffel, Erdnüsse, Reis, Baumwolle, Karité-Nüsse, Sesam, Zuckerrohr, Tabak.

Blaise Compaoré der amtierende Präsident lacht recht sportlich und sympathisch von den Plakaten. 1991, in einer von der Opposition stark kritisierten Wahl, zum ersten Mal gewählt ließ er alle seine Widersacher, einschließlich seines Vorgängers ermorden. Laut Verfassung endete seine Regierungszeit 2005, doch das oberste Verfassungsgericht änderte die Verfassung und billigte ihm zwei weitere Amtszeiten zu. Die Proteste westlicher Geberländer hielten sich in Grenzen. Hinter vorgehaltener Hand hieß es: lieber Stabilität als einen weiteren Konfliktherd in einer sowieso schon unruhigen Region. Mittlerweile führt der Präsident sein Land im Stile eines Familienunternehmens.

 



Agoutí

Fauna

 

Elfenbeinküste, so benannt nach ihrem einst wichtigsten Exportprodukt, lässt falsche Rückschlüsse ziehen. Wie im restlichen West- und Nordafrika gibt es hier kaum noch große Tiere. Der hohe Bestand an Elefanten wurde in CI durch Jagd und Wilderei so stark reduziert, dass man Elefanten heute nur noch in Reservaten antreffen kann.

Sogar die Sahara war einmal keine Wüste und eine tierreiche Gegend. Zurzeit Jesus Christus streiften große Elefantenherden durch die Savanne. Es waren die Elefanten, die Alexander der Große gegen die Perser einsetzte. Gazellen, Zebras, Antilopen, Leoparden, Löwen lebten hier. Um Platz für Schaf- und Rinderherden zu schaffen, wurden in der Antike die Wildtiere mit dem Speer erlegt, die Löwen wurden nach Rom gebracht. Allein für die Eröffnungsfeier des Kolosseums beschaffte Titus 9000 Löwen, die 9000 Gladiatoren töten oder von diesen getötet werden sollten.

An größeren Tieren haben wir bisher nur eine Riesenrattenart gesehen, Agoutì genannt. Sie sind eine afrikanische Spezialität.



Heimo

Diesmal nur für meinen Bruder.

Unser nunmehr auch von Dagmar vielgepriesenes GPS führt uns punktgenau zur Botschaft von Ghana in Abidjan. (hier beginnt der noch nicht beendete Hindernislauf zur Erlangung eines Visum). Es ist Freitagnachmittag, so auch nicht verwunderlich, dass außer einem schläfrigen nicht auskunftsfähigen Wachtposten niemand hier zu sein scheint. Ein Bautrupp kommt aus der Residenz und schlendert feierabendlich zu deren Baustellenfahrzeug. Meine Augen gehen mit - botschaftlich war ja nichts mehr zu erreichen- und bleiben auf der Firmenaufschrift des Autos hängen.

 

                        Josef Ragginger

                        Kies-Sand- Beton- und Sprengarbeiten

                        Siezenheim bei Salzburg.

 

Nicht dass der gute Herr Ragginger einen Auftrag für Sprengarbeiten an der fernen Elfenbeinküste übernommen hätte. Das Auto wurde vielmehr gebraucht hier herunter verkauft.

Es war natürlich schwer den kopfschüttelnden Leuten meine nostalgischen Heimatgefühle klarzumachen und so konnte ich auch nicht erklären, dass wir mit unseren Eltern vor ca. 60 Jahren den Herrn Ragginger – damals noch nicht Sprengmeister sondern erfolgreicher Gastwirt in Himmelreich zu Siezenheim – und dessen Speiselokal regelmäßig zu Wochenenden besucht haben. Dies zu vermitteln (des Französischen bin ich ja nicht mächtig) hätte auch meine Körpersprache überfordert und auch die Geduld dieses Bautrupps. Niemals werden diese Leute erfahren können welche Köstlichkeiten damals serviert wurden.



Heimo

Die Bäume hier wachsen zwar nicht gerade in den Himmel, so doch mancherorts bis 50m in die Höhe. Dies bedarf natürlich einer besonderen konstruktiven Standfestigkeit. Ohne ein Ingenieur-Büro gesondert zu beauftragen – wahrscheinlich aus Erfahrung und Evolution besser als jeder Statiker – hat die Natur eine geniale Lösung gefunden. Bereits über ca. 5m über dem Boden wachsen die Wurzeln seitlich aus dem Stamm und bilden radial nach allen Richtungen Scheiben, die einerseits mit der abstehenden Wurzel und andererseits fest mit dem Stamm verbunden sind. Ähnliches sieht man bei uns im Stahlbau. Hohe Stahlrohrsäulen, z.B. Liftstützen sind mit der Grundplatte verschweißt und haben seitlich radiale Stegbleche (Scheiben wie oben) die mit dem Stahlrohr und der Grundplatte verschweißt sind. Wenn ihr also das nächste Mal frierend auf dem Sessellift sitzt, erwärmt euch bei dem Gedanken über die Genialität der Natur.

Wenn ich aber an unser, also das physische Rüstzeug des Menschen denke, kommen mir doch wieder Zweifel. Alleine das enge Temperaturfenster unseres Wohlbefindens nackt betrachtet, wird uns bereits unter 20°C kalt und über 25°C heiß. So empfunden im Norden und jetzt die konstanten 30°-35° hier. Aber vielleicht bastelt die Natur noch an uns. Ich hätte einiges hier vorzuschlagen. Fliegen, das wäre doch was. Mein Gott, wie beneide ich die Viecher, die förmlich in der Luft stehen um sich alle Strömungen zu Nutze machen, während ich immer noch einen Fuß vor den anderen setze um mich plump vorwärts zu bewegen. Nur weil die Natur das Rad lediglich beim Pillendreher einsetzt.



Kakaobäume



Ich habe immer geglaubt, die Kakaobäume (Theobroma = Götterspeise) sind sehr hohe, mächtige Bäume, hingegen sind sie wie unsere Obstbäume nur dass sie im Unterholz des Regenwaldes wachsen. Aus dem weißgefleckten Stamm wachsen die grün-gelben bis roten Früchte, die ca. 20-30cm lang und 500g schwer sind. Darin sitzen bis zu 50 Samen, die Kakaobohnen.



Im Uhrzeigersinn von o.li. Kolanüsse, Kakaofrucht, Ölpalmenfrucht, Maracuja.

Die kastanienförmige Kolanuss ist die traditionelle Droge Westafrikas. Gut gekaut hat der Saft eine anregenden Wirkung, stillt Hunger und Durst und vertreibt die Mattigkeit bei großer Hitze. In manchen Gegenden dient die Kolanuss sogar als Zahlungsmittel und wird für die Wahrsagerei verwendet. Hauptanbaugebiet des ca. 20m hohen Baumes ist Nigeria.

 

Früchte der Ölpalme. Die äußere Schicht der pflaumengroßen, rötlichen Frucht ist stark ölhaltig. Daraus wird das Palmöl gewonnen. Der harte Steinkern enthält einen haselnussgroßen, fettreichen Samen aus dem Palmkernöl gewonnen wird, ein rötliches Öl, das häufig als Grundlage für Saucen verwendet wird.

Das Ende der männlichen Blütenstände wird abgeschnitten. Der zuckerhaltige Saft der austritt vergärt schnell zum relativ stark alkoholhaltigen Palmwein.



Der Köcherbaum

 

Der Kokerboom auf afrikaans ist eigentlich kein Baum sondern eine Aloe, die bis zu 200 - 300 Jahre alt wird. Der botanische Name ist Aloe Dichotoma. Dichotoma verweist auf die gegabelten Äste der Pflanze. Buschleute und Hottentotten höhlten die fasrigen schwammigen Äste aus um sie als Köcher für ihre Pfeile zu gebrauchen. Der Köcherbaum wird bis zu 9m hoch, verträgt hohe Hitze und ist nicht frostempfindlich. Er wächst endemisch in der heißen Region Namibias und im nordwestlichen Teil der Kapregion. Im Alter von 20-30 Jahre blüht er zum ersten Mal. Die verästelten hellgelben Blüten werden bis zu 30 cm lang. Blütezeit ist im Winter, Juni und Juli.



Die Siedelweber

 

sind sperlingsähnliche Vögel die ein Gemeinschaftsnest bauen, wobei jedes Paar individuelle Eingangsröhren und Nestkammern benützt. Es hängt an einem knorrigen Kameldornbaum, dessen Äste unter der schweren Last absterben. Ständig fliegen Vögel hin und weg, zwitschern und flattern, schlüpfen von unten in ihre Nesthöhlen, füttern ihre Jungen.

Sehr häufig lebt in eines dieser Nesthöhlen die kleinste Falkenart in Symbiose mit den Siedelwebern. Diese Falken fressen die Schlangen die gerne das Gemeinschaftsnest aufsuchen.

Groß, schnellfüßig, flugunfähig

Der Strauß

 

gehört zu den Laufvögeln und ist der größte lebende Vogel der Erde. Heute ist er nur noch südlich der Sahara heimisch in früheren Zeiten auch in Westasien. Die Straußenmännchen haben schwarze Federn, werden bis zu 2,5m hoch und haben ein Gewicht von 135kg, Weibchen haben braune Federn sind etwas kleiner und zwischen 90 und 110kg schwer.

Der Strauß hat sehr lange Beine mit kräftiger Laufmuskulatur. Seine Höchstgeschwindigkeit beträgt etwa 70km/h. Er kann bis zu einer halben Stunde die Geschwindigkeit von 50 km/h halten. Als Anpassung an die hohe Laufgeschwindigkeit besitzt der Fuß, anders als sonst bei Vögeln, nur zwei Zehen, die bis zu 10 cm lange Krallen haben. Daher können die Beine auch als wirkungsvolle Waffen gegen Löwen und Leoparden eingesetzt werden.

Strauße leben in offenen Landschaften wie Savannen und Wüsten. Bevorzugt werden Gelände mit kurzem Gras und nicht zu hohem Baumbestand, weil sie sich dort ungehindert fortbewegen können. Weil Strauße ihren gesamten Flüssigkeitsbedarf aus der Nahrung beziehen können, benötigen sie keinen Zugang zum Wasser. Lange Trockenperioden sind daher kein Problem für sie.

Ein Straußenei entspricht inhaltlich 33 Hühnereier.

 



Schabrackenschakal

Die Braune Hyäne

 

ist eine der afrikanischen Großraubtierarten. In Namibia ist sie im Küstenbereich der Namibwüste besonders zahlreich. Genauso wie die besser bekannte Tüpfelhyäne zeigt sie den nach hinten abfallenden Körperbau, der aber wegen des langen Felles kaum zu erkennen ist.

Braune Hyänen wiegen zwischen 35 und 45 kg und leben in Gruppen. Normalerweise hat nur ein Weibchen einer Gruppe 1-4 Junge. Die Jungtiere werden in Bauten aufgezogen. Diese Bauten sind auch der soziale Treffpunkt aller Gruppenmitglieder. Außerhalb des Baus sind Braune Hyänen Einzelgänger. Da die Beutedichte generell sehr niedrig ist überwinden sie große Distanzen bei der Nahrungssuche. Im Durchschnitt wandern sie bis zu 40 km pro Nacht. Sie fressen so ziemlich alles was sie finden können: Früchte, Insekten, Wirbeltiere. Normalerweise ernähren sie sich von Kadavern. Seevögel und Kap-Pelzrobben werden als Kadaver an der Küste angeschwemmt, Braune Hyänen töten aber auch Jungtierrobben. Ihre einzigen Konkurrenten in der Namibwüste sind die Schabrackenschakale.



Artikel und Foto der SZ vom 19.04.2012

 Der Klippschliefer

 

Man könnte sie für Murmeltiere halten, doch haben sie hufähnliche Füße und zwei ständig nachwachsende Zähne im Oberkiefer. Klippschliefer sind entfernte Verwandte der Elefanten und Seekühe.

Sie können ihre Iris so verengen, dass sie stundenlang direkt in die Sonne sehen können. Sie fressen nur eine Stunde am Tag und können ohne zu trinken auskommen. Die Männchen verfügen in ihren Liedern über eine erkennbare Syntax, wie man sie bislang nur von Vögeln, Fledermäusen, Walen oder Primaten kannte. Dabei singen sie minutenlang, wobei sie ihre Lieder aus je 10 bis 20 Sekunden langen Tonsequenzen zusammensetzen. Diese bestehen aus Heulen, Schnauben, Piepsen und Zwitschern.

Mithilfe mathematischer Analysen konnten Forscher nachweisen, dass sich diese vokalen Laute als Silben verstehen lassen, die sich zu satzähnlichen Gebilden fügen. Zwar würden so keine Inhalte übertragen, doch ließen sich die Weibchen wohl von besonders komplexen Tonstrukturen beeindrucken. Da Jungtiere dazu neigen, die Gesänge der erfolgreichen, dominanten Männchen zu kopieren, entstanden in den einzelnen Klippschliefer-Kolonien Afrikas sogar gewisse Gesangstrends, also so etwas wie regionale Dialekte.



Die Kalahari

Gilt als die größte zusammenhängende Sandfläche der Welt und erstreckt sich mit 1,2Mio qkm von Namibia über Botswana, Südafrika, Sambia und Zimbabwe. Sie ist keine Wüste, sondern Trockenland. Als Wüste gelten Regionen die eine jährliche Regenmenge von weniger als 100mm aufweisen, in der Kalahari regnet es mehr. Vor 40-10.000 Jahren fiel hier viel mehr Regen und große Flüsse strömten Richtung Osten in den bis zu 300m tiefen Kalahari-Riesen-See. Als der Regen weniger wurde trockneten der See und die Flüsse aus. Heute, auch bei strömenden Regengüssen, fließt in den Flüssen kein Wasser mehr. Aber immense uralte Grundwasservorräte befinden sich in 50-100m Tiefe.

Die Kalahari ist eine relativ flache Steppen- und Savannenlandschaft, die durch ihren roten Sand und die roten Dünen charakterisiert wird. Zwischen den Dünen haben sich zahlreiche Pfannen gebildet, in denen sich während der seltenen Regenfälle das Wasser sammelt. Wenn es verdunstet bleiben weißliche Salz-Lehmkrusten zurück. Die Wildtiere halten sich gerne in diesen Pans auf um das Salz zu lecken. Im Einklang mit dieser ausgetrockneten Welt leben die San oder Buschmänner.

 

Reiterdenkmal in Windhoek

Deutsch-Südwest

Manchmal vergisst man in Namibia, dass man in Afrika ist. Bei den wenigen Deutschen - zurzeit leben ca. 20.000 Menschen mit deutschen Wurzeln - wird deutsche Vergangenheit verklärt. Es gibt die Allgemeine Zeitung, das Oktoberfest, aus dem Radio tönt deutsche Musik, das Bier wird nach dem Reinheitsgebot gebraut, in so manchen Restaurants gibt es Eisbein mit Kraut und in den Cafés Schwarzwälder Kirschtorte, die Straßen heißen Bismarck, Goethe oder Mozart und viele Häuser sind im kolonialen Baustil erbaut. In den Farmen soll oft noch heutzutage ein röhrender Hirsch an der Wand oder ein Bild Kaiser Wilhelm II hängen. Politisch spielen die Deutsch-Namibier keine Rolle. Aber die meisten Touristen kommen aus Deutschland und da der Tourismus ein starker Wirtschaftszweig ist, hütet sich die Regierung Reiterdenkmal, Christuskirche oder Alte Feste abzureißen.



Geschichte Angolas. Das Land ist mehr als doppelt so groß wie Deutschland, Österreich und die Schweiz zusammen. Vor der Kolonialzeit gab es auf dem Gebiet von Angola verschiedene politische Gesellschaftsformen, Königreiche und kleinere Dorfgemeinschaften.

1482 erreichte der portugiesische Seefahrer Diogo Cao die angolanische Küste. Ihm folgten portugiesische Händler und Missionare. Ihr Hauptinteresse galt dem Sklavenhandel.

1884/85 wurden an der Berliner Afrikakonferenz die heutigen Grenzen von Angola festgelegt und das Land zur portugiesischen Kolonie erklärt.

1961 brach im allgemeinen Zuge der Entkolonialisierung in Afrika im Norden Angolas der Krieg gegen die Kolonialherrschaft aus. Der Kampf wurde von drei Befreiungsbewegungen geführt: die FNLA (Nationale Front für die Befreiung Angolas), die MPLA (Volksbefreiungsfront Angolas) und die Unita (Union für die vollständige Unabhängigkeit Angolas).

Die Revolution in Portugal machte den Weg frei für die Unabhängigkeit der portugiesischen Kolonien. Im Abkommen Alvor 1975 wurden mit den drei Befreiungsorganisationen die Bildung einer Übergangsregierung und Durchführung von Wahlen vereinbart. Doch kurz danach brachen Kämpfe um die Vormacht aus. Die UNITA erhielt Unterstützung von den USA und Südafrika, die MPLA von den kommunistischen Ländern im Ostblock und Kuba. Die FNLA wurde bald bedeutungslos. Die MPLA setzte sich in der Machtfrage durch.

 

 



1991 wurden im Friedensvertrag von Bicesse die Zusammenführung der Armeen beider Parteien sowie international überwachte Wahlen für 1992 beschlossen. Die UNITA erkannte den Wahlsieg der MPLA nicht an, die Kämpfe eskalierten zu einem Bürgerkrieg. Der Bürgerkrieg kostete viele Menschenleben und hatte zur Folge, dass das eigentlich reiche Land völlig verarmte. Die Bauern fürchteten sich ihre verminten Böden zu beackern, die UNITA brauchte die Einnahmen aus dem Diamantenhandel und die MPLA aus dem Rohöl für ihre Waffen.

Als 2002 der UNITA-Führer Savimbi starb, hörten alle Kämpfe auf. Im selben Jahr wurde Fernando „Nando“ da Piedade Dias dos Santos zum Premierminister ernannt.

 Bei den Wahlen Ende August 2012 ging die MPLA mit 72% als klarer Sieger hervor.

Chinesische Invasion

Angeblich belaufen sich die erdölgesicherten Kredite die China Angola gewährt auf 13Billionen US$. Zinssatz 1,5%, Tilgung 17 Jahre. Kein schlechtes Geschäft für Angola, zumal China wie üblich, anderen Staaten gegenüber, eine strenge Nichteinmischungspolitik bezüglich Transparenz und Verantwortlichkeit wahrt. Angola ist mittlerweile Chinas größter Lieferant an Rohöl und wichtigster Handelspartner in Afrika. Die Chinesen bauen Straßen, Schulen, Eisenbahnen, Krankenhäuser, und sind in Telekommunikations-, Bergbau- und Stromsektor mit eigenen Firmen etabliert. Langsam macht sich aber Unzufriedenheit breit, da Angolaner von den chinesischen Firmen entweder gar nicht eingestellt oder ausgebeutet werden und Schnelligkeit auf Kosten von Qualität geht. (nachzulesen bei Bradt: Angola)



Nice weather
Ich trete aus dem Haus: „O, it’s raining!?!“ „Yeaa“, antwortet der Schwarze neben mir begeistert, „it’s nice weather.“

Buschmänner – San
Durch den feingliedrigen Körperbau, der sehr hellen, leicht gelblichen Hautfarbe, den hohen Wangenknochen und den unregelmäßig wachsenden Haarbüscheln am Kopf sind sie leicht zu erkennen. Bei älteren San überzieht sich das Gesicht mit tausenden Runzeln.
Ihre Sprache mit den verschiedenen Klick- und Schnalzlauten hört sich äußerst amüsant an.
Als Jäger und Sammler zogen die kleinwüchsigen Nomaden durch wildreiche Landschaften südlich des Sambesi. Seit dem15.Jh wurden sie von Bantuvölkern aus dem Norden, später von den europäischen Kolonisatoren in immer trockenere Gegenden verdrängt. Zuletzt blieb ihnen nur noch die Kalahari als Rückzugsgebiet. Durch die Einrichtung neuer Naturschutzgebiete und durch die agrare Expansion werden sie auch heute immer weiter eingeschränkt. Die Jagd wurde ihnen verboten. In Botswana, Namibia, Angola und Südafrika leben noch ca. 40.000 San, und von denen nur noch 10% in ihrer traditionellen Lebensform. Der Rest schlägt sich als Viehhirten und Farmarbeiter durch. Erst in jüngster Zeit fordern sie die Anerkennung ihrer traditionellen Lebensweise auf politischer Ebene. Selber geben sie sich übrigens keinen gemeinsamen Namen, sondern nennen sich je nach Familienverband Haikom, Ju Hoansi, Juwasi usw. Die lockeren Familienverbände müssten eine übergreifende Organisationsform finden um ihre Rechte gegenüber den Zentralregierungen besser geltend machen zu können, und nicht mehr die Ältesten, sondern junge engagierte Leute mit Schulbildung sind dabei gefragt.
Dass viele mit den veränderten Lebensumständen Probleme haben, sieht man an den apathischen Männern und Frauen die um die bottlestores herumlungern.
(nach einem Art. aus der SZ vom Januar 2007 und Reise Know-How: Namibia) 


Elefantengeschichte
Es war bereits finster als sich die Ranger in ihrem Auto auf der Heimfahrt befanden, nachdem sie Wasserlöcher im Park kontrolliert hatten. Als sie vor sich eine Elefantenherde sahen, hielten sie an, um diese vorbeiziehen zu lassen. Plötzlich und völlig unerwartet stürmte ein junger Elefantenbulle durch den Busch. Der Rückgang wurde eingelegt, der Motor heulte auf, unter den Rädern schoss Sand hervor. Aber es war zu spät. Den mächtigen Kopf gesenkt griff der Bulle an. Im tiefen losen Sand holte er sie schnell ein. Mit den beiden weißen Stoßzähnen gabelte er das Auto vorne auf und hob die Front hoch. „Wir fuhren rückwärts, aber nur mit den zwei Hinterrädern. Dieses Schubkarrenspiel mit dem 6 Tonnen-Elefanten fanden wir gar nicht lustig. Nach ca. 40m schlugen wir an die Autotüren und gaben ein paar Warnschüsse ab.“  Das reichte um den Bullen von seinem Toben abzulenken. Das Auto fiel auf den Boden. Ruhig und stolz zog er von Dannen. Das kaputte Auto wurde am nächsten Tag abgeschleppt.

Elefantengeschichte 2
Elefanten sind nicht nur hoch intelligente Tiere, sie haben auch Sinn für Humor und können Pläne schmieden, die sie dann ausführen. Zu diesem Schluss kam ein Ranger aus dem Krüger National Park vor etlichen Jahren. „Ich war auf dem Heimweg, als ich, auf der anderen Seite des Flusses einen Elefanten trinken sah. Der Wind war günstig, er hatte meine Anwesenheit noch nicht bemerkt. Erst als ich meine Kamera herausholte und ein Foto schoss, hörte er das leise Klicken. Seelenruhig trank er weiter und tat als hätte er nichts bemerkt. Ich musste ein Lachen unterdrücken, als ich sah, wie er sich mit dem Rüssel Wasser ins Maul spritze um ihn dann wie zufällig ziellos in die Höhe zu strecken, um in Wirklichkeit meine Witterung aufzunehmen. Erst als ich mich zum Gehen wandte, sah er mich zum ersten Mal an. Langsam kam er durchs Wasser in meine Richtung. Ich hielt am 2m hohen Flussufer an, neugierig was Jumbo als nächstes machen würde. Drei Schritte vor der Uferbank füllte er erneut seinen Rüssel und führte ihn gemächlich zu seinem Maul. Aber plötzlich streckte er sein Kanonenrohr aus und schoss 50l Wasser über mich. Bevor ich mich überhaupt bewegen konnte traf mich der starke Strahl. Sprachlos sah ich das Wasser an mir runterrinnen. Als ich mich vom ersten Schreck erholte hatte, beschloss ich abzuhauen, bevor sich eine zweite Ladung über mich ergoss. Frustriert stieß ich sämtliche Flüche aus, die mir einfielen und als ich mich noch einmal umdrehte, war ich sicher ein Lächeln in seinen dunklen Augen zu sehen.“

Elefantengeschichte 3 (Ilona Hupe: Zimbabwe)
Ende der 70er Jahre wurden eines Tages 3 junge Elefantenbullen beobachtet, die in direkter Linie von Spurwing Island nach Kariba schwammen. Die Entfernung von mehr als 25 km schien für Elefanten unmöglich zu bewältigen. Mitarbeiter des Nationalparks wollten die Tiere zunächst erschießen, um ihnen den qualvollen Tod durch Ertrinken zu ersparen. Dann aber versuchten sie mit Schüssen die Bullen zur Umkehr zu bewegen. Dies gelang schließlich. Doch am nächsten Tag wurden die Elefanten wieder entdeckt, da hatten sie aber bereits 2/3 der Strecke zurückgelegt. Ohne Anzeichen von Ermüdung schwammen sie bis nach Kariba. Von Zeit zu Zeit erholte sich einer, indem er seine Vorderbeine auf dem Rücken des anderen legte. In Kariba verschwanden sie rasch entlang eines uralten Elefantenpfades in die Berge.
Einheimische erinnerten sich, dass vor der Stauung des Karibasees ein alter Elefantenweg genau dort entlang führte, wo 20 Jahre später die Elefanten schwammen.


Zimbabwe unter Robert Mugabe

(Ilona Hupe)

Als der sozialistische Rebellenführer der Zanu (Zimbabwe African National Union) Robert Gabriel Mugabe 1980 erster Premierminister der unabhängigen Republik Zimbabwe wurde, zeigte er sich wider Erwarten weise und versöhnlich. Er kam den Europäern in seinem Land entgegen, wusste er doch um deren wirtschaftliche Bedeutung, führte die unterschiedlichen Rebellentruppen zu einer funktionierenden Armee zusammen und schuf kostenlose Schulbildung für alle und freie Gesundheitsversorgung für Arme. Kräftige Finanzspritzen aus dem Ausland gewährtem dem jungen Staat Aufschwung. Doch dann ließen Dürrejahre, die weltweite Rezession und innenpolitische Auseinandersetzungen das Land in eine schwere Krise schlittern. Die Shona-Regierungstruppen gingen brutal gegen die Ndebele vor, weil sie als Sympathisanten der Zapu-Rebellen galten. Das Ausland reagierte mit der Einfrierung der Entwicklungshilfegelder.

Bei den Wahlen 1985 wurde Mugabe zwar in seinem Amt bestätigt, erkannte aber dass er die Zapu als zweite Kraft akzeptieren musste. Koalitionsverhandlungen scheiterten vorerst. 1987 verloren die Weißen ihre Parlamentssitze. Durch eine Verfassungsänderung sicherte er sich als Staatspräsident, der immer mehr autokratische Züge annnahm, die volle Exekutivgewalt: er konnte Parlamentsbeschlüsse aufheben und eigenmächtig Gesetze erlassen. Die Massen fühlten sich um die Versprechungen des ehemaligen Freiheitskämpfers betrogen. Die ersten Zwangsenteignungen von weißem Farmland begannen. An den enteigneten Grundstücken bereicherte sich die politische Elite. Das schürte den Volkszorn. Studenten demonstrierten und mobilisierten die Massen. In den folgenden Jahren präsentierte sich Mugabe der Welt als moderner Staatsmann, wird aber im eigenen Land zunehmend unpopulärer. Eine verheerende Dürreperiode wurde für Zimbabwe zur Katastrophe. Wegen der extrem hohen Verschuldung kam Druck von Weltbank und IWF. Schulgeld musste wieder eingeführt werden. Das politische Leben nahm immer stärkere Züge einer Diktatur an, sein Regierungsstil despotischer. 1998 entsendete er militärische Truppen in den Kongo.

1999 bildete sich eine organisierte Opposition unter Morgan Tsvangirai mit der Partei MDC 'Movement for Democratic Change'. Mugabe entfesselte Jugendgangs, die im ganzen Land gewaltsam weiße Farmen besetzten. Von über 5000 Farmen blieben kaum 200 in weißen Händen. Der Rechtsstaat wurde ausgehebelt, die Opposition verfolgt. International isolierte sich Mugabe immer mehr, fand aber mit seinem anti-weißen Führungsstil auch zahlreiche Anhänger in Afrika. Tsvangirai bekam immer größeren Zulauf und 2008 hat seine MDC vermutlich die Mehrheit errungen. Offizielle Stellen behaupten das Gegenteil. Erneut kam es zu brutalen Verfolgungen. Unter dem Druck des Auslands kam es 2009 schließlich zu einer gemeinsamen Regierungsbildung. Tsvangirai wurde Regierungschef, Mugabe blieb als Präsident Staatsoberhaupt. Wie zu erwarten blieb die koalierende Regierung zweier sich tief misstrauender Parteien sehr handlungsschwach. Politisch wie wirtschaftlich stagniert das Land auf niedrigem Niveau. Für die nächsten Wahlen im Frühjahr 2013 hat Mugabe seine Kandidatur bereits angekündigt.



Entwicklungshilfe.

Volker Seitz der in verschiedenen Funktionen für das deutsche Auswärtige Amt allein in Afrika 17 Jahre tätig war betont in seinen Veröffentlichungen immer wieder, dass Entwicklungshilfe die Staaten Afrikas in Abhängigkeit hält. Die Fortschritte sind gering, denn die Hilfe fließt in Systeme, die seit Jahren nicht funktionieren. Die Ursache für das Scheitern sind fehlende Verwaltungs- und Rechtsstrukturen, Klientelismus, schamlose Bereicherung oder Zugehörigkeit zu einer bestimmten Ethnie der Eliten. Wohltätigkeit besiegt nicht die Armut. Spontane Solidarität nach verheerenden Naturkatastrophen, oder Spenden für Nothilfe können im Einzelfall durchaus hilfreich sein. Aber 50 Jahre Entwicklungshilfe hat nicht das bewirkt was beabsichtigt war. Vielmehr wären Ermutigung und Unterstützung der Eigenverantwortung das beste Rezept um einen bescheidenen Wohlstand zu schaffen. Die Betreffenden müssen das aber auch wollen, was oft nicht der Fall ist wie wir zum Beispiel in Angola oder Zimbabwe sehen konnten. Es bräuchte wirtschaftliche Reformen, eine Öffnung der innerafrikanischen Märkte, bessere Investitionsgesetze, Verbesserungen im Bildungs- und Gesundheitssystem und vor allem keine Eliten mehr, die das Volksvermögen rauben und ins Ausland transferieren. Impulse für Entwicklung müssen also aus dem Land selbst kommen.

Vielfach schaffen aber die Eliten durch Nichtstun wie in der Landwirtschaftspolitik erst die Probleme, zu deren Lösung sie dann die westlichen Steuerzahler auffordern.

Müssen wir wirklich korrupte Männer unterstützen, die jahrzehntelang Macht und Kontrolle über die Bevölkerungen hatten? Noch dazu in Länder, die nicht einmal arm sind, weil sie reiche Bodenschätze wie Gold, Kupfer, Diamanten usw. haben?

Auch viele Afrikaner wie der Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka, der ugandische Journalist Andrew Mwenda, die Wirtschaftswissenschaftler George Ayittey und Themba Sono, der Südafrikanische Publizist Moeletsi Mbeki oder die Wirtschafts- und Kommunikationswissenschaftlerin Axelle Kabou um nur einige zu nennen, üben scharfe Kritik gegen schwarze Eliten und weiße Helfer.

 

J.M.Coetzee, südafrikanischer Literaturnobelpreisträger schreibt in seinem Buch, Summertime: Baffoons is the world he (der Held der Geschichte) uses to dismiss the leaders of African states: petty tyrants who can barely spell their own names, chauffeured from one banquet to another in their Rolls-Royces, wearing Ruritanian uniforms festooned with medals they have awarded themselves. Africa: a place of starving masses with homicidal buffoons lording it over them.

Lesotho: the kingdom in the sky. Selbst das Tiefland ist über 1.000m hoch. Gegründet von König Moshoeshoe I. im 19.Jh., ist eines der drei noch verbliebenen Königreiche Afrikas. Hier lebten einst San, die 1873 im letzten der zahlreichen britischen Vernichtungsfeldzüge endgültig ausgelöscht wurden. Die heutigen Bewohner sind Basotho, die aus dem Tiefland vertrieben wurden. Wirtschaftlich lebt Lesotho hauptsächlich vom Bergbau. Es gibt eine ertragreiche Diamantenmine, in der seit 2004 die drei größten Diamanten der Welt entdeckt wurden. Wichtige Einnahmequelle ist das Highlands Water Project, bei dem das Wasser durch die längsten Tunnel der Welt über Wasserkraftwerke nach Südafrika geleitet wird. Als billige Kleidung aus Asien die Märkte überschwemmte, wurden in Lesotho Tausende Arbeiter arbeitslos. Nun ist das kleine Königreich im Süden Afrikas zurück auf dem Weltmarkt. Mit menschenwürdiger Produktion ist das Land das Gegenmodell zu Bangladesch (aus einem Artikel von Spiegel Online). Außerdem erhält Lesotho große finanzielle Unterstützung internationaler Geldgeber.

Krüger-Park

Gegründet von Paul Kruger, dem ehemaligen Präsidenten der South African Republic. Er wurde für seinen Weitblick gelobt, ein so großes Land (420km von N nach S) für den Tierschutz zur  Verfügung zu stellen, in Wirklichkeit war er ein eingefleischter Jäger. Auch wenn es nicht seine Absicht war, leben heute 150 Säugetier- und 507 Vogelarten und unzählige Reptilien, Amphibien und Insekten im Park und mehr als 300 Baumarten sind verbreitet.

Einst führte eine Eisenbahn durch den Nationalpark, doch zu viele Tiere fanden den Tod, daher wurde sie 1970 eingestellt.

Ein dekorativer Zaun wären es nicht Drahtschlingen der Wilderer

Sambias 5. Präsident seit der Unabhängigkeit, Michael Sata, auch „King Cobra“ genannt, hat mit seiner Partei Patriotic Front (PF) nach vielen Jahren in der Opposition, 2011 die Wahlen gewonnen. Eine Anhebung des Mindestlohns hatte er versprochen und auch verwirklicht. Trotzdem ist er unbeliebt, denn viele Arbeiter wurden daraufhin entlassen, die Pressefreiheit eingeschränkt, er hat Richter abgesetzt und durch einige wenige ihm genehme ersetzt, er brüskierte George W. Bush und seine Frau Laura als sie im Juli 2012 ins Land kamen um eine Gesundheits- und Antiarmut-Initiative zu promoten, er unterstützt immer wieder Mugabe, und entließ Gefangene, die wegen Wilderei einsaßen.

Es gibt 2 Arten von Wilderei; einmal die der armen Leute, die Tiere schießen um was zum Essen zu haben, und dann die Wilderei im großen Stil. Letztere ist so durchorganisiert, dass die Täter nie zu erwischen sind. Das Fleisch wird bereits an Ort und Stelle in 3-5kg-Portionen verpackt. Nachts, auf der Hauptstraße warten bereits die LKW für den Weitertransport.

 

 

Der Nilwaran (Nile Monitor)

 

Er wird bis zu 2m lang, ist ein flinker Jäger, ernährt sich von Eiern und Jungvögeln und ist ein ausgezeichneter Schwimmer.

 

 

Kleines Burundi ABC

   Nationalgericht: Brochette de boeuf  ou chèvre;  Rindfleisch- oder Ziegenspieße.

Burundi hat ca.10Mio Einwohner, mehr als die Hälfte davon sind unter 14 Jahren.

   Margarete „Maggy“  Barankitse ist Burundis berühmteste Frau.Während eines Massakers rettete sie vielen Kindern in ihrem Haus das Leben.

   Seit der Unabhängigkeit erlebte Burundi 2 Genozide: 1972 die Massentötungen von Hutus durch die Tutsi dominierende Armee und 1993 Massentötungen der Tutsi durch die Hutus.

   Wer in Burundi kirchlich heiraten will, muss sich einige Wochen vorher  während des Gottesdienstes vorstellen. Die Frau muss sich sogar  vor dem Altar drehen, damit jeder sehen kann, vor allem der Gottesvertreter, dass sie nicht schwanger ist.

   Die Mehrheit sind Hutus und leben auf dem Lande.

   In Burundi lebt man nach der Kuhzeit. Mittag ist z.B. dann, wenn die Kühe am Fluss trinken gehen.

    Die Landessprachen sind Französisch, Kurundi und Swahili. Auf dem Lande sprechen aber nur sehr wenige Französisch.

   Wichtigster Wirtschaftszweig ist die Landwirtschaft. Angebaut werden Kaffee,  Zucker, Baumwolle, Bananen, Tee, Mais, Reis, Süßkartoffel, Sorghum, Yams .Burundi  ist aber auch reich an Rohstoffen wie: Uran, Nickel, Kobalt, Kupfer und Platin. .

   Motorrad-Taxi: der Fahrgast hat die Möglichkeit  zum Fahrer zu sagen: ich fahre, du sitzt hinten.

   Primus heißt das einheimische Bier, nach seinem Preis richten sich alle Marktpreise. Denn der Händler will für einen Sack verkaufter Bohnen wenigstens ein Bier trinken können.

   Burundisches Sprichwort: in Burundi wird man vergiftet, im Kongo erschlagen.

   Es gibt Prepaid-Karten für Strom.

   Jeden Samstag bis 10.00: travaux communitaires,  jeder Bürger muss Gemeinnütziges tun, daher ist Bujumbura  zu dieser Zeit wie ausgestorben, keiner lässt sich blicken.

   1962 erlangte Burundi die Unabhängigkeit von Belgien

   Twa, eine Art Pygmäen. Diese Volksgruppe, die etwa 1-2% der Bevölkerung Burundis ausmacht, wird ausgegrenzt bzw. grenzt sich selber aus.

   Burundi liegt, obwohl so fruchtbar und reich an Bodenschätzen auf dem letzten Platz des “Welthunger Index” der deutschen Welthungerhilfe

   Zählen mit den Fingern anders als wir. Bei eins wird der kleine Finger ausgestreckt, zwei der Ringfinger, usw.  Fünf wird mit der geschlossenen Hand gedeutet.

 

 

Paul Kagame.

Er ist kein ‚fat cat‘, kein mächtiger Schwarzer, der seine Arriviertheit durch Körperfülle demonstrieren muss, oder in einem Prunkbau wohnt. Er wirkt eher asketisch und erinnert mich äußerlich irgendwie an Gandhi. Es sei nicht leicht ein Volk nach einem Genozid zu führen. Dafür gebe es auf der ganzen Welt kein Handbuch. Viel leichter sei es ein Land zu regieren, das sich im Krieg befinde, denn der Krieg setze bestimmte Maßstäbe. Und von sich sagt Kagame, er sei ein Pragmatiker.  Er überlege was am Wichtigsten, was Machbar sei und was anderen am wenigsten schade. Er verabscheut Privilegien und Korruption. Fortschritt, Sicherheit, Stabilität und Wohlstand für alle, das sind seine Visionen. Durch Projekte wie „Girinka“ -jeder bedürftige Farmer bekommt eine Kuh, damit wird die Zahl unterernährter Kinder drastisch reduziert- liebt ihn der Westen und die Hilfsgelder sprudeln reichlich. Nur mit den Menschenrechten hapert es und all seine Gegner sterben eines plötzlichen Todes.

Höchstwahrscheinlich wird auch er die Entwicklung so vieler anderer Diktatoren erleben, die immer selbstgerechter, sich nur noch darauf konzentrieren ihren eigenen Stuhl zu retten.

Ankole- auch Watussirinder

Ihre Hörner können eine Länge von bis zu 2,60m erreichen. In der Regel werden sie nicht geschlachtet oder verkauft, denn ihre Anzahl gilt als Statussymbol. Sie liefern nur wenig Milch, daher wird diese mit Blut vermischt getrunken. Dazu werden sie zur Ader gelassen. Einige 100ml Blut werden an der Halsschlagader abgezapft. Die Wunde wird aus einer Mischung aus Speichel und Erde wieder verschlossen. Der Dung dient, vermischt mit Lehm zur Abdichtung beim Hüttenbau, oder wird getrocknet als Brennmaterial verwendet.

(Iwanowski: Uganda, Ruanda)

 

Hilfe für Afrika

Dieser Absatz aus dem Buch von Richard Grant: Meine Bar in Sansibar hat mir sehr zu denken gegeben.

Überaus höfliche Weiße springen aus ihren blitzblanken 60.000$ Landcruisern, breiten Pläne aus, wie die Armut der Vergangenheit angehören…, man sich an einem Kurs zur gegenseitigen Achtung der Geschlechter beteiligen sollte,, die Folgen der bisherigen Jagd- und Ackerbaugewohnheiten für die Umwelt berücksichtigen sollte, seine sexuellen Gewohnheiten ändern, ebenso die Art und Weise wie man morgens scheißt, Wasser holt, Felder bepflanzt, Vieh weidet, Kinder aufzieht, die Frau behandelt und mit seiner Wut umgeht…Würde ich mich an seiner (des Schwarzen, Anm.von mir) Stelle bevormundet fühlen, wäre ich verwirrt, zornig, dankbar verlegen, gekränkt, desinteressiert? Würde ich denken, die haben so viel, ich nichts, also gebt mir, gebt mir, gebt mir!“

 

In Tansania sind mehr als 130 ausländische Nichtregierungsorganisationen tätig. Die Hilfen der „internationalen Gemeinschaft“ machen 40% des Jahreshaushaltes der Regierung aus.

 

 

Politisch korrekt

In Ghana waren wir die Obronees. Die Bedeutung hierfür kenne ich nicht, aber ich könnte mir vorstellen, dass sie nicht als Kompliment zu verstehen ist. In Ostafrika werden wir Muzungo genannt, die, die im Kreis herumirren. Diese Übernamen nehmen wir gelassen und ohne Empörung hin, so wie wir das auch tun, wenn uns die Chinesen Langnasen, oder die Latinos Gringo nennen. Doch wo wir uns neuerdings, dem aktuellen guten Ton entsprechend, zu empören haben, ist es, wenn ein unkultivierter, unzivilisierter Obroni oder Muzungo von Negern spricht oder unwissende Großeltern ihren Enkeln von den 10 kleinen Negerlein erzählen oder Kinder „Wer fürchtet sich vom schwarzen Mann spielen“. In diesem Sinn hat auch kürzlich die Stadt Hannover aus ihrer Mensa das Zigeunerschnitzel verbannt. Es wird dort nur mehr das Balkanschnitzel serviert und folgerichtig nicht mehr den Zigeunerbaron, sondern der Balkanbaron aufführen wird. Aber keine Sorge, alles wird gut werden, wenn wir erst mit all unserem „Brownnosertum“ farbig geworden sind und die Peinlichkeit der weißen Hautfarbe ablegen dürfen.

Heiliger Ibis

Hemingway

Im Januar 1954 flog Ernest Hemingway mit seiner Frau und einem Freund, der auch der Pilot der Chessna 180 war, von Entebbe zum Lake Albert. Als sie über den Murchison Falls kreisen, touchiert die Maschine einen Telegraphenmasten, sodass das Propellerblatt und das Höhenruder und die Antenne der Funkanlage beschädigt werden. Es gelingt eine Notlandung, aber die drei müssen die Nacht im Busch verbringen, mit nur einer Flasche Wasser, ein paar Bier und einer Flasche Whisky. Um seinen Freund zu schützen erzählt Hemingway später eine Schar Heiliger Ibisse sei ins Flugzeug geflogen.

Am nächsten Tag werden sie von einem Schiff gerettet und in eine kleine Stadt am Albert See gebracht, wo bereits eine Maschine aus Nairobi auf sie wartet. Aber die Startbahn ist verbuscht und während des Starts kommt die Maschine ins Trudeln und fängt Feuer. Alle Passagiere können aus der brennenden Maschine durch die schmale Notausstiegsluke flüchten. Nur Hemingway ist zu dick und muss eine Flugzeugtür eintreten. Schließlich können sie einen alten Ford Zephir auftreiben und nach Entebbe zurück fahren. Im gleichen Jahr erhält er den Literatur-Nobelpreis zuerkannt.

Diese Ereignisse schildert Hemingway übrigens in etwas abgewandelter Form in seiner Erzählung: True at first light.

Der Sündenfall

Ich bin gerne oben auf den Höhen des Autodachträgers. Es erweitert den Horizont ungemein, gibt mir das Gefühl von Herrschaftlichkeit und öffnet den Blick auf manch sonst Verborgenes. Man unterläuft, nein, man überspringt den Sichtschutz der nachbarlichen Hecke. Ich bin kein Voyeur, beileibe nicht, aber dort oben tun sich einem Kontaktmöglichkeiten auf, die den am Boden verhafteten verwehrt sind. Mit einem unschuldigen: 'good morning' kann die Basis für weiterführende Gespräche geschaffen werden, um die maskuline Neugierde auf das dunkle Fremdartige zu befriedigen. Doch wer das Katholische kennt, weiß es: auch der Gedanke ist Sünde und wird als Fehltritt bestraft. Für mich wurde es ein Tritt ins Leere. Es blieb nicht viel Zeit für eine stabile Fluglage. Ich verschwand diesseits der Hecke, die Begrüßte jenseits aus meinem Blickfeld. Wie zum Hohn kam von drüben die Frage: 'Are you o.k.?Mein Stolz ließ nur ein gepresstes 'Sure I'm fine'. Mehr war nicht drin wegen Bestandsaufnahme und Schadenfeststellung. Auch war weitere Kommunikation meinerseits nicht mehr gewünscht. Ich trage jetzt einen Stützstrumpf am rechten Knie und mein Gang ist nicht mehr so locker und lässig wie ich gerne möchte.

 

Warum Entwicklungshilfe die Migration stärkt (Gewinn 7/8/16)

Mit messerscharfen Worten geht der schottisch-amerikanische Wirtschaftsnobelpreisträger  Angus Deaton mit der internationalen Entwicklungsindustrie ins Gericht.  "Es ist unmöglich ein Land von außen zu entwickeln, Länder entwickeln sich von innen. " Regierung und Bevölkerung müssen gemeinsam auf Entwicklungsziele hinarbeiten. Wenn aber "...externe Gelder einen großen Teil der Staatsausgaben ausmachen, unterminiert Entwicklungshilfe systematisch den sozialen Kontrakt zwischen Regierung und Bevölkerung. Regierungen müssen gegenüber ihrer Bevölkerung in der Verantwortung stehen, nicht gegenüber der Weltbank, dem Währungsfonds oder anderen externen Organisationen." Moralische Argumente findet Deaton sehr ärgerlich.  "Wenn Geld in korrupte Regierungen fließt, schafft das Diktaturen wie jene von Robert Mugabe und Paul Kagame. Wir hingegen fühlen uns besser, argumentieren scheinheilig und schaden den Menschen, denen wir angeblich helfen." Entwicklungshilfe schadet den afrikanischen Staaten, es macht sie ärmer, dadurch wird die Migration durch mehr Entwicklungshilfe eher zu- statt abnehmen.