IRAN

 

An der iranischen Grenze: Heimos Pass mit dem Visum ist registriert. Wir verstehen nur 'Problem' und 'Interpol'. Mit dem 2.Pass, 160.-€ für einen Stempel und 10.-€ 'What's for me?', eine Autoversicherung, ewiges Begutachten des Carnets und dem erfolgreichen Abwimmeln der zahlreichen Geldwechsler schaffen wir die Einreise schließlich nach 5 Stunden. Wir kommen nur noch bis zur nächsten Ortschaft, schlafen im Auto neben einer Moschee. Dort gibt es immer Toiletten. Diese hier sind spiek and span.

 

 

diese zwei finsteren bärtigen Männer (Khomeini und Chamenei) sind allgegenwärtig

Im Stadtpark von Teheran, gleich beim Maidan Imam Khomeini treffen wir uns am 28.08.15 um 18.00 wie vereinbart mit Regina und Klaus, Barbara und Heinz aus München. Sie sind nach Teheran geflogen, haben Leihautos. Gemeinsam wollen wir die nächsten 4 Wochen durch den Iran fahren.

 

 

QOM ist die heilige Stadt der Schiiten. Hier leben und lehren die Ayatollahs. Beim Holy Shrine bekommen wir einen Führer. Er gibt sich sehr liberal: gerne dürfen wir fotografieren und Fragen stellen. Er erklärt uns der Islam bestehe aus drei Säulen: Wissenschaft, Forschung und erst an dritter Stelle dem Koran. Die Frau würde im Koran besonders geschützt und verehrt und überhaupt gäbe es keine Probleme zwischen Sunniten und Schiiten in der Welt.

 

Es ist brütend heiß und wir sind froh als wir die Ganzkörpertücher wieder abgeben dürfen, die wir Frauen über unsere Kopftücher noch zusätzlich tragen mussten.
in der U-Bahn in Teheran

Apropos Frauen: 'wir besonders Geschützten' müssen Schleier, weite lange Kittelhemden und weite Hosen tragen, dürfen Männer nicht in die Augen schauen oder die Hand geben, wir dürfen nicht ins Fußballstadion, nicht rauchen, nicht singen, nicht tanzen….

Heinz zählt sein Geld: ihm fehlt eine Million. (1.000.000 Rial = ca. 26 €)

Im Iran gibt es keine PKW mit Dieselmotoren, daher tanken wir an den Zapfsäulen der LKWs mit den dicken Pistolen. Nachdem der Treibstoff sehr günstig ist, sind die Tankwart auch nicht so sorgsam wie bei uns und füllen den Tank voll bis er überquillt. Vom Boden spritzt dann der Diesel in alle Richtungen. Beim ersten Tanken steh ich unvorsichtiger Weise daneben und werde bis zur Hüfte vollgespritzt. Ich gestikuliere empört, der Tankwart antwortet mir mit einem bedauernden Lächeln.

Kashan hat verwinkelte Gassen und traditionelle Häuser hinter hohen Lehmmauern.

im Hamam von Kashan

Abyaneh, das rote Dorf am Ende eines Tales. Auf dem Weg dorthin kommen wir an einer nuklearen Aufbearbeitungsanlage vorbei. In der Wüstenlandschaft stehen in der brütenden Sonne ein paar Soldaten um Flugzeugabwehrraketen. Wir befolgen das strenge Fotografie-Verbot. Keiner von uns hat Lust auf einen Aufenthalt in einem iranischen Knast.

Barbara und Heinz im Teehaus in Abyaneh

Die Iraner haben 3 Monate Schulferien. Sie nutzen diese Zeit bis Ende September und reisen durchs Land. Junge Leute zu zweit im Peugeot oder Renault oder ganze Familien mit Kindern,Tanten und Onkel sitzen zusammengepfercht zu acht im Saipa, ein im Iran hergestellter PKW der sehr an einen kleinen BMW der 80er Jahre erinnert, das Gepäck am Dach. In den Parks der Städte oder auch nur an einem Schattenplatz am Straßenrand machen sie Picknick. Dazu breiten sie ein paar Decken aus und packen ihre mitgebrachten Töpfe und Kühltaschen aus.

Welcome to Iran! Diese drei Wörter hören wir tausend Mal.

Wir sind überrascht, wie viele Iraner Englisch sprechen. Sie lernen das nicht in der Schule, sondern in speziellen Kursen und an der Uni, haben aber kaum Gelegenheit es zu sprechen. Sie sind neugierig auf uns Ausländer, wollen mehr von uns wissen, werden dabei aber nie aufdringlich.

Kein Tag vergeht ohne mehrere Castings. Jeder hat ein Handy und fotografiert uns und sich selber mit Selfie-Sticks, die überall zum Kauf angeboten werden.

 

 

Die Iranerinnen sind fashionistas. Trotz strenger Kleidervorschriften legen sie großen Wert auf ihr Äußeres. Es ist modern sich stark zu schminken, die Augenbrauen zu zupfen und ihnen mit dem Stift eine andere Linie zu geben und sich die Nase operieren zu lassen.

 

Über Isfahan weht eine große Staubwolke. Der Wind wirbelt den Sand der nahen Kevir Wüste auf. Im Hotel sagt der freundliche Rezeptionist das sei sehr ungewöhnlich für Isphahan, der ganze Staub käme aus Saudi Arabien. Isfahan gefällt uns von allen Städten am besten. Die Menschen sind sehr aufgeschlossen, es gibt nette Kaffees, was wir in Teheran vermissten.

Klaus und Regina bei der Brücke in Isphahan

Nach zahllosen Moscheen wollen wir uns im armenischen Viertel die christliche Kirche anschauen. Sie ist geschlossen. Gegenüber ein Teppichladen. Vom Dach seines Hauses hätten wir eine gute Aussicht auf die Kirche, meint der freundliche junge Mann. Wir sagen: „Wir wollen aber nichts kaufen“. „Das macht nichts. Die Besichtigung ist ganz unverbindlich“, beteuert er. Wir bekommen Tee serviert, dann noch einen, es wird gescherzt und gelacht und nebenbei zeigt man uns ein paar Teppiche. Bevor wir gehen erzählt er uns noch eine Geschichte. „You know, once there came a group of Germans. They said: we don't want to buy anything, only look. And finally they left with three carpets.“ Ratet mal wer diese 'group of Germans' waren. Die Geschäftstüchtigkeit der Armenier ist legendär.

4 Tage und 3 Nächte verbringen wir in der Dasht-e-Kevir Wüste. Anarak, Chupanan, Jandaq, Mesr, Farahzad, Khur, Ordib, Khanj heißen die Orte bzw. Oasen. Wir campen an einsamen Plätzen. Der klare Sternenhimmel ist unser Freiluftkino. Unsere Luftmatratze hat ein oder gar mehrere Löcher. Heimo versucht sie zu kleben, was aber nicht wirklich gelingt. Abends vor dem Schlafengehen pumpen wir sie mit dem Blasebalg auf, aber in der Früh liegen wir dann auf der harten Holzunterlage.

eine Flasche Weißwein und ein paar Bier für den Sundowner haben wir in den Iran schmuggeln können
am Salzsee
Where is Heimo?
mitten in der Wüste in Khanj eine Quelle

In den Städten sind unsere Hotels meist traditionelle renovierte Herrschaftshäuser. Um einen Innenhof mit Brunnen, Bäumen und Sträuchern sind die Zimmer angeordnet.

In diesen 4 Wochen sehen wir nur einmal ein KFZ mit ausländischer Kenntafel. Es war ein Hamburger den wir im Zagros Gebirge kreuzten. Daher verständlich, dass wir für die Iraner etwas Besonderes sind. Wenn sie unser Auto sehen hupen sie, fahren parallel, winken aus den offenen Fenstern, und rufen mit Victory-Handzeichen: „Where are you from?“ Wie schon in Afrika müssen wir uns auch hier die Namen von verschiedenen italienischen und deutschen Fußballern anhören.

 

Heinz joggt gerne. Das ist den Iranern völlig unbekannt. Verwundert schauen sie zuerst auf ihn und dann nach hinten. Wenn einer läuft, dann muss ein Verfolger hinter ihm sein. Aber nachdem da niemand folgt, sind sie total perplex.

Nächster Stopp ist Yazd. Auch hier sind Freitagsmoschee und Bazar angesagt. Hier kaufen wir uns 2 Matratzen um beim campen nicht gar zu hart zu liegen.
die Schweigetürme der Zoroastrer bei Yazd

Das Essen finden wir etwas eintönig: Kebab von Lamm, Rind oder Huhn, Gemüse mit Reis, das ein bisschen an das indische Dal erinnert, Auberginenmus, Forelle, Schnitzel und Pizza. Dazu gibt es immer ein schlabbriges geschmackloses Fladenbrot. Aber der Reis und das Joghurt schmecken immer gut. Ich glaube unsere Erwartungshaltung war einfach zu groß. Wir essen nie schlecht, aber auch nicht wirklich gut.

zum Grillen kaufen wir uns ein paar Lammkotletts
Naqsh-e Rostam, die Nekropole der Achämeniden. Xerxes I. (486-465 v.Ch.), Darius I., Artaxerxes I. und Darius II. liegen hier begraben.
ein guter Fotograph muss sich schon mal ins 'Zeug' legen

Pasargadae. Hier siegten die Perser 550 v.Ch. über die Meder. Kyrus der Große ließ daraufhin eine Residenzstadt errichten.

Persepolis
Persepolis
die älteste Moschee Shiraz
Shiraz: in der Moschee

Es gibt keinen Shiraz in Shiraz! Ein Glas Wein oder ein kühles Bier würden wir sicherlich nicht verabscheuen. Dabei wächst so viel Wein nördlich der Stadt. Immer nur süße Säfte, Wasser und Doogh, das dem türkischen Ayran sehr ähnlich schmeckt! Die weniger frommen Iraner panschen sich ihren Alkohol selber. So wird z.B. dem Methylalkohol aus der Apotheke irgendeine Limonade beigemischt oder sie setzen sich ihr Malzbier im stillen Kämmerchen an.

 

Im Zagros-Gebirge leben Halbnomaden
und in höheren Lagen wird im Winter sogar Skigefahren
Felge kaputt. Ich bin auf einen Stein gefahren. Buh, da schimpft der Boss!

Hamadan Unser Hotel ist direkt am Meydan Imam Khomeini. In jeder Stadt heißt der Hauptplatz so. Früher hieß er höchstwahrscheinlich Schah Reza Pahlewi. Er wurde nach Plänen eines deutschen Architekten erbaut und ist ganz anders als die Plätze im restlichen Iran. Strahlenförmig laufen die Straßen auseinander.

den Gefallenen des Iran-Irakischen Krieges 1980-1988 gedenkt man in jeder Stadt. Die Iraner nennen diesen Krieg den Saddam Krieg, denn sie betrachten die Iraker als ihre Brüder

Am nächsten Tag wollten wir den Gipfel des Alvand ersteigen. Als Aufstiegshilfe dient eine Seilbahn, die früher an der Tiroler Seite zur Zugspitze führte und 2007 hier neu aufgebaut wurde. Aber es ist Freitag (der islamische Sonntag) und Kolonnen von Autos fahren im stop-and-go-Tempo in die Berge, sodass wir unser Vorhaben bald aufgeben.

Mittagspause
im Alamut-Tal wächst alles: Reis, Oliven, Nüsse, Feigen, Pfirsiche (übrigens auf lateinisch: Malus Persicus) ...
Bauern im Alamut-Tal
wir überqueren das Elburz-Gebirge. Höchste Erhebung mit 5.600m ist der Damavand nordöstlich von Teheran
auf der Passhöhe, auf nahezu 3.200 m begegnen wir im Nebel diesem Fuchs
und erreichen das Kaspische Meer bei Tonekabon

Am Fischmarkt fragen wir nach Kaviar. Gibt es nicht. Dafür kaufen wir uns Fische und lassen sie uns im nächsten Restaurant zubereiten.

Dann verabschieden wir uns von den anderen. Sie fahren zurück nach Teheran und fliegen wieder heim, während wir am Kaspischen Meer entlang Richtung Norden fahren.

Mazuleh, ein Dorf in den Bergen
das Besondere: die Dächer der darunterliegenden Häuser dienen dem Oberlieger als Weg oder Straße

Ohne Hilfe eines Schleppers hätten wir die Ausreise aus dem Iran wohl nie geschafft. Im Niemandsland warten wir dann 1 ½ Stunden, es ist gerade Mittagspause.

Hut ab, langärmeligen Kittel weg. Herrlich die Luft auf Haut und offenem Haar zu spüren.

 

 


 


 

Sonnenaufgang über dem Kaspischen Meer bei Astara

 

Ich glaube ich bin noch in keinem Land so freundlichen Menschen begegnet wie im Iran. Ständig wurden wir eingeladen, man schenkte uns Obst, Nüsse und Süßigkeiten, an der Mautstelle, nachdem wir gefragt wurden woher wir kamen wurden wir 2 Mal ohne zu Bezahlen durchgewunken und Klaus wurde der Kanister Benzin geschenkt, als er einmal zu tanken vergaß. Obwohl wir an Eintrittsgelder und in Hotels ein Vielfaches von Iranern bezahlten ist es für Europäer doch ein sehr billiges Reiseland. Auch für den Diesel bezahlten wir das Doppelte wie die Einheimischen, aber bei 0.15€ den Liter wollen wir nicht meckern.