Georgien

Land der Wehrkirchen

 

Trotz finsterer Miene der georgischen Beamten schaffen wir den Grenzübertritt in der Rekordzeit von 17 Minuten. In den nächsten Tagen werden wir feststellen, dass die meisten Georgier zwar mürrisch oder abweisend dreinschauen, aber absolut nicht ungut sind. Niemand ruft: Welcome to Georgia, keiner fragt woher wir kommen. Man kümmert sich einfach nicht um uns und das ist ganz angenehm. Wir fühlen uns trotzdem sicher und sehr wohl.

Wir fahren zuerst durch die Weinstraße (sie heißt wirklich so), dann durch ein Gebiet wie im Wienerwald und dann in Täler mit Wildbächen die irgendwo in den Alpen sein könnten.

In Georgien wird schon seit über 6.000 Jahren Wein angebaut. Die Gärung erfolgt in Tongefäße, die in die Erde eingelassen sind.
An Flüssen in einsamer Natur campen wir und genießen warme Herbsttage.
Heimo bei den allmorgendlichen Waschungen

Beim Kloster Gremi treffen wir auf das gleiche Auto wie wir es in Afrika stehen haben: ein Landcruiser HZJ78. Unglaublich aber wahr, Barbara und Gianpiero aus Cagliari, Sardinien, sind wirkliche Globetrotter und schwärmen uns von Städten und Ländern vor, die wir nicht einmal dem Namen nach kennen. Bis nach Wladiwostok und auf die Halbinsel Kamchakta sind sie schon mit ihrem Auto gekommen.

Georgian Military Highway

Bereits 100 v. Chr. erwähnt der griechische Geograf Strabon eine Karawanenstraße über den großen Kaukasus, die regelmäßig von Räubern und Lawinen heimgesucht wurde. Während der römischen Besatzung wurde sie von den römischen Legionen beschützt. Als Georgien 1783 dem zaristischen Russland unterstellt wurde, erfolgte der Ausbau des Karawanenweges zu einer für das Heer benutzbare Straße.

die Festung Ananuri

Es gibt eine Steigerung der Hässlichkeit französischer Wintersportorte: Gudauri. Heimo war vor 10 Jahren mit Reinfried da, zum Heliskiing. Seither wurde viel gebaut: hohe Hotelkästen, Lifte von Doppelmayr und überall Schotterberge. Heimo hat Mühe sein Hotel wiederzuentdecken.

am Kreuzpass
Der Vulkan Kasbegi, auch Kazbek (5047m), bzw. Berg des Prometheus.

Prometheus, der darüber wachte, dass die Menschen von den Göttern nicht allzu sehr übers Ohr gehauen wurden, trickste die Götter aus und erzürnte damit Zeus. Letzterer nahm Prometheus gefangen und kettete ihn an einen hohen Felsen des Kazbek. Der Titan musste am Felsen hängen, durfte nicht schlafen und ein Adler fraß von seiner Leber, die täglich nachwuchs. Schließlich erbarmte sich Herakles seiner. Er erschoss den Adler mit Pfeil und Bogen und der Zentaur Chiron ließ sich an Prometheus' Stelle an den Felsen ketten.

Wir fahren bis an die russische Grenze

Tbilisi - Tiflis

Die Statue des Hl. Georg auf dem Freiheitsplatz
der Präsidentenpalast und dahinter die alles überragende Zminda-Sameba-Kathedrale
es gibt einige renovierte Jugendstilhäuser
aber Tiflis ist nicht Baku. Hier fließen keine Petrodollar..
Von Tiflis fahren wir in den Süden nach Armenien, kommen von dort aber wieder nach 
Georgien zurück.

Ein georgisch-russisches Märchen

In einer Kleinstadt Georgiens lebte einmal ein armer Schuster mit seiner Frau in einem winzigen Häuschen.

Am 21.12.1879 ward ihnen ein Sohn geboren. Sie gaben ihm den Namen Josif.

Er sollte Priester werden und studierte an einem russisch-orthodoxen Priesterseminar. Doch er las lieber georgische Bücher, dessen Held, Koba sich für die Rechte der armen Bauern einsetzte. Der Student ließ sich Koba nennen.

Doch es dauerte nicht lange und er nahm den Namen „der Stählerne“ an.

 

Wie so viele Märchen endet auch dieses grausam. Nachdem es sich hier aber um gar kein Märchen handelt, sondern um schonungslose Wirklichkeit, in der Millionen von Menschen ihr Leben lassen mussten ist es wohl eines der tragischsten, wenn nicht das tragischste Ereignis des 20. Jahrhunderts.

der hohe Kaukasus
Heimo muss immer auf den nächsten Berg gehen, schauen was auf der anderen Seite ist.
Uplisziche, die in den Fels gehauene Stadt aus dem 16.-15.Jh v.Chr.

Wir kommen ins Flachland von Kolchis. Einst ein Meeresbusen im östlichen Schwarzen Meer der durch die Sedimente der vielen Bergflüsse aus dem Kaukasus zugeschwemmt wurde. Die alten Griechen haben das Gold aus den Flüssen mit Tierfellen aufgefangen. Von dieser Gegend handelt die Argonautensage. Jason ist hierher gereist um das Goldene Vlies, das Fell eines goldenen Widders zu rauben.

Batumi, ein nettes Städtchen mit subtropischem Klima liegt im Südwesten Georgiens, direkt am Schwarzen Meer. Hier nehmen wir die Fähre nach Burgas Bulgarien. Es wird eine 4tägige Kreuzfahrt über Novorossiysk (Rußland), vorbei an der Krim, die wir wegen des schlechten Wetters nicht sehen und schließlich am Donaudelta. Keine reichen Witwen sind an Bord, ich bin die einzige weibliche Passagierin unter lauter georgischer Camionisti, Lastautofahrer.


 

In 9 Wochen haben wir 4 für uns neue Länder besucht und 14.000km zurückgelegt. Wir waren begeistert von der Herzlichkeit der Menschen denen wir begegnet sind, aber auch bestürzt über die Armut Vieler. Als sehr angenehm empfanden wir ihre Zurückhaltung, kein 'give me money' oder 'sister, good price'.

Heimo hat ohne gültigen Pass die Reise angetreten und kommt ohne diesen wieder nach Hause. An der slowenischen Grenze wurde Sein Pass zusammen mit Führerschein und Zulassungspapiere eingezogen. Angeblich haben wir die falsche Vignette gekauft und sollten 300.-€ Strafe zahlen. Aber wir weigerten uns.