Argentinien

In Buenos Aires habe ich unglücklicherweise über Booking eine miese Absteige gebucht. Wir fühlen uns in dem dunklen Zimmer so unwohl, dass wir bis spätabends durch die Straßen der Stadt streifen oder noch auf ein Bier gehen. Auch das Viertel, San Telmo ist falsch gewählt. Überbewertet habe ich im Buch die Worte ‚grandeur‘ und ‚bohemian spirit‘ und das kleine Wörtchen ‚faded‘ ignoriert. Unser Blick ist immer auf den Gehsteig gerichtet um nicht über fehlende oder schiefe Bodenplatten zu stolpern oder in Hundekacke zu steigen.

 

Es gibt natürlich auch schöne Viertel und in eines kommen wir, als wir uns auf die Suche nach Juana Pisano machen. Vor 41 Jahren habe ich sie kennen gelernt. Damals, wir waren noch sehr jung, gab sie mir ihre Visitenkarte mit Telefonnummer und Adresse. Kurz vor unserer Reise fiel mir die Karte zufällig in die Hände. Die Telefonnummer existiert längst nicht mehr, aber das Haus steht noch und der Portero versichert mir, wenn sie in BA ist, wohnt sie hier. Aber sie ist Ambassadora (das muss sowas wie ein Gouverneur sein) in einer entfernten Provinz. Ich hinterlasse eine Nachricht und bin gespannt ob sie sich, wenn sie das nächste Mal in BA ist,  bei mir melden wird.

 

Die Einwohner von Buenos Aires nennen sich porteños (Hafenstädter) und gelten im restlichen Argentinien als arrogante ‚know-it-alls‘. Man spottet über sie:“ Gott ist überall in Argentinien – aber er empfängt nur in Buenos Aires.

 

Taxifahren ist in Buenos Aires relativ billig und soziologisch hoch interessant. Scheint doch jeder Fahrer über sein Land zu schimpfen.

  • Alle Politiker sind korrupt.
  • Mauricio Macri, ist ein sehr schlechter Staatspräsident
  • Argentinien ist Europa sehr verbunden, übernimmt aber nur dessen schlechte Sachen
  • Die Casa Rosada, der Präsidentenpalast gehört mit allen Politikern in die Luft gesprengt.
  • Die Schere zwischen arm und reich geht immer weiter auseinander.
  • Das neue Luxusviertel Madero mit den Hochhäusern wurde von Ausländern, von kolumbianischen Drogendealern erbaut.
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Wir besuchen ein klassisches Konzert im schönen Konzertsaal der Casa de la Cultura Kirchner. Svetlin Roussev (Violine) und Rusudan Alavidze (Klavier) spielen Debussy, Ravel, Saint-Saens und, wie könnte es anders sein, Astor Piazzolla. Die ersten 2 Reihen werden freigehalten. Kurz vor Konzertbeginn erscheinen dann die Honoratioren der Stadt. Sie kennen sich alle und Umarmungen, Schulterklopfen und Küsse nehmen kein Ende. Wir sitzen in der dritten Reihe und können somit das Spektakel genauestens verfolgen.

 

‚The days of bad coffee in BA are over‘, steht im Lonely Planet. Dem stimme ich nicht zu. Aber vielleicht war er in tiempos antes de George Cloony, sprich Nespresso noch schlechter (todavia mas peor).